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Das sind etwa 30% der gesamten Landfläche.
Kaum jemand wird die Tatsache leugnen, dass der Wald ein Naturerbe
des gesamten Tierreichs, einschließlich des Menschen ist. Bäume
sind wichtige Sauerstofflieferanten, sie schaffen für viele Tierarten
wie auch für Menschen wichtige Lebensgrundlage und bieten uns Platz
zur Erholung und Entspannung. Bäume sorgen für ein stabiles Klima -
sie neutralisieren die Gegensätze zwischen kalt und warm, bieten
Windschutz und spenden Schatten -, absorbieren Kohlenstoffdioxid,
schützen den Boden gegen Erosion, regulieren den Wasserkreislauf
und bilden grüne Oasen in Herzen zubetonierter, in Lärm und Abgasen
untergehenden Städten. Die Blätter der Bäume filtern Schadstoffe,
Abgase und Staubteilchen