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2820 Beiträge in 621 Themen von 1349 Mitglieder
Neuestes Mitglied: KristenFinland69
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1  Allgemeines / Aktuelles Zeitgeschehen / Erosion des demokratischen Gemeinwesens am: August 10, 2011, 07:00:55
Es ist müßig zu erwähnen, dass es keine Rechtfertigung für Gewalt geben darf. Dennoch muss es erlaubt sein, auf das eine oder andere hinzuweisen, ohne gleich gesperrt zu werden.
Es ist der Staat, der sich immer mehr zu Gunsten einiger weniger priviligierter Gruppen seiner  Verantwortung für das Gemeinwesen entzogen hat. Der Staat versteht sich nicht mehr als Vertretung und freiwillig auferlegte Einheit seiner Bürger, sondern legitimiert sich nur noch durch seine neoliberale Politik, die das Agieren von Marktteilnehmern fördert.  Die Distanz zum Bürger stellt den Staat und die Demokratie im weiteren Sinne in Frage.  Es geht nur noch um die etablierte Ordnung zum Wohle sozial und wirtschaftlich privilegierter Gruppen und die muss aufrecht erhalten werden.
Jegliche moralische Empörung über die derzeitigen Ereignisse in Großbritannien läuft ins Leere, da sich  auch keine hinreichend moralische Begründung mehr unter den politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen findet für die Erhaltung des demokratischen Gemeinwesens. Rücksichtslos werden menschliche Bindungen und   Zugehörigkeitsgefüge dem radikalen Marktgeschehen geopfert.
Der liberaldemokratische Staat entlarvt sich als ein anarchisches System, das die organisierte Verantwortungslosigkeit einer Wirtschaftselite billigt und von ihr zu profitieren glaubt.  Die Epoche   stetiger Kulturzuwächse wird abgelöst  durch  eine parasitäre Beziehung der politischen und wirtschaftlichen Akteure untereinander zum Wohle ihrer materiellen Bereicherung.  Das geordnete Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft wird dabei aufs Spiel gesetzt.  Ja es wird von den Eliten nicht einmal mehr gewollt.
Den Preis, welchen wir Bürger dafür bezahlen müssen liegt zwischenzeitlich auf der Hand.

Maywald   Zwinkernd
2  Allgemeines / Aktuelles Zeitgeschehen / Psychologie des Ressentiments am: Februar 28, 2010, 06:08:15
Uns allen ist  mittlerweile geläufig, was der Sprachgebrauch der Mächtigen in Staat und Gesellschaft anrichten kann, wenn sich dieser gewisser   Polemiken bedient, um bestimmte Gruppen  der Verfolgung und Verurteilung preiszugeben.   
Es ist die "Psychologie des Ressentiments", welche in einer der konkreten Formulierungen z.B. eines Herrn GuidoWesterwelle, Mitglied des Bundestages seit 8. Februar 1996, seit Mai 2006 Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion, zum tragen kommt.
„Ich spreche aus, was die schweigende Mehrheit denkt“   (bild.de vom 20.02.2010 ), ist ein altbekannter Gemeinplatz,  der das nachträglich rechtfertigen soll, was dem dann folgt.
Ja, sie verwenden für ihre Propaganda die Massenmedien und die machen gerne mit. 
Es versagen in diesem Zusammenhang die so angeblich wertfreien technische und sachliche Ausdrücke eines Verfahrens, welches sich "HARTZ IV" nennt, an diese  Stelle tritt eine Rittmeisterpolemik, welche aus einen normalen Arbeitslosen einen "Asozialen" zu machen wünscht.  Und schon ist die Progromstimmung nahe.
Die Handlung ist dann der Weisheit letzter Schluss.   
Es ist die Weisheit der Menge, der man ansonsten wenig Beachtung schenkt. Sie wird von einem ständigen Redefluss der privilegierten Redeführer in Talkshows und Interviews von bösswilligen Unterscheidungen genährt.  Es sind also nicht die Totschläger, die an erste  Stelle treten, sondern die  Unterscheider.   Jene Entscheidungsträger, welche zwischen links und rechts unterscheiden, zwischen gut und böse, zwischen gemeinschaftsfähig und asozial.
Die Ent- und Unterscheider sind meist recht gebildete Leute, die den Bildungsfernen medial ihre Weltsicht aufdrängen und sie zu den eigentlichen Vollstreckern ihrer Ideologie werden lassen.  Es ist eine Sichtweise vermittelt durch die Massenmedien und ein daraus konstruiertes Welt- und Menschenbild.
Es ist also das Ressentiment des vornehmen Menschen, der aus beschämter Ohnmacht gegen die aufbegehrt, die das an materieller Teilhabe beanspruchen, was sie für sich als selbstverständlich reklamieren.  Sie sind doch die "Leistungsträger".   Die anderen wollen nur den "anstrengungslosen Wohlstand", den es so ja anscheinend nicht geben darf.
"Leistung muss sich lohnen, und es gibt keinen Wohlstand ohne Anstrengung". Das wissen auch die Arbeitslosen, die vorher zwanzig Jahre und mehr im Berufsleben standen und sich einen bescheidenen Wohlstand verdienten, den sie jetzt sukzessive verlieren.  Dazu kommt noch die Häme der Besserverdiener, welche ihnen unterstellen, das sie Faulenzer und Schmarotzer seien, die den Staat schamlos ausbeuten.  Wie war das???  -  Verkehrte Welt.   Ich wusste nicht, dass der Staat ein milliardenschweres Rettungspaket für Hartz-IV-Empfänger schnüren musste.  Habe ich da etwas falsch verstanden? Ja, aber natürlich!   Grinsend Grinsend Grinsend Grinsend


.
3  Allgemeines / Aktuelles Zeitgeschehen / Im Geiste des alten Europa am: Februar 26, 2010, 07:38:14
Gerade die geistigen Auseinandersetzungen um den Sozialstaat und HARTZ IV belegen das alte Reaktionsmuster auf gesellschaftliche Herausforderungen, welche gemeinhin nicht mit bloßen "Good-Will-Aktionen" zu bewältigen sind.

