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Damit sind sie mit uns näher verwändt als Mäuse mit Ratten.
Schimpansen leben in lockeren Gemeinschaften von 20 bis 60 Individuen
beiderlei Geschlechts und allen Altersgruppen zusammen. Sie kommen
ausschließlich in Afrika vor und leben in Wäldern oder auch in Savannen.
Männchen erreichen eine Größe bis 1,70 m, Weibchen bis 1,30 m. Sie
werden bis zu 50 Jahre alt.
Nach einer Tragezeit von acht Monaten wird ein zunächst völlig
hilfloses Schimpansen-Jungen geboren, das gänzlich auf die Zuwendung
seiner Mutter angewiesen ist. Schimpansenkinder, ähnlich wie Menschenbabys,
müssen ihre Umgebung durch Erlernen erkunden. Sie unternehmen ihre
ersten Gehversuche erst mehrere Monate nach der Geburt, im Alter
von etwa 6 Jahren fallen ihnen die Milchzähne heraus und sie weisen
oft ein Leben lang eine Art Verwandtschaftsbeziehung zu ihren Müttern
und Geschwistern.
Schimpansen verständigen sich oft untereinander mit Gesten, die
den Menschen vertraut vorkommen. Bei der Nahrungsbeschaffung gebrauchen
sie oft Werkzeuge, mehr als jede andere Spezies im ganzen Tierreich.
Trotz intensiver Freilandstudien ist die Benutzung von Werkzeugen
weder bei Gorillas noch bei Gibbons nachgewiesen worden, und bei
Orang-Utans kommt der Werkzeuggebrauch nur vereinzelt vor.
Zum Beispiel kommen die Schimpansen an unzugängliches, in Ritzen
gesammeltes Wasser heran, indem sie Blätter zu einer festen Masse
zerkauen und diese als Schwamm benutzen, um das Wasser anschließend
auszusaugen.
Sie benutzen lange, entastete Zweige, um Termiten aus ihren unterirdischen
Höhlen zu "angeln". Dazu stecken sie die Stöckchen in die Termitengänge
hinein, warten, bis diese sich ein einer Abwehrreaktion daran festklammern,
um sie anschließend zu verspeisen. Dabei gehen sie mit einer geradezu
verblüffenden Planmäßigkeit ans Werk: Auf dem Weg zum Termitennest
sammeln sie bereits mehrere Äste und Grashalme verschiedener Größe,
um dann die zu verwenden, die gerade passen.
Hartschalige Nüsse werden oft ebenfalls mit Hilfe von Werkzeugen
geöffnet. Dazu nehmen Schimpansen einen Stein oder flache, feste
Wurzeln als Unterlage. Zu diesem tragen sie so viele Nüsse, wie
sie auf einmal fassen können, legen sie auf die Unterlage und zerschlagen
sie mit einem ca. ein Kilogramm schweren Stein oder einem massiven
Stock.
Im Werkzeuggebrauch bilden sie lokale Gruppen, die in einer Art
Tradition das Erlernte von Generation zu Generation weitergeben.
"So wurde das Termitenfischen in einigen ostafrikanischen Savannengebieten
beobachtet, während die «Nussknacker-Schmieden» bisher nur aus dem
westafrikanischen Tai-Wald bekannt sind." 1
"Ein weiteres Beispiel für Werkzeuggebrauch bei Schimpansen ist
die Verwendung von Knüppeln als «Waffen»: Der niederländische
Zoologe Adriaan Kortlandt hat einmal an Orten, wo wilde Schimpansen
leben, einen ausgestopften Leoparden so verborgen, dass er plötzlich
aus seinem Versteck hervorgezogen werden konnte. Tat er das, wenn
nichtsahnende Schimpansen anwesend waren, so kam es stets zu einem
unglaublichen Aufruhr. Manche von ihnen packten in der Folge Knüppel
und Stöcke, schwangen sie in einem «Imponiertanz» herum und warfen
sie gegen den Leoparden, ja in gewissen Fällen schlugen sie sogar
gezielt und wuchtig auf den Fressfeind ein." 1
In kleinen Gruppen patrouillieren Schimpansen bei der Nahrungsbeschaffung
in ihren zehn bis fünfzig Quadratkilometer großen Reviers. Treffen
sie auf einen Schimpansen aus einem anderen "Clan", verprügeln sie
ihn. Manchmal führen zwei benachbarten "Clans" kriegerische Auseinandersetzungen,
bei deren Zusammenstößen gelegentlich menschlich-barbarische Verhaltensmerkmale
auftreten, wie z. B. Glieder verdrehen, Haut ausreißen und Blut
trinken, als wollen sie ihren Feind entstellen, ihn entwürdigen.
