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Autor Thema: Die 68er  (Gelesen 4856 mal)
maywald
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Beiträge: 16


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Die 68er
« am: April 04, 2008, 05:27:08 »

Nun könnte man es auf folgernde griffige Formel bringen:

was hat es gebracht, wem hat es genutzt?

Doch das wäre zu kurz gegriffen und es stellt sich die Frage, ob mit solch einem Aufbruch gleich eine einsschneidende gesellschaftliche Veränderung indiziert sein muss.

Bedingt war es nur die "Umwertung aller Werte" (Nietzsche), vielmehr zu Anfang ein Befreiungsschlag aus einer beklemmenden Situation.  Wie sollte eine junge gebildete Generation mit dem Erbe ihrer Eltern umgehen, ohne Tabus zu brechen und groß anzuecken?  Die Erwachsenengeneration stellte nicht die Fragen, die sich die jungen Studenten  stellten, angesichts der begangenen Verbrechen im Dritten Reich.  Wie wollte man leben als junger Mensch, wie die die Vergangenheit den Kindern erklären und wie die Zukunft gestalten ohne sich wenigstens einmal zu fragen, was war und warum?

Es war eine  Studentenrevolte - keine Revolution. Es war ein geräuschvolles Hintergrundrauschen mit einer bescheiden gebliebenen Wirkmächtigkeit.
Da war viel Spontanität und Improvisation, um der Theorie Leben einzuhauchen.
Für sie   galt, "das  Begriffe ohne Anschauung leer seien und die Anschauungen  ohne Begriffe  gedanklich nie bewältigt werden können" (In Anlehnung an I. Kant). 
Daher die enorme Theorielastigkeit ihrer Bewegung, welche mehr Verständigungshürden aufbaute und Mißverständnisse erzeugte, was ihnen auch nicht recht sein konnte.
Für viele galten die Ideen als Absolutheiten, die aber in  eine   Empirievermessenheit mündeten. 
Die sogenannten 68er wollten die Empirie durch die Theorie auf dem Kopf stellen und die Theorie durch ihre Alltagspraxis auf die Füße helfen. Die normative Kraft des Faktischen war jedoch stärker und wurde unterschätzt. . Diese Normativität konnte theoretisch entlarvt und entzaubert werden, was in der "ersten Welt" (Popper) der Wissenschaft so schon üblich war, jedoch das Alltagsverständnis der meisten  Menschen in dieser bundesrepublikanischen Gesellschaft war anders gerahmt. Die "nackten Tatsachen" einer unwirtlichen Arbeitswelt und das eines recht beegten privaten Familienlebens prägten deren Weltverständnis.  Da war für "Träumereien" einer privilegierten Minderheit kein Platz.

Vorstellungen und Ideen der Studentenbewegung von einer besseren Welt durchdrangen nur sukkzessive einzelne Lebensbereiche und in Realitäten umgewandelt sind diese heute kaum noch spürbar.   Zudem sind viele  Zielsetzungen, wenn diese denn so konkret und einstimmig formuliert wurden,
auf halber Strecke im Morast stecken geblieben.

Der Gang durch die Institutionen, die berühmte Ochsentour, hat sich dennoch für die meisten von ihnen gelohnt.  Zurück blieben die Marginalisierten, für deren Interessen sie fiktiv einmal angetreten waren.

Sie leben weiterhin mit den üblichen sozialen Ungerechtigkeiten, der Bildungsferne und der materiellen Armut.

Die Machtspiele der Zyniker waren ausdauernder und haben letztlich den Sieg davongetragen und  selbst ist man schon   Profiteur dieser Verhältnisse.   Darin bewegt man sich, wenn es einem selbst von Vorteil ist.

Geblieben ist ein unaufhörliches Geplappere und eine seichte Unterhaltung .  Das bewahrt uns nicht vor den bevorstehenden Rückfall in einen Neo-Feudalismus wirtschaftsliberaler Prägung.

Maywald Unentschlossen
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