Im Wilhelminischen Kaiserreich begegnete man der zunehmenden sozialen Verelendung des Industrieproletariats mit der Schaffung einer für damalige Verhältnissen fortschrittlichen Sozialgesetzgebung.
Beispielgebend für viele andere europäische Länder. 
In pragmatischer Hinsicht vermied man damit die "lästige"  Systemfrage, welche auch  immer   eine latent "soziale" Komponente
in sich trug.
Doch es entschärfte nicht den prägenden Klassenantagonismus in den Köpfen der Menschen.  Dieser gewann im Laufe des Zwanzigsten Jahrhunderts in Folge polemisch geführter Diskurse noch an Schärfe, was letztlich nur durch ein diffuses Gemeinwohl im Gewande der "Volksgemeinschaft" zu den menschlich desaströsen Vernichtungsorgien führte.
Die "soziale Frage"  und die damit einhergehenden grassen Unterschiede in den Lebensverhältnissen der Menschen schienen mit dem Wohlstand der Nachkriegsjahre lösbar zu sein.
Die Antwort lautete: "Soziale Marktwirtschaft".  Sie neutralisierte,  oberflächlich betrachtet, erneut den geistigen Antagonismus in der Systemfrage.
Fast jeder konnte sich in materieller Hinsicht fast alles leisten, dennoch blieb jeder im Geiste dem eigenen Standesdünkel vergangener Epochen verhaftet. 
Der "Strukturfeudalismus" vergangener Jahrhunderte lebt u.a. Bildungswesen bis heute fort.
Auch in anderen Teilbereichen unserer Gesellschaft ist dieser strukturell bedingte und geistig zementierte Feudalismus noch prägend, wie z.B. in der  Klüngelherrschaft von Parteien und Vereinen, die nur Ihresgleichen kennt und fördert.  Letztlich keimt dieser Feudalismus noch im Klerus und in den Amtsstuben.
Wir sind also noch im Geiste des alten Europa und so verwundern auch nicht die Polemiken eines Thilo Sarrazin und Guido Westerwelle zu den angeblichen Sozial....  .
Nein, es ist eigentlich keine wirkliche Zeitenwende angebrochen. Wir befinden uns schon seit Anbruch der Moderne in der Halbzeit einer mentalen Krise und dies drückt sich in regelmäßigen Zeitabständen auch in den geführten Diskursen aus.
Es ist nahezu immer das Gleiche, was uns versprochen wird und immer wieder die Gleichen, die sich uns als  Retter präsentieren und folgen wird das Immer-Wiederkehrende.

Maywald  Unentschlossen Huch
4  Community / Small Talk / Sarrazin-Sprüche am: Oktober 30, 2009, 05:33:47
Vor einiger Zeit habe ich das Buch von Daniel Kredig mit dem Titel "Dekadent und gefährlich" gelesen, worin er die soziale bwz. gesellschaftliche Funktion von sogenannten "Stereotypen"  analysiert und beschreibt. 
 Heute scheinen wir, den schrecklichen Erinnerungen von damals entwöhnt, wieder empfänglich zu sein für unqualifizierte Problem- und Schuldzuweisungen. 
Die neuzeitliche Krise ist auch eine in den Köpfen der Menschen und so hat jemand wie Thilo Sarrazin auch wieder die Möglichkeit,  diverse Randgruppen für das erneute Scheitern in unserer Gesellschaft verantwortlich zu machen. 
Wenn man genauer hinschaut und auch zuhört vernimmt man erneut das eklatante moralische Versagen unserer Eliten. 
In der "Welt Online" ( 30.10.2009) gelten Sarrazins Worte als "böse - aber wichtig".  Ist uns also das "böse" Benennen von Gruppen, die man für das allgemeine Übel in der Gesellschaft verantwortlich zu machen sucht, wieder wichtiger als die simple Analyse unserer gegenwärtigen Probleme.
Endlich sagt mal einer, was alle denken.  Er ist wenigstens mutig und aufrichtig zugleich.  Warum nicht das benennen, was ja ohnehin schon jeder wusste.
Herr Sarrazin sieht Menschen als das eigentliche Problem , Menschen, die anders sind als er, anders reden, anders denken, anders essen, einfach anders leben. 
Er spricht nicht wirklich das an, was uns allen auf den Nägeln brennt .  Die Sorgen der Menschen interessieren ihn überhaupt nicht. 
Er muss nicht um seinen Arbeitsplatz fürchten, noch hat er schlechte Schulen besucht, auch verdient er  gut.   Alles, worum er sich keine Sorgen zu machen braucht. 
Warum aber stören ihn die Probleme der anderen Menschen?
Warum ringt er um Pauschalierungen, welche die gegenwärtigen Probleme im ganzen zu reduzieren suchen auf die einen großen Übeltäter - die Türken und Hartz-IV-Empfänger?
Weil er sich und seinesgleichen, die bürgerliche Elite , für das von ihnen angerichtete moralische Desaster, genannt die Krise, entlasten will. 
Nach langer Zeit kann man ja wieder das versuchen, was ja ohnehin schon immer geplant  war, das Ausfindigmachen von Randgruppen, deren  Bezeichnung als  "Seuche", letzlich deren Bekämpfung und Ausmerze.  Das ist das Diktum eines Thilo Sarrazin.

Frank Maywald (Schorndorf)  Zwinkernd Huch Verlegen Traurig
5  Allgemeines / Aktuelles Zeitgeschehen / Befriedungsverbrechen am: März 23, 2009, 09:50:15
Es gibt ein Buch gleichnamigen Titels, dass inhaltlich von der „Deformierung“ des Subjekts durch „Entmündigungs- und Domestizierungsprojekten“ spricht, was auch immer eine „Selbst-Deformierung“ jener beinhaltet, die qua „abgeleiteter“ oder „geborgter“ Autorität „durch Anbindung an institutionelle“ und auch persönliche „Interessenlagen“ sich an diesen Prozessen beteiligen. (Hrsg.: Franco Basaglia et al 1975; dt.: 1980)

Es ist die “Dienstbarkeit“ auch der Lehrer an solchen Verfahren, die zur Legitimation asymmetrischer gesellschaftlicher Verhältnisse beitragen. Sie garantieren ihren als Bürgerkinder erworbenen Status. Der erkennbare und spürbare Unterschied macht’s.
Ihr traditionelles Milieu generiert in kultureller Erbfolge immer wieder das gleiche – den Lehrer oder die Erzieherin. Mental sowie psychisch abgekoppelt vom Rest des gewöhnlichen Prekariats, jener neuen Klasse von Ausgebeuteten und Entrechteten. Doch deren Kinder besuchen weiterhin die Schule, weil es die staatlich verordnete Schulpflicht gibt und es noch nichts kostet.

