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 :: kritisch hinterfragt ::

Feng Shui auf Empfehlung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz
10.04.2008 | 10:31 Uhr

Esoterische Vorstellungen dringen leider immer weiter auch in Behörden vor. Ein jüngstes Beispiel liefert die dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales unterstehende Bundesanstalt für Arbeitsschutz, die 2007 eine Broschüre mit dem Titel "Wohlbefinden im Büro - Arbeits- und Gesundheitsschutz bei der Büroarbeit" veröffentlicht hat. Ab Seite 29 wird unter dem Titel "Die Energie fließen lassen! - Feng Shui im Büro", der Einsatz der chinesischen Geomantie zur Verbesserung des Arbeitsumfeldes empfohlen.

Als konkrete Maßnahmen werden dort bestimmte Anordnungen von Büromöbeln empfohlen. So sollten sich z.B. zwei Mitarbeiter nicht direkt gegenübersitzen, Schreibische in der diagonal zur Tür liegenden Ecke und nicht direkt mit Blickrichtung zur Wand aufgestellt werden. Auch sollten Schreibtische spätestens zum Feierabend aufgeräumt oder Büros mit Pflanzen dekoriert werden. Für Diskussionen sollte man besser runde bzw. ovale Tische und für analytische und denkorientierte Aufgaben rechteckige Tische verwenden. Vermeiden sollte man spitze Kanten, welche in Richtung des Mitarbeiters zeigen und Kopie- und Faxgeräte in dessen Blickfeld. Auch die Architektur sei von Bedeutung, da nur rechteckige Räume geeignet seien.

Grund für die Wirksamkeit dieser Maßnahmen sei eine "universelle Lebensenergie", das Chi, welches durch Feng Shui in positiver Weise manipuliert würde. Allerdings wird nicht erklärt, welcher Art diese "Energie" sei. Zwar wird ausgeschlossen, dass es sich um bekannte Energieformen wie Elektromagnetismus handelt, jedoch mit dem Hinweis auf die von der Schulmedizin angeblich inzwischen weitgehend akzeptierte Akupunktur wird die Existenz und Wirkung von Chi als bestätigt angenommen. Nun ist allerdings bisher keineswegs belegt, dass Akupunktur eine spezifische Wirkung hat, die über die einer Scheinakupunktur hinausgeht. Was möglicherweise eine Wirkung hat, ist also allenfalls eine "Nadelung" im Allgemeinen. Die chinesische Chi-Lehre würde dadurch jedoch keineswegs bestätigt, sondern bliebe ein höchst unplausibles archaisches Lebenskraftkonzept. Solche Lebenskraftkonzepte wurden in den Biowissenschaften bereits Mitte des 19. Jahrhunderts aufgegeben. Doch selbst wenn die Existenz einer Chi-"Energie" bei Lebewesen belegbar wäre, so bliebe zu erklären, wie und warum diese im Bereich der Architektur und Raumgestaltung wirksam sein sollte.

Zudem sind keinerlei wissenschaftliche Studien bekannt, welche eine positive Wirkung von Feng Shui nachweisen. Zwar wird gerne darauf verwiesen, dass es in der chinesischen Kultur mit Erfolg angewendet wurde. Allerdings wurde Feng Shui in seinem Ursprungsland nicht als wissenschaftlich begründetes Verfahren angesehen, sondern es handelt sich um einen Teilbereich der durch den Taoismus geprägten Volksreligion. Feng Shui ist eine Glaubenslehre, resultierend aus dem in der chinesischen Tradition verwurzelten Ahnenkult. So wird die Position von geographischen Gegebenheiten und Gegenständen oder auch Gräbern der Vorfahren - ähnlich wie es in der Astrologie in Bezug auf Himmelskörper geschieht - genutzt, um Prognosen über zukünftige Ereignisse zu liefern. Sowohl im Falle der Astrologie wie auch des Feng Shui sind und bleiben diese Aussagen unbelegt.

Die in der Broschüre geschilderten Beispiele für sinnvolle Bürogestaltung sind jedoch in der Regel nachvollziehbar, allerdings auch ohne Verweis auf alternative Erklärung gemäß den Feng Shui-Regeln. So wirkt ein aufgeräumtes Büro, welches in ansprechender Weise durch Pflanzen drapiert wird, selbstverständlich entspannender und fördert die Arbeitsabläufe. Auch entsprechen die empfohlenen Positionen und Formen von Büromöbeln den schon lange bekannten Gestaltungsregeln. Selbstverständlich möchte man nicht gerne mit dem Gesicht zur Wand sitzen und auch nicht mit der Eingangstür im Rücken. Hier werden klassische Gestaltungsregeln als fernöstliche Weisheiten fehlinterpretiert.

In der Broschüre wird auf Literatur zum Thema Bürogestaltung durch Feng Shui hingewiesen. Tatsächlich aber gibt es in der Feng Shui-Tradition diese Aufgabenstellung gar nicht. Büroeinrichtung war niemals Thema der klassischen Feng Shui-Literatur. Bei den empfohlenen Werken handelt es sich zumeist um westliche, esoterisch geprägte, individuelle Interpretationen des Themas. Viele der dort angegebenen Verfahren und Hilfsmittel sind keineswegs Bestandteil des chinesischen Originals, sondern moderne Erfindungen.

Die Empfehlung des Feng Shui in einer von einer Bundesanstalt herausgegebenen Broschüre bewegt sich somit zwischen "höchst fragwürdig" und "skandalös". Leider wird durch solche Exkurse in die Esoterik die Vertrauenswürdigkeit der Bundesanstalt beschädigt, weil die Unterscheidung zwischen wissenschaftlich begründeten Verfahren des Arbeitsschutzes und auf Aberglauben beruhenden verwischt wird. Es wäre bedauerlich, wenn als Ergebnis dieser Arbeit, Büroinhaber und Bauherren zu unnötigen Investitionen in wirkungslose Maßnahmen verleitet werden, statt ihr für Budget für wirklich positive Leistungen im Sinne des Arbeitsschutzes zu verwenden.

Quelle: e-Skeptiker, www.gwup.org



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Link:  Die Broschüre der Bundesanstalt für Arbeitsschutz

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