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Mit Umweltproblemen wie Waldsterben, Luft- und Wasserverschmutzung, Strahlenbelastung durch
radioaktive Abfälle, Lärmbelästigung werden
wir tagtäglich in den Medien konfrontiert. Kann etwa Licht auch eine Belästigung
sein? Oder sogar ein ernstes Umweltproblem darstellen?
Seien Sie mal ehrlich, wissen Sie wie die Milchstrasse aussieht? Haben
Sie schon einmal die Andromeda-Galaxie oder den Orion-Nebel gesehen? Sogar
solch auffallende Sternbilder wie der große oder der kleine Wagen,
Kassiopeia oder der Schwan sind eine Seltenheit auf unserem
lichtverseuchten Himmel. Wann hat jemand zuletzt einen sternfunkelnden Nachthimmel
abseits aller Lichtquellen gesehen? Bei mir selbst dürfte das eine Weile
her sein. Leider nehmen viele von uns nicht nur die Schönheit des
nächtlichen Himmels kaum mehr wahr, die meisten bemerken nicht einmal,
dass sie das Licht stört! Das tut es aber. Wir Menschen sind tagaktive
Wesen, und wie die Evolution es so wollte, brauchen wir nachts Ruhe und
Dunkelheit, um uns ausruhen zu können. Aber auch nachtaktive Tiere sind auf die Dunkelheit
angewiesen, um erfolgreich jagen bzw. sich vor Feinden verstecken zu
können. Angesichts dessen, dass die meisten vergessen haben, wie die
Himmelsobjekte aussehen, wundert es mich nicht, warum viele die
Venus oder den Jupiter für Ufo's halten(!)
Der Sternenhimmel ist ein Kulturgut. Er hat eine
psychologisch-ästhetische, ehrfurchteinflössende Wirkung auf das
menschliche Individuum, denn seit Jahrtausenden war er Bestandteil unseres
Lebens. Er hat uns ein Gefühl der Zeit gegeben, er navigierte uns in
sichere Häfen und inspirierte die Menschen aller Nationen zu Poesie und
Sagen. Er war der Ursprung der antiken Götter, deren wichtigster Gott Zeus
bei den Griechen oder Jupiter bei den Römern nachweislich zu der
Entstehung des jüdischen Gottes Jahwe beigetragen haben, der wiederum
"unseren christlichen Gott hervorbrachte". Die lichtüberfluteten
Städte haben uns damit etwas Wertvolles genommen, was uns sei Jahrtausenden
begleitet hat.
Sicherlich darf das Licht nicht aus einseitiger Perspektive als Ausgeburt der modernen
Wegwerfgesellschaft betrachtet werden. Licht hat eine immense Bedeutung in
der Entwicklung der Menschheit gespielt. Das Beherrschen des Feuers war
einer der wichtigsten Meilensteine zur "Menschwerdung". Heute ist
das Licht aber,
wie vieles andere auch, zum Konsumgut geworden. Man geht damit leichtfertig,
gedankenlos und verschwenderisch um. Ich wohne in Osnabrück in relativer
Nähe zur Stadtmitte, was
astronomische Beobachtungen sehr schwierig gestalten lässt;
Fensterlichter, Straßenlaternen, Autoscheinwerfer, Beleuchtung in
Einfahrten und Eingängen, Gartenleuchten - das alles schwillt zu einer
einheitlichen Lichtglocke zusammen, die Beobachtungen nahe des Horizonts
unmöglich macht. Hinzu kommt die vermeintliche Kunst, alles rings herum
in noch mehr Licht einzutauchen, möglichst bunter, schriller, intensiver - illuminierte
Bauwerke und Gewässer, Open-Air-Shows und Lichtspektakel aller Art. Man kann endlose Debatten über den Nutzen von nicht
(ausreichend) abgeschirmten Kandelabern und Laternen,
Weihnachtsbeleuchtung oder Neonreklame führen oder einfach mit
minimalstem Aufwand ein wenig bewusster an die Planung und Durchführung
der Lichtinstallationen herangehen. Gewiss, man kann niemandem zumuten,
gänzlich auf Straßenbeleuchtung zu verzichten oder auf allseits geliebten Strahler mit
Bewegungsmeldern vor Hauseingängen. Man kann diese jedoch entsprechend so
gestalten, dass sie nur die Bereiche beleuchten, die sie beleuchten
sollen. Man kann einzelnen Personen, aber noch wichtiger - den Städten und
Gemeinden die Problematik vor die Augen führen.