Das rührt an ihrem Selbstverständnis von Bildung und dessen legitimen Weitergabe. Sie sehen den Wert der Bildung in seiner Bedeutung herabgemindert, wenn es nur noch darum gehen soll, den Proletarierkindern das Lesen und Rechnen beizubringen. Sie wollen keine Dienstleistung, die vornehmlich am Nutzen der anderen orientiert ist, sondern durch ihr „Ordnungs- und Domestizierungsgeschäft“ die Grenzen wahren zwischen ihnen und den anderen. Das gibt ihnen Sicherheit und das Gefühl der Auserwähltheit.

Deshalb können sich gerade Lehrer und Lehrerinnen an höheren Schulen mehr für Exzellenzinitiativen“ begeistern als für den Förderunterricht. Sie sind die Herren und Damen über Zustimmungs- und Ausschlussverfahren gemäß den Interessen der Bourgeoisie.

Um ihr Vorgehen zu rechtfertigen und nachträglich zu legitimieren, ersinnen sie theoretisches Wissen über die vermeintlichen Unzulänglichkeiten der anderen. Ihre Theorien der Mittelmäßigkeit und eine ihrem Praxiswissen gemäße feinsinnige Zerstörungsarbeit schaffen den Schulversager aus der unteren Mittelschicht. Sie stilisieren ihr Geschäft, im Zeichen des großen sozialen Konfliktes zwischen ihnen und den aufbegehrenden Schülern , als ein legales Vorgehen im Interesse und zum Schutz der Gemeinschaft. Hintergründig treiben sie eine „Normalisierung der Verhältnisse“ voran, die den Status Quo ihrer Privilegienherrschaft manifestiert.

Das Ausmaß an subtiler Gewalt, das diese Agenten dabei ausüben, schlägt auf sie in roher Form zurück.

Maywald (Schorndorf) Schweigend
6  Allgemeines / Aktuelles Zeitgeschehen / Re: Beitrag zum Amoklauf eines Schülers an der Realschule in Winnenden am: März 20, 2009, 11:26:39
Hallo  " deep7 " ,

es tut auch mal gut, eine andere, wenn auch ähnliche Meinung zu hören.
 

Maywald  Zwinkernd
7  Allgemeines / Aktuelles Zeitgeschehen / Beitrag zum Amoklauf eines Schülers an der Realschule in Winnenden am: März 15, 2009, 01:58:41
Versagen des Pädagogischen Arrangements

Demütigungen und   Reglementierungen bewirken u.a. eine psychische Dauerbelastung,
insbesondere wenn dieser Prozess über längere Zeit anhält und sich nachhaltig auf die Lebensplanung auswirkt.
Selbst nicht unmittelbar der Problematik zugehörige äußere Faktoren können da schon akuten psychischen Stress auslösen.  In der Regel  sind es aber die aktuellen Vergegenwärtigungen solcher Demütigungserfahrungen, die dann zur Initialzündung solch einer Tat werden können.
Tragisch an der ganzen Geschichte ist, dass wir voreilig solch einer Tat  eine Symptomatik unterstellen, die nur im Pathologischen zu finden ist.  Wir übernehmen gerne die Rationalisierungen aus der klinischen Psychologie, um uns nicht weitere Fragen stellen zu müssen und welche zur eigenen Entlastung beitragen. Man spricht hier auch von den bevorzugten Chiffren der Problemdefinition, welche sich mehr an der Person und weniger an den Lebensumständen orientiert.
Neigen wir nicht ohnehin vermehrt dazu Probleme, die wir mit Kindern und Jugendliche haben, an deren Verhalten festzumachen (Vgl. hierzu die ADHS-Problematik).
Wir haben es mit einer Pädagogik zu tun, welche mehr die Defizite und Störungen des jeweiligen Schülers ins Auge fasst,  ihn an seinen Schwächen festmacht und nicht an seinen Stärken packt.  Vorgänge   der negativen Zuschreibung und Stigmatisierung sind länger schon integraler Bestandteil des professionellen Erziehungsarrangements. .  Erschreckend ist, das eine Vielzahl der Erwachsenen Demütigungsprozesse als Desensibilisierungsstrategie im Erziehungsalltag für ganz normal halten.  Es etabliert sich zunehmend eine Zurichtungspraxis, die sich mehr an Krankheitsbildern und Symptomen im menschlichen Verhalten orientiert  und mehr das zu therapierende Selbst im Blick hat. 
Die  zunehmende Pathologisierung des für uns auffälligen Verhaltens bei Kindern und Jugendlichen verdrängt das Verstehen von Problemen, die im Erziehungsalltag ganz normal sind  und auch normal begegnet werden müssen.    Man versteht sich untereinander nicht mehr, kann kaum noch nachvollziehen, was in den anderen vorgeht.
Man kann in der Erziehung vieles richtig machen, aber sein Kind trotz alledem verlieren.   
Die Flucht in virtuelle Welten ist nur ein Indiz für das Auseinanderklaffen zwei verschiedener Welten, die des Jugendlichen und die des Erwachsenen.   


Frank Maywald (Schorndorf) Zwinkernd
8  Community / Small Talk / Die 68er am: April 04, 2008, 05:27:08
Nun könnte man es auf folgernde griffige Formel bringen:

was hat es gebracht, wem hat es genutzt?

Doch das wäre zu kurz gegriffen und es stellt sich die Frage, ob mit solch einem Aufbruch gleich eine einsschneidende gesellschaftliche Veränderung indiziert sein muss.

Bedingt war es nur die "Umwertung aller Werte" (Nietzsche), vielmehr zu Anfang ein Befreiungsschlag aus einer beklemmenden Situation.  Wie sollte eine junge gebildete Generation mit dem Erbe ihrer Eltern umgehen, ohne Tabus zu brechen und groß anzuecken?  Die Erwachsenengeneration stellte nicht die Fragen, die sich die jungen Studenten  stellten, angesichts der begangenen Verbrechen im Dritten Reich.  Wie wollte man leben als junger Mensch, wie die die Vergangenheit den Kindern erklären und wie die Zukunft gestalten ohne sich wenigstens einmal zu fragen, was war und warum?

