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Autor Thema: Kinderarmut in Deutschland  (Gelesen 4156 mal)
maywald
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Kinderarmut in Deutschland
« am: September 23, 2006, 12:44:10 »

Ich sehe, was Du nicht sehen willst  - Kinderarmut in Deutschland

In Abhebung zur positiv anmutenden 15.Shell-Jugendstudie, wo Tugenden einer aufstrebenden Mittelschicht-Jugend neu endeckt und die Zukunft in rosigen Farben gemahlt wird, steht es um die Kinder der unteren sozialen Schicht laut der pessimistischeren UNICEF-Studie und anderer ergänzender Teilstudien (z.B. des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Armutsbericht der Bundesregierung, Studie der Arbeiterwohlfahrt) sehr schlecht, was die materielle Versorgung und die Bildungschancen angeht.

Über die Eingabe "Kinderarmut" in diversen Suchmaschinen wird man zu den genannten Studien (meist in zusammenfassenden Kommentaren oder als ganzes gekürzt dargestellt) geführt.

Linkangaben sind in diesem Forum leider nicht zulässig.

Deshalb erspare ich mir aus Platz- und Zeitgründen eine ausführlichere Erläuterung. Eine Langfassung meiner Ausführungen mit Linkangaben findet Ihr auf meiner Homepage "Philosophie des Kritischen Humanismus" (Suchmaschineneintrag), wo ich eine zusätzliche Unterseite "Kinderarmut" in Kürze einrichten werde.


Armut im Wohlstandsgefüge einer immer noch reichen Wirtschaftsnation erscheint wie ein Anachronismus (nicht mehr zeitgemäß), wenn man von den verantwortlichen Politikern zu hören bekommt, was man den Familien an staatlichen Transferleistungen zukommen lässt.

Also individualisiert man das Problem der Armut bzw. auch des Armutsrisikos. Es wird dann zu einer Frage, wie die betroffenen Familienmitglieder mit diesem Geld umgehen und das mag individuell sehr unterschiedlich sein.

Allgemein wird Deutschland als ein reiches Land bezeichnet, in dem es der großen Mehrheit gutgehe. Zudem wird häufig jene zynische Analogie verwendet, die da lautet, dass es anderswo anderen Menschen noch viel schlechter ginge und man sich glücklich schätzen könne, in Deutschland zu leben.

Doch diese Sichtweise verkennt das grundsätzlichere Problem der "relativen" Armut, die im Verhältnis zu den Lebenschancen der übrigen Bevölkerung im Lande gesehen werden muss.

Allgemein wird behauptet, dass Armut in reichen Ländern unauffälliger daherkommt, da es wenig augenfällige Merkmale gibt, die den von Armut betroffenen Menschen kennzeichnen.

Erst im Vergleich zu der übrigen Gesellschaft mag man diese Unterschiede erkennen. Doch nehmen wir das Faktum Armut meist nur über Statistiken wahr, den die "armen" oder vom Armutsrisiko betroffenen Menschen bemühen sich, in der Öffentlichkeit normal auszusehen. Es ist also eher eine versteckte Armut, die aus Scham und Angst vor dem öffentlichen Rechtfertigungsdruck und der drohenden Ausgrenzung im Verborgenem gehalten wird.

Es ist die Form von Armut, welche sich in den individuellen Lebenslagen ausdrückt, die nicht unabhängig von der materiellen Einkommenssituation und der eingeschränkten Verfügbarkeit kultureller Güter zu sehen ist.

Die schlechte Einkommenssituation und der Mangel an Ressourcen stecken im restriktiven Sinne den Handlungsrahmen ab, in dem Lebensverwirklichung nur noch beschränkt möglich ist.
   

Spätestens jedoch beim Schuleintritt werden für die betroffenen Kinder die Folgen der sozialen Deprivation (Mangel, Entzug von lernfördernden Reizen) spürbar. Jetzt kommt der Mix aus vielen Kleinigkeiten, die "feinen Unterschiede" (P. Bourdieu), zum Tragen, der die Kinder aus schwierigen Lebensverhältnissen im Vergleich mit anderen alt aussehen lässt.

Sie tun sich in vielem schwerer als ihre gleichaltrigen Genossen und bekommen es auch durch Argwohn und Tadel zu spüren. Es wird ihnen gleichwohl durch Mitschüler und Lehrer suggeriert, dass sie im negativem Sinne so ganz anders sind als alle anderen in der Klasse..

"Menschen im Allgemeinen fühlen und leben im Vergleich zu ihren Bezugsgruppen", so der Soziologe Gerd Nollmann, das gilt insbesondere auch für Kinder.

Unsere gesellschaftlichen Arrangements tragen zu den entsprechenden Erfahrungen unser Kinder bei. Kinder, die sich ständig nur in so genannten Ausschlußverfahren wieder finden und einschlägige Ausgrenzungserfahrungen machen, verfügen letztlich über ein Selbstbild, das von Selbsthass und Argwohn gegen andere gekennzeichnet ist.

Noch im Erwachsenenalter spüren sie den schmerzlichen Verlust einer gelungenen Biographie und das Ausbleiben von Erfolgen in unterschiedlichen Lebensbereichen.



"Wenn es um Bildung und entsprechende Einrichtungen wie Ganztagesschulen geht, haben wir es mit ideologisch verhärteten Kontrahenten zu tun", so sinngemäß der Soziologe Gerd Nollmann.

Politiker gefallen sich in verlogenen Diskursen über den Wert der Erziehung , betonen heuchlerisch die Notwendigkeit von Bildung und vermeiden es tunlichst von Benachteiligung zu sprechen.

Sie überlassen eine Generation von verlorenen Kindern getrost der Strasse.

Ansonsten ergötzen sich die verantwortlichen Akteure an Betroffenheitszeremonien mit Eventcharakter. Gala-Veranstaltungen und Benefizkonzerte zum Wohle des Kindes. Man erstickt sein schlechtes Gewissen mit mönitären Kleingaben und überbietet sich in Mitleidsfloskelei.

Ein recht problematisches Täuschungsmanöver, um den eigentlichen
Sachverhalt zu kaschieren. Alibi-Veranstaltungen und Sonntagsreden
verdecken das unterschwellige gesellschaftliche Konfliktpotential, das in
der gegenwärtigen und zukünftigen Verlierer-Generation schlummert.

Was, wenn Resignation in Wut umschlägt? Müssen wir dann Deutschland
vor den Toren Berlins verteidigen?

Bundeswehreinsätze statt Bildungsoffensiven?


Maywald   Unentschlossen
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