Tarnfarbe GrünKlimapolitik und ihre ProfiteureLangsam aber sicher wandelt sich die öffentliche Meinung bezüglich der Forcierung nachwachsender Rohstoffe als Ersatz für fossiles Öl oder zur Einspeisung in das bestehende Stromnetz. So beginnt die anfängliche Euphorie im Zuge der zunehmenden Nahrungsmittelknappheit als vorhersehbares Negativfeedback der sprießenden Mais- (für Biogas) und Rapsfelder (für Biodiesel) nachzulassen. Das Beispiel USA, wo ein Drittel der gesamten Maisproduktion für Treibstoffgewinnung verwendet wird, verdeutlicht die tatsächliche Brisanz: diese Menge von 138 Millionen Tonnen würde nämlich ausreichen, um die Unterernährten Afrikas und Asiens zu versorgen; stattdessen verwendet man die Ernte zur Deckung des Treibstoffverbrauchs der USA zu mickrigen drei Prozent!
Ein baldiger Stopp der ökonomischen Fehlentwicklung ist bei alldem jedoch nicht abzusehen.
Denn Großkonzerne in den Bereichen Energie, Chemie und Automobilbau haben das Thema längst für sich entdeckt und bestimmen durch lobbyistische Einflüsse die politischen Weichenstellungen.
Die Möglichkeit, Biogas ins öffentliches Netz einzuspeisen, verlockende Steuerbegünstigungen für Biodiesel sowie die allgegenwärtige Benzinpreisexplosion lockten kapitalkräftige Investoren an, die den Strukturwandel der einstigen Öko-Nische einleiteten: die anfänglichen dezentralen Strukturen mussten großflächigen Monokulturen platzmachen.
Intensivierung der Landwirtschaft und FolgenAgro-Gentechnik-Unternehmen wie BASF, Monsanto, Syngenta, Bayer und wie sie alle heißen, deren Umsätze starke Dämpfung durch die kritische öffentliche Meinung im Hinblick auf die Verwendung von Pestiziden und Gefahren gentechnisch veränderter Nahrungsmittel erfahren mussten, erkannten früh einen neuen Absatzmarkt. So dürften Einwände gegen den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln und gentechnisch veränderten Pflanzen im Bereich nicht für den Konsum bestimmter Pflanzen eher spärlich ausfallen.
Die Folgen für das natürliche Gleichgewicht bleiben jedoch bestehen oder werden sogar noch verschlimmert. Denn die Tatsache, nicht für den Konsum, sondern für chemische Reaktionen zu produzieren, macht den Weg frei für einen noch ungehemmteren Einsatz von Pestiziden.
Schon heute lassen sich die Resultate einer industriell geprägten, zu intensiven Landwirtschaft am Beispiel der Imkerei betrachten:
Gentechnik droht die dem Pollenmangel der Monokulturen und Pestiziden ausgesetzten Bienen dauerhaft zu schädigen und unsere Produkte zu kontaminieren.
Der fehlgesteuerte Boom im Agrarbereich bewirkte außerdem die Wiederbewirtschaftung ehemals stillgelegter Flächen, die sich zu einem idealen Rückzugsgebiet für Bienen und andere Insekten entwickelt hatten, die ihnen dadurch wieder verloren gingen.
Neben Raps und Mais ist auch für Pappeln der Anbau gentechnisch veränderter Sorten geplant. Damit wird es auch aus dieser Quelle gentechnisch veränderten Pollen in unseren Bienenprodukten geben. Der unterliegt dann keiner Prüfung mehr und stammt nicht von gentechnisch veränderten Organismen mit der Zulassung als Lebensmittel.
Die Intensivierung der Landwirtschaft gefährdet nicht nur die Bienengesundheit im Speziellen, sondern hat auch eine größere Dimension: sobald die ersten Kontaminationen in umliegenden Felder auftauchen, denn Pollen kennen keine Grundstücke, sobald dies geschieht, hat die Gentechnikindustrie auch schon den Fuß in der Tür. Die schwer aufzuhaltende Kontamination fremder Felder, deren Pflanzen für den Konsum bestimmt sind, wird dem Verbraucher langfristig keine Wahlfreiheit mehr lassen. Nach oben korrigierte Grenzwerte wären die wahrscheinlichste Maßnahme der Politik, ein Zurwehrsetzen der Verbraucher ist nicht mehr möglich.
Gewinner GroßkonzerneDer "grüne Schein" der Angela Merkel und die Betonung der Notwendigkeit der Biotreibstoffförderung zur Einhaltung der gesteckten klimapolitischen Ziele ist dabei nichts weiter als eine Farce! Intensive industrielle Landwirtschaft erzeugt Rohstoffe mit erheblichem Energieaufwand und unter Abbau von Humus, wodurch zusätzlich CO2 freigesetzt wird. Die CO2-Bilanz ist nicht nur dann katastrophal, wenn in der dritten Welt Regenwälder abgeholzt und durch Palmölplantagen ersetzt werden. Auch der Anbau in der Region ist nur von Vorteil, wenn extensive Anbaumethoden verwendet werden.
Die Klimapolitik ist auf eine konzertierte Aktion von lobbyistischer Politik und Industrie zurückzuführen. So wurden sämtliche kleineren bis mittelständischen Konzerne durch die Wiederaufhebung der Steuererleichterungen am 1. Januar 2008 quasi ausgebootet. Demnach mussten etwa 70% der Unternehmen aus steuerpolitischen Gründen ihren Betrieb einstellen.
Vor allem die Großindustrie, die damit ihre Konkurrenz ausgeschaltet weiß, zieht also verschiedene Vorteile aus den klimapolitischen Entscheidungen:
- Der Kampf gegen den Klimawandel ermöglicht den Zugriff auf staatliche Subventionen und Fördergelder.
- Durch den Umstieg von fossilen auf nachwachsende Energiequellen ist scheinbar kein grundsätzliches Umdenken erforderlich.
- Das konsumgetriebene Wirtschaftswachstum kann scheinbar unverändert weitergehen, ohne es vom Energieverbrauch zu entkoppeln.
- Die Politik kann auf unpopuläre Massnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs verzichten.
- Die Automobilindustrie kann weiter ihre bekannte Modellpalette mit Verbrennungsmotoren vermarkten.
- Biokraftstoffe scheinen gleichzeitig eine kurzfristig erreichbare Verbesserung der Energiesicherheit durch verringerte Abhängigkeit von Rohöl aus Krisenregionen zu bringen.
- Durch eine Reduzierung der Nachfrage erhofft man sich auch eine Stabilisierung des Ölpreises.