Es war eine  Studentenrevolte - keine Revolution. Es war ein geräuschvolles Hintergrundrauschen mit einer bescheiden gebliebenen Wirkmächtigkeit.
Da war viel Spontanität und Improvisation, um der Theorie Leben einzuhauchen.
Für sie   galt, "das  Begriffe ohne Anschauung leer seien und die Anschauungen  ohne Begriffe  gedanklich nie bewältigt werden können" (In Anlehnung an I. Kant). 
Daher die enorme Theorielastigkeit ihrer Bewegung, welche mehr Verständigungshürden aufbaute und Mißverständnisse erzeugte, was ihnen auch nicht recht sein konnte.
Für viele galten die Ideen als Absolutheiten, die aber in  eine   Empirievermessenheit mündeten. 
Die sogenannten 68er wollten die Empirie durch die Theorie auf dem Kopf stellen und die Theorie durch ihre Alltagspraxis auf die Füße helfen. Die normative Kraft des Faktischen war jedoch stärker und wurde unterschätzt. . Diese Normativität konnte theoretisch entlarvt und entzaubert werden, was in der "ersten Welt" (Popper) der Wissenschaft so schon üblich war, jedoch das Alltagsverständnis der meisten  Menschen in dieser bundesrepublikanischen Gesellschaft war anders gerahmt. Die "nackten Tatsachen" einer unwirtlichen Arbeitswelt und das eines recht beegten privaten Familienlebens prägten deren Weltverständnis.  Da war für "Träumereien" einer privilegierten Minderheit kein Platz.

Vorstellungen und Ideen der Studentenbewegung von einer besseren Welt durchdrangen nur sukkzessive einzelne Lebensbereiche und in Realitäten umgewandelt sind diese heute kaum noch spürbar.   Zudem sind viele  Zielsetzungen, wenn diese denn so konkret und einstimmig formuliert wurden,
auf halber Strecke im Morast stecken geblieben.

Der Gang durch die Institutionen, die berühmte Ochsentour, hat sich dennoch für die meisten von ihnen gelohnt.  Zurück blieben die Marginalisierten, für deren Interessen sie fiktiv einmal angetreten waren.

Sie leben weiterhin mit den üblichen sozialen Ungerechtigkeiten, der Bildungsferne und der materiellen Armut.

Die Machtspiele der Zyniker waren ausdauernder und haben letztlich den Sieg davongetragen und  selbst ist man schon   Profiteur dieser Verhältnisse.   Darin bewegt man sich, wenn es einem selbst von Vorteil ist.

Geblieben ist ein unaufhörliches Geplappere und eine seichte Unterhaltung .  Das bewahrt uns nicht vor den bevorstehenden Rückfall in einen Neo-Feudalismus wirtschaftsliberaler Prägung.

Maywald Unentschlossen
9  Allgemeines / Aktuelles Zeitgeschehen / Das Leistungsprinzip in der Schule am: Januar 07, 2007, 01:52:46
  Schockiert Ärgerlich Zunge Verlegen Zwinkernd

 Kurz gesagt geht es um die soziale Funktion des bürgerlichen Bildungsarrangements und die Hereinnahme eines ökonomischen Primats in den pädagogischen Prozess:  Das Leistungsprinzip.   

Bekanntermaßen die Leitdifferenz (N. Luhmann), die frühere Unterscheidungskriterien wie z.B. Herkunft und Stand ersetzt.
Meines Erachtens individualisiert das Unterscheidungskriterium "Leistung" nur die ohnehin schon bestehenden sozialen  Unterschiede und ersetzt diese nicht.  Es ist ein neues Kontrastierungsverfahren, dass eine gruppenspezifische Ressourcenverteilung und bestimmte luxeriöse Entfaltungsrechte weniger Auserwählter, anhand der angesprochenen Unterscheidung,  gesellschaftlich legitimieren soll.

Neben der Vorstellung von der bildungsmäßigen Formung eines Menschen geht einher das Effizienzdenken.  Es soll durch den pädagogischen Prozess ein Produkt entstehen, dass sich optimal in den wirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Verwertungszusammenhang eingliedern lässt.

 Das Credo der optimalen Bildung kaschiert die  eigentliche Absicht:
Die statusmäßige Zurichtung des Menschen im Dienste einer immer noch bestehenden Klassengesellschaft.  Das Bildungsarrangement an unseren Schulen erfüllt diesen Zweck, indem es eine neue Leitdifferenz in ihr Teilsystem einführt. 

Bildbarkeit des Menschen erfüllt sich nur noch dahingehend, als das diese an Leistungsstandards gemessen, bestimmten Erwartungen gerecht werden muss.  Der Mensch nur noch als optimierte Teilressource eines ganzen Ressourcenpools.  Es geht einfach um die bestmögliche Resourcennutzung im Interesse weniger Profiteure des Arrangements Gesellschaft.

Es geht auch nicht mehr um die bestmögliche Entfaltung individuell gewälter , am eigenen   Vermögen und Begabungen  orientierter, Präferenzen.  Kurz gesagt, es geht dem pädagogischen Arrangement auch nicht mehr um menschengerechte Formung durch Initiierung von vielfältigen Lernmöglichkeiten und daraus ableitbaren individuellen Chancen.

Der "Mythos von der Leistungsgesellschaft" (Michael Hartmann) pflegt die Vorstellung, dass individuelle Kraftanstrengung zum gewünschenten Ergebnis führt.  Tatsache ist, dass das schulmäßige Verfahren, dessen  genannte Leitdiffrenz und Prozeßlogik, über Erfolg oder Mißerfolg einer Karriere entscheidet. 

Leistung in diesem Sinne führt selten zu individuell  erfolgsversprechenden Karrierechancen.  Der bloße Titelerwerb marginal, da inflationär.  "Leistung" , gemessen an überindividuellen Möglichkeiten und Erwartungen, hat sich im Bildungssystem als resistenter selektiver Mechanismus erwiesen, der Chancen reduziert und Scheitern produziert.

Es geht nicht allein um die Meßbarkeit und des Vergleichs von erbrachter Lern-Leistung, was ja unter bestimmten Gesichtspunkten hilfreich sein kann, sondern um die Setzung markanter Unterschiede, die man nicht an der Gesellschaft festzumachen sucht, sondern am Individuum. 

Das Scheitern an Zielvorgaben ist dann per definitionem dann eine persönliche Niederlage und kein Versagen des Arrangements. 