Schimpansen, die sich nicht nur von Früchten ernähren, sondern
gelegentlich kleine Affen und Antilopen ergattern, teilen sich die
Beute im Gegensatz zu Pavianen mehr oder weniger gerecht auf.
Schimpansen sind zweifellos die intelligentesten Spezies nach Menschen.
Sie sind noch enger mit dem Menschen verwandt als sie es mit Gorillas
sind. Tests haben gezeigt, dass die Tiere in der Lage sind, sich
die Ziffern fünfstelliger Zahlen zu merken und in eingeschränktem
Maße die Zahlen von 1 bis 9 zu gebrauchen. Sie besitzen ein für
Affen vergleichsweise großes Gehirn, dessen Volumen fast die Hälfte
des menschlichen Hirns beträgt.
Aus anatomisch bedingten Gründen sind alle Versuche gescheitert,
Schimpansen das Sprechen beizubringen. Erstaunliche Ergebnisse sind
jedoch mit American Sign Language (ASL) erzielt worden, einer einfachen
Gebärdensprache. "Durch das richtige Kombinieren von Wörtern, die
unabhängig voneinander gelernt wurden, beweisen Schimpansen, dass
sie ihre Erfahrungen nicht bloß sprachlich abbilden, sondern sie
klassifizieren, um sie anderweitig verwenden zu können. Das heißt
wiederum, dass Schimpansen denken können. Auch kombinieren sie verschiedene
Wortzeichen um ihnen unbekannte Begriffe zu definieren (z. B. Gurke
als grüne Banane beschrieben). Schimpansen können weiterhin transponieren,
das heißt, Ereignisse auch zu einem anderen Zeitpunkt als dem des
Geschehens, in der Sprache aufgreifen. Damit beweisen sie Gedächtnis.
Die American Sign Language geben sie an ihre Kinder und andere
Schimpansen weiter. Schimpansen aus Sprachversuchen und also bei
Menschen aufgewachsen sind, betrachten sich oft als Menschen. Wenn
sie z. B. Fotos nach Menschen und Tieren sortieren sollen, so legen
ihr Bild zu den Menschen." 2
Außerdem erkennen sie sich problemlos im Spiegel, was ein Indiz
dafür ist, dass sie einen Begriff von sich selbst haben müssen.
Menschliche Kinder fangen in der Regel an, sich ab dem 18. bis 24.
Monat im Spiegel zu erkennen.
In den letzten Jahrzehnten ist der Bestand der Schimpansen stark
dezimiert worden. Es gibt nur noch etwa 100.000 Schimpansen in West-
und Zentralafrika. Das Fleisch der Tiere ist dort sehr begehrt,
viele fallen oft sinnlosen Tierversuchen zum Opfer. Auch weiterhin
werden Schimpansen von Wilderern gefangen, wobei sie meist auf Kleinkinder
aus sind. Erwachsene Tiere, die ihre Kinder zu beschützen versuchen,
werden dabei umgebracht.
Schimpansen sind in der
Roten Liste als gefährdet eingestuft.
Projekt zum Thema: Genome@home
Web-Links:
1 http://www.tierlobby.de/rubriken/Tiergarten/schimpanse/Schimpanse.htm
2 http://www.a-w-c.org/de/schimpansenzool.htm
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