Der schlimmste Feind der Astronomen, aber auch „gewöhnlicher“ Menschen
und vor allem der Tierwelt sind so genannte Skybeamer. Skybeamer sind
Lichtanlagen, die Licht in Form von Strahlen, die sich
meist schnell bewegen, in den Nachthimmel werfen. Sie werden als Werbung
von Diskotheken, Festen, Großveranstaltungen u.ä. missbraucht. Licht als
Umweltverschmutzung - die Skybemer sind ein Paradebeispiel dafür. Wenn
andere Lichtverschmutzungsfaktoren aus Unachtsamkeit und Unwissenheit
entstehen, missbrauchen die Betreiber solcher Lichtanlagen den
Sternenhimmel als kostenlose Werbefläche auf eine arrogante und mutwillige
Art und Weise.
Folgende Gründe sprechen gegen den Einsatz von Skybeamern:
-
Zugvögel
fühlen sich irritiert, verfliegen sich und kommen nicht
selten zum Absturz.
- Nachtaktive Tiere wie Fledermäuse oder
Eulen, werden bei der Jagt gestört.
- Gefährdung des Luft- und Bodenverkehrs.
- Einige ältere Menschen werden an die
Flakscheinwerfer während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg
erinnert.
- Es ist nicht leicht, die Quelle, aus der
das Licht entströmt, zu finden. Der Zweck der Werbung, dass das Licht
potentielle Besucher aus der Umgebung anlocken würde, ist äußerst
uneffektiv.
- Und nicht zuletzt die Profi- und
Amateurastronomen, für die tanzende Strahlen am Himmel die Beobachtungen
unmöglich machen.
Osnabrück wird von Skybeamern ebenfalls nicht verschont. Da wäre einmal der Karmann-Turm, der Nacht für Nacht eine dicke diffuse Lichtsäule in den Himmel
wirft, Pentagon - eine örtliche Diskothek, die an Wochenenden den Himmel in eine
Tanzfläche verwandelt, und sogar gelegentlich die Stadtwerke.
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Ist das etwa der Vorspann zu "Independence Day 2" oder die neue
Version von Herbert George Wells' "Der Krieg der Welten"? |
Ein
Blick von meiner "Sternwarte" aus in Richtung Innenstadt. |
Osnabrück by Night. Die beiden bläulich schimmernden Lichtfluten, die
wie nach oben gerichteten überdimensionalen Scheinwerfer aussehen,
gehören den Diskotheken Alando Palais und Pentagon. |
Die Lichtsäule vom Karmann-Turm. Kann fotografisch nur teilweise
erfasst werden. Bei wolkenverhangenem Himmel, wenn das Licht die
Wolkendecke von unten beleuchtet, meint man, es wäre der zweite Mond,
der da hindurchschimmert. |
Zum ersten Mal sah ich das grüne Licht Anfang zweiter Hälfte 2001, als
die Osnabrücker Stadtwerke ihren hundertjährigen Jubiläum feierten. Zu
diesem Anlass eröffneten sie eine Kunstausstellung zum Thema Elektrizität
"Schicht im Schacht. Licht im Schacht." und installierten rings um die
Stadt herum mehrere Lichtanlagen, die jeden Tag mit Einbruch der
Dunkelheit eingeschaltet wurden. Intensiv leuchtende grüne Lichtstrahlen, wie oben auf dem
Bild zu sehen, durchzogen den Osnabrücker Nachthimmel. Noch in 50
Kilometer Entfernung sollen die Laserstrahlen sichtbar gewesen sein. Der
Terror hatte erst Monate später ein Ende, nach einer Beschwerde seitens
der Bundeswehr.
Mitte Mai 2002 war das grüne Laserlicht erneut gute zwei Wochen lang zu
sehen, auch wenn es diffuser erschien, dafür jedoch schneller rotierte.
Ich machte mich im Internet auf die Suche nach dem Störenfried. Welch
wichtiges Ereignis mochten wohl diesmal die giftgrünen Strahlen bekunden?
Ob es an meinen Recherchefähigkeiten lag oder einfach daran, dass ich die
eine oder andere Stunde mehr in die Nachforschungen hätte investieren
sollen, aber ich wurde nicht fündig!
Ist das nicht abartig? Der Betreiber macht sich so einen Aufwand, auf
sich bzw. seine Veranstaltung Aufmerksamkeit zu lenken, wohlgemerkt auf
Kosten der Sicherheit, der Umwelt und einfach zum Ärger vieler Menschen.
Und wo bleibt letztendlich der Sinn, wenn die Aussage der Werbung so
undurchschaubar bleibt wie die Sterne, die das Flutlicht der Skybeamer
überstrahlt?
Zuletzt geändert: 15. January 2009 |