Alle Bezüge auf Intelligenz, Fleiß und Anstrengung sind nachgeordnete Interpretationsversuche, um den Aspekt gemessener Leistung zu individualisieren. 

Mit Wissen darüber, dass das Ergebnis gemessener Leistung ein individuelles Problem ist, erfolgt auch eine individuumsspezifische Zuschreibung von Erfolg oder Versagen.

Fremdbestimmte und weniger an Voraussetzungen des Individuums gebundene Standards zur Erreichung bestimmter Ziele dienen mehr einem Gruppenprotektionismus besonderer Art.  Es soll ein kulturelles Erbe bewahrt werden, dass immer verbunden war mit einem besonderen sozialen Erbe.  Es ist das Erbe eines schon immer bestandenen Gruppenfeudalismus,  legitimiert durch angeblich hervorragende Leistungen   der einzelnen Gruppenmitglieder.

Leistung soll sich wieder lohnen. Fragt sich nur, für wen.

 
www.maywald.net   Küsschen
10  Allgemeines / Aktuelles Zeitgeschehen / Stigmatisierung als pädagogische Strategie am: Januar 07, 2007, 01:49:36
Aus Platz- und Zeitgründen bin ich gezwungen, den Sachverhalt recht kurz und vereinfacht darzustellen. Auch dient es der Verständlichkeit.



Um gewissen Einwänden gleich zu begegnen. Es geht mir hier in erster Linie um einen Teilaspekt pädagogischen Handelns.
Diese von mir erwähnte pädagogische Strategie greift jedoch so gravierend in die Persönlichkeitsentwicklung ein, dass sie das Selbstbild und das moralische Selbstbewußtsein der betreffenden jungen Menschen so nachhaltig beeinflußt und schädigt, dass diese ihr Leben nie richtig in den Griff bekommen.  Aus tiefsitzenden Demütigungserfahrungen heraus,  neigen diese Menschen dazu, sich und andere zu verletzen.
Wie in einer Art Endlosschleife bedingt das eine das andere und das andere das eine.

Natürlich weiß ich um die Mystifizierungen  und inhaltlichen Verdrehungen derer, denen es darum geht, die destruktiven Formen   pädagogischer  Praxis im Dienste und Interesse einer herrschenden bürgerlichen Klasse zu rechtfertigen. Von allen Seiten bekommt man zu hören, dass man die Wohltätigkeiten von Lehrern und Lehrerinnen nicht zu  würdigen weiß  und die Schwierigkeiten, die nun einmal der Beruf des Pädagogen mit sich bringt, unterschätzt. Aber   dies in Frage  zu stellen, darum geht es mir nicht.

Vielmehr komme ich noch einmal auf die Frage des Kriminologen Christian Pfeifer zurück:

Zitat
"Warum produziert unser Schulsystem so viele Verlierer?" 

 

Es gibt pädagogische Strategien, die den oben genannten Sachverhalt verstärken oder sogar begünstigen.

Eines dieser pädagogischen Strategien, welche ein ganz bestimmtes Lehrer-Schüler-Verhältnis charakterisiert wird in der Sozialwissenschaft als "  Stigmatisierung "
bezeichnet.

Was beschreibt den  Prozess der Stigmatisierung  , wie läuft dieser ab und mit welchen Folgen müssen die Betroffenen leben?


 Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Lehrer bestimmte Schüler/Schülerinnen schneiden, diese bewußt übergehen, wenn die sich melden oder beiläufig abfällige Bemerkungen machen.  In aller Regel sind es Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern oder eben jene, die es mit dem Lernen etwas schwerer haben. 
In der Anfangsklasse meiner Berufschule erkundigte sich der Lehrer,  wer den von der Sonderschule kommt. Jene, die sich meldeten, es waren nicht viele, mussten sich in die hinteren Bankreihen setzen.  Ich gehörte dazu. Doppelt stigmatisiert, als Sonderschüler und Heimkind, musste ich  viele Demütigungen von seiten der Lehrer und Lehrerinnen  ertragen. Während meiner Zeit auf dem Abendgymnasium lernte ich einige Studienräte kennen, die sich darüber prüskierten, warum denn jeder Trottel zum Abitur müsse und ob das denn überhaupt notwendig sei.  Zynische und abfällige Bemerkungen waren auch während der Studienzeit von manchem Professor/ mancher Professorin zu hören.  So weit meine Erfahrungen,  nun zur Theorie:
 
Laut Lexikon der Soziologie ( Werner Fuchs-Heinritz et al, 3. Aufl.1994) versteht man   Stigmatisierung als einen Prozeß der negativen Zuschreibung, also der "Kategorisierung einer Person durch gesellschaftlich  oder gruppenspezifisch  negativ bewertete Attribute, d.h. durch (vermeintliche) Eigenschaften, welche die betreffende Person  entwürdigen".

Die Wahrnehmung der "negativen" Schülerpersönlichkeit  beruht meist auf eine insgeheim angenommene persönliche Theorie, welche Lehrer oder Lehrerinnen sich über ganz bestimmte  Schüler machen. "Die Wahrnehmung des einen negativen Merkmals (z.B. Lernschwäche ) wird meist  mit anderen unvorteilhaften Eigenschaften des Schülers in Verbindung gebracht (z.B. soziale Herkunft).   
(siehe hierzu auch Friedrich Lösel:  Prozesse der Stigmatisierung in der Schule 2. Typisierungen der Schüler durch ihren Lehrer; zu finden unter dem Stichort Stigmatisierung bei Wikipedia.)

Das Stigma "Schulversager" wird zu einem alles überwiegenden Status für das Kind, das fortan mit diesem Makel leben muss und sich so genötigt sieht,  alles daran zu setzen, diesen wieder loszuwerden.  Angesichts der Tatsache,  dass dies häufig nicht gelingt, entwickelt das Kind in eigentümlicher Weise das sogenannten  Stigmamanagement.  
Es lernt mit der zugedachten Rolle zu leben. 
(siehe hierzu auch  Erving Goffman:   "Stigma"  : Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität,12.Aufl.1996, Suhrkamp Verlag.)

"Die veränderte Selbstdefinition des Schülers/ der Schülerin als Resultat der Fremddefinition des Lehrers/ der Lehrerin erzeugt und verfestigt Verhaltensweisen, welche die Erwartungen des Lehrers und die Abweichlerrolle des Schülers zu bestätigen scheinen"  ( Friedrich Lösel  ebd. S. 10) .
In einer  "sich selbst erfüllenden Prophezeihung" (ebd. S. 11) erfüllt der Schüler/ die Schülerin schon im vorauseilendem Gehorsam die Erwartungen des Lehrers hinsichtlich der von diesem zugedachten Rolle.
Was für den einen Schüler ein "Prestigesymbol" (gute schulische Leistung; Vater ebenfalls Lehrer etc.) sein kann, ist für den anderen ein "Stigma" (schlechte schulische Leistungen, Vater Bauarbeiter). Beides beinhaltet eine "soziale Information" über den jeweiligen Schüler. Es wird dann zu einer information über das   Individuum  mit dem jeweiligen sozialen und kulturellen Hintergrund, das mit entsprechend  erweiterten Eigenschaften bedacht und in eine bestimmte Rolle gedrängt wird 
 
Stigmatisierung ist der methodische Ansatz im pädagogischen Handeln, der die Praxis sozialer Auslese 
generiert und wo schon institutionell verankert zusätzlich verstärkt.   

Jürgen Hohmeier beschreibt Stigmatisierung denn auch als einen"gesellschaftlichen Prozeß der Ausgliederung, der durch soziale Definitionen geleistet wird". (Stigmatisierung als sozialer Definitionsprozeß in Stigmatisierung 1+2. Zur Produktion gesellschaftlicher Randgruppen ,  S. 1)

Letztlich bleibt noch festzuhalten, welche gesellschaftliche Funktion diese Strategie erfüllt.

 Die Vorstellung über das  "Abnorme"   hat ebenso wie die Vorstellung von "Normalität" eine Orientierungs- und Leitfunktion im sozialen Interaktionsgeschehen. Hier geht es darum Grenzen zu markieren: Ich hier, Du da. Diese Vorstellungen macht man an vermeintliche Eigenschaften der betreffenden Personen fest, sieht diese dann als eine Bedrohung, meidet und isoliert sie. Häufig werden diese  Personen dann "auffällig", um sich Gehör zu verschaffen, geraten dann meist aber in den Focus
der Instanzen sozialer Kontrolle. Die Mitglieder solcher Randgruppen sind ohnehin  schon sozial   isoliert und degradiert. Ihre sozialen Chancen sind minimal und sie sind in ihren Lebensperspektiven eingeschränkt.  Das gilt insbesondere für die Kinder aus   Familien mit niedrigem Einkommen, geringem Bildungskapital und Sozialprestige. Gerade der französische Kultur- u. Bildungssoziologe Pierre Bourdieu hat sich u.a. in seinem Werk      "Die feinen Unterschiede"  1987, ebenfalls im Suhrkamp Verlag erschienen, damit intensiv auseinandergesetzt. Auch beschäftigte er sich bereits in den Siebziger Jahren mit der "Illusion der Chancengleichheit". In beiden Werken  ging es grob gesprochen um das gesellschaftliche Arrangement der Bildung.

Für bestimmte Interessengruppen in unserer Gesellschaft scheint es lohnenswert zu sein, bestimmte Personen von der erfolgreichen Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben auszuschließen. Es mag vielleicht auch sozioökonomische Gründe haben. Nicht jeden will man an die begehrten Fressplätze lassen.  Begehrte Güter und Kapitalsorten werden absichtlich knapp gehalten, um so Macht über einen Großteil der Menschen ausüben zu können.

www.maywald.net
11  Allgemeines / Aktuelles Zeitgeschehen / "Keine Auswege für Verlierer" ? am: Dezember 07, 2006, 01:52:21
Auf die Frage des Moderators Frank Plasberg in im WDR-Talk "hart aber fair", was denn Jugendliche dazu bringt, solch eine Tat zu begehen, antwortete der Kriminologe Christian Pfeifer, "Das Gefühl tiefster Demütigung".

Der Psychtherapeut Dr. M. Heilemann erwähnte ebenfalls in der o.g. Sendung, dass der junge Mann, der durch seine Tat siebzehn Menschen verletzt und anschließend sich selbst getötet hat, achtzehn Jahre lang ein Leben geführt hat.
Was war das für ein Leben und was hat ihn letztlich zu dieser Tat getrieben?

Waren es letztlich wirklich nur die Auswüchse eines verkorksten Lebens eines "introvertierten Kopfkindes" (Heilemann), der sich in eine virtuelle Scheinwelt flüchtete.

In den Worten des Abschiedsbriefes von Sebastian, den Jugendlichen, der uns unweigerlich darauf aufmerksam machte, dass nicht nur sein Leben, sondern der Zustand einer ganzen Gesellschaft ins Wanken geraten ist, klingt noch etwas anderes an:

"Das Gefühl tiefster Demütigung"!

Zeilen aus Sebastians Abschiedsbrief lassen wissen:

"Ihr habt diese Schlacht begonnen, nicht ich! Meine Handlungen sind ein Resultat eurer Welt, eine Welt, die mich nicht sein lassen will, wie ich bin".

Er war der Meinung, dass sich die Menschen, welche sich auf der Schule befinden, insbesondere das Lehrpersonal, keinesfalls unschuldig sind an seiner Tragödie und sich deshalb seine Rache in erster Linie gegen dieses Lehrpersonal richtet.
"Denn, das sind die Menschen", so Sebastian, "die gegen mein Willen in mein Leben eingegriffen haben, und geholfen haben, mich da hin zu stellen, wo ich jetzt stehe:
Auf dem Schlachtfeld."

Wir verlieren unsere Kinder an die virtuelle Welt, wenn sie bereits an ihrem wirklichen Leben zerbrochen sind.
Wir Erwachsene fordern von ihnen, aber fördern sie nicht mehr.
Das Fordern bleibt weiterhin staatlicher Auftrag (Schule ) , das Fördern ist nur noch Privatsache.

Wir setzen vieles im Leben der Kinder und Jugendlichen voraus, ohne aber an die Voraussetzungen selbst zu denken, die ein "gelungenes" und "erfolgreiches" Leben erst ermöglichen.

Die Schule selber sieht sich nicht als Reparaturbetrieb für seelische und soziale Notlagen.
Anscheinend interessieren sich Lehrer und Lehrerinnen auch nicht für die persönlichen Schicksale unserer Kinder.
der Kriminologe Christian Pfeifer fragt zu recht:

"Warum produziert unser Schulsystem so viel Verlierer?"
 

Maywald
 Küsschen
12  Allgemeines / Aktuelles Zeitgeschehen / Vom Proletenkind Gerhard zum Kanzler Schröder am: Oktober 24, 2006, 08:11:00

Die literarisch oft geschilderte Legende vom Underdog, der gegen den Rest der Welt kämpft ist in der Tat nur Mythenbildung im Interesse
der Herrschenden aus der Oberschicht.

Gerhard Schröder war nun wahrlich ein Kind seiner Zeit.

Vordergründig koketierte er mit den Phrasen der "Achtundsechziger" ,
hintergrundig war es seine eigentliche Bauernschläue, die ihn vorwärts brachte.

Er war ein Ziehkind dieser verlogenen Ideenverbreiter, brav, wie es sich gehört, eignete er sich in einer Art Selbsterfüllungsprophezeihung all das an, was ihn, ganz im Sinne des Kleine-Leute- Mythos, vom Proleten zum Kanzler werden ließ.


Er festigte im idealtypischen Sinne jenen Verblendungszusammenhang,
den die 68er-Generation herstellte, um jene glauben machen zu wollen, das es einen Zugang zu Bildung und Wohlstand auch für sozial unterprivilegierten Schichten gibt.

Er benannte in seinen politischen Reden denn auch oft diese o.g. Grundkonstellation.

Es ist in der Tat eine beeindruckende Aufstiegslegende, welche aber das dahinterliegende "Leben mit Widersprüchen" nicht allzu oft erwähnt.

Es sinbd dann eher die Neider und Streiter aus der "Noblesse de Robe",
die gerade seine Legende zu entarnen suchen.

Dem "Kleinen Mann" auf der Strasse hat er durch sein politisches Wirken
zu verstehen gegeben, das er, der " Aufsteiger des Zweiten Bildungsweges" nicht viel gemein haben will mit dessen Wünsche und Nöte.

Er zelebrierte jene inhaltsleeren Rituale von der sozialen Chancengleichheit, wo er doch genau wusste, das dies für sein Aufstieg wohl nicht maßgebend sein würde.

Der Günstling des Zweiten Bildungsweges lernte wohl mehr über die Eigenlogik des Systems, mehr im Sinne einer Selbsterfüllungsprophezeihung, die codiert das widerspiegelt, was das System an Erwartungen herausbildet, um sich selbst immer wieder aufs neue zu bestätigen.

Er mutierte gemäß seiner Ego-Taktik wohl mehr zum Systemintriganten, weniger zum Systemkritiker.


Maywald  Zunge
13  Allgemeines / Aktuelles Zeitgeschehen / Kinderarmut in Deutschland am: September 23, 2006, 12:44:10
Ich sehe, was Du nicht sehen willst  - Kinderarmut in Deutschland

In Abhebung zur positiv anmutenden 15.Shell-Jugendstudie, wo Tugenden einer aufstrebenden Mittelschicht-Jugend neu endeckt und die Zukunft in rosigen Farben gemahlt wird, steht es um die Kinder der unteren sozialen Schicht laut der pessimistischeren UNICEF-Studie und anderer ergänzender Teilstudien (z.B. des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Armutsbericht der Bundesregierung, Studie der Arbeiterwohlfahrt) sehr schlecht, was die materielle Versorgung und die Bildungschancen angeht.

Über die Eingabe "Kinderarmut" in diversen Suchmaschinen wird man zu den genannten Studien (meist in zusammenfassenden Kommentaren oder als ganzes gekürzt dargestellt) geführt.

Linkangaben sind in diesem Forum leider nicht zulässig.

Deshalb erspare ich mir aus Platz- und Zeitgründen eine ausführlichere Erläuterung. Eine Langfassung meiner Ausführungen mit Linkangaben findet Ihr auf meiner Homepage "Philosophie des Kritischen Humanismus" (Suchmaschineneintrag), wo ich eine zusätzliche Unterseite "Kinderarmut" in Kürze einrichten werde.


Armut im Wohlstandsgefüge einer immer noch reichen Wirtschaftsnation erscheint wie ein Anachronismus (nicht mehr zeitgemäß), wenn man von den verantwortlichen Politikern zu hören bekommt, was man den Familien an staatlichen Transferleistungen zukommen lässt.

Also individualisiert man das Problem der Armut bzw. auch des Armutsrisikos. Es wird dann zu einer Frage, wie die betroffenen Familienmitglieder mit diesem Geld umgehen und das mag individuell sehr unterschiedlich sein.

Allgemein wird Deutschland als ein reiches Land bezeichnet, in dem es der großen Mehrheit gutgehe. Zudem wird häufig jene zynische Analogie verwendet, die da lautet, dass es anderswo anderen Menschen noch viel schlechter ginge und man sich glücklich schätzen könne, in Deutschland zu leben.

Doch diese Sichtweise verkennt das grundsätzlichere Problem der "relativen" Armut, die im Verhältnis zu den Lebenschancen der übrigen Bevölkerung im Lande gesehen werden muss.

Allgemein wird behauptet, dass Armut in reichen Ländern unauffälliger daherkommt, da es wenig augenfällige Merkmale gibt, die den von Armut betroffenen Menschen kennzeichnen.

Erst im Vergleich zu der übrigen Gesellschaft mag man diese Unterschiede erkennen. Doch nehmen wir das Faktum Armut meist nur über Statistiken wahr, den die "armen" oder vom Armutsrisiko betroffenen Menschen bemühen sich, in der Öffentlichkeit normal auszusehen. Es ist also eher eine versteckte Armut, die aus Scham und Angst vor dem öffentlichen Rechtfertigungsdruck und der drohenden Ausgrenzung im Verborgenem gehalten wird.

Es ist die Form von Armut, welche sich in den individuellen Lebenslagen ausdrückt, die nicht unabhängig von der materiellen Einkommenssituation und der eingeschränkten Verfügbarkeit kultureller Güter zu sehen ist.

Die schlechte Einkommenssituation und der Mangel an Ressourcen stecken im restriktiven Sinne den Handlungsrahmen ab, in dem Lebensverwirklichung nur noch beschränkt möglich ist.
   

Spätestens jedoch beim Schuleintritt werden für die betroffenen Kinder die Folgen der sozialen Deprivation (Mangel, Entzug von lernfördernden Reizen) spürbar. Jetzt kommt der Mix aus vielen Kleinigkeiten, die "feinen Unterschiede" (P. Bourdieu), zum Tragen, der die Kinder aus schwierigen Lebensverhältnissen im Vergleich mit anderen alt aussehen lässt.

Sie tun sich in vielem schwerer als ihre gleichaltrigen Genossen und bekommen es auch durch Argwohn und Tadel zu spüren. Es wird ihnen gleichwohl durch Mitschüler und Lehrer suggeriert, dass sie im negativem Sinne so ganz anders sind als alle anderen in der Klasse..

"Menschen im Allgemeinen fühlen und leben im Vergleich zu ihren Bezugsgruppen", so der Soziologe Gerd Nollmann, das gilt insbesondere auch für Kinder.

Unsere gesellschaftlichen Arrangements tragen zu den entsprechenden Erfahrungen unser Kinder bei. Kinder, die sich ständig nur in so genannten Ausschlußverfahren wieder finden und einschlägige Ausgrenzungserfahrungen machen, verfügen letztlich über ein Selbstbild, das von Selbsthass und Argwohn gegen andere gekennzeichnet ist.

Noch im Erwachsenenalter spüren sie den schmerzlichen Verlust einer gelungenen Biographie und das Ausbleiben von Erfolgen in unterschiedlichen Lebensbereichen.



"Wenn es um Bildung und entsprechende Einrichtungen wie Ganztagesschulen geht, haben wir es mit ideologisch verhärteten Kontrahenten zu tun", so sinngemäß der Soziologe Gerd Nollmann.

Politiker gefallen sich in verlogenen Diskursen über den Wert der Erziehung , betonen heuchlerisch die Notwendigkeit von Bildung und vermeiden es tunlichst von Benachteiligung zu sprechen.

Sie überlassen eine Generation von verlorenen Kindern getrost der Strasse.

Ansonsten ergötzen sich die verantwortlichen Akteure an Betroffenheitszeremonien mit Eventcharakter. Gala-Veranstaltungen und Benefizkonzerte zum Wohle des Kindes. Man erstickt sein schlechtes Gewissen mit mönitären Kleingaben und überbietet sich in Mitleidsfloskelei.

Ein recht problematisches Täuschungsmanöver, um den eigentlichen
Sachverhalt zu kaschieren. Alibi-Veranstaltungen und Sonntagsreden
verdecken das unterschwellige gesellschaftliche Konfliktpotential, das in
der gegenwärtigen und zukünftigen Verlierer-Generation schlummert.

Was, wenn Resignation in Wut umschlägt? Müssen wir dann Deutschland
vor den Toren Berlins verteidigen?

Bundeswehreinsätze statt Bildungsoffensiven?


Maywald   Unentschlossen
14  Allgemeines / Aktuelles Zeitgeschehen / Utopie am: August 11, 2006, 05:25:23
Bekanntlich ist eine Utopie ein Konstrukt menschlicher Phantasie und beschäftigt sich inhaltlich mit den Voraussetzungen einer "besseren" Welt, die es so nicht gibt und die mehr Gegenstand von Hoffnungen und Wünschen ist. Es ist der Ort (   topos ) den man gegenwärtig nicht (ou ) zu gestalten vermag. Ein Ort des Wünschbaren, der so eigntlich garnicht existiert.

„ Es handelt sich um eine Welt, die bisher keinen Ort hat und nur als Gedanke und Idee existiert.“   
ttp://de.wikipedia.org/wiki/Utopie

Was bleibt ist die stete Kritik an den bestehenden Verhältnissen.

Erweiternd zu Karl Poppers These "Lasst lieber Ideen sterben als Menschen" möchte ich nüchtern feststellen dürfen, dass wir beides, Ideen und Menschen, haben sterben lassen und auch heute nicht davon loskommen.

Ideologien sind auch heute noch en vogue und durch egozentrische Sichtweisen verzerrt. Es sind nicht die Ideen , vielmehr die Ideenträger , die uns den hiesigen Ort zur Hölle werden lassen.

Nein - es gibt nicht den Ort, nach dem sich angeblich so viele sehnen, nur den, der in uns ist. Der Hort vieler Ideen und Auswurf all derer Voraussetzungen, die unsere Welt so gemacht haben, wie sie nun einmal ist.

  Der Mensch schuf sich sein geistiges Produkt, eine Welt von "Gut" und "Böse".
Diese Grundunterscheidung trifft er in fast allen Anliegen, die seine Außengrenze berühren und diese Unterscheidung definiert sein Verhalten anderen Artgenossen gegenüber.

Das begründet eine ruhelose Betriebsamkeit, die den gegenwärtigen Ort zu einen Kampfplatz werden lassen und den Ort der Ruhe als Utopia.

Maywald     Weinen
15  Allgemeines / Aktuelles Zeitgeschehen / Die artspezifische Dummheit des Menschen am: August 11, 2006, 05:21:03
 Viele Kriege hatten wir geführt, danach viel über den Frieden geredet, nun fallen wir wieder dahin zurück, wo wir angefangen haben.

Liegt darin eine unausweichliche Notwendigkeit oder erkennen wir spätestens hier, das wir mit unserem Latein am Ende sind.

Das Nichtverstandenwerden erzeugt Sprachlosigkeit. Sprachlosigkeit macht hilflos. Aus Hilflosigkeit schlägt man um sich. Die Täter sind immer die anderen, wir immer die Opfer.

Ist das wirklich so einfach?

Tatsache ist, dass es tausende von Tote in New York am 11.Sept. 2001 gab.

Tatsache ist auch, dass es Millionen Tote vorher gab in den Kriegen unserer Zeit und vom Wahn weniger eitler Zeitgenossen gebilligt.

Unaufhörlich mahnen die Toten:

Lasst das Morden sein, denn mit jeden Mitmenschen den ihr tötet, tötet ihr ein Stück von euch selbst - ohne das es euch immer bewusst wäre.
Wann haben wir uns wohl allesamt restlos erledigt?

Was bleiben wird, ist die Einsicht, das wir einfach zu dumm waren, um auf unsere spezifisch menschliche Art die Träume wahr werden zu lassen, die wir im Frieden hegten.“

Maywald   Huch Huch Huch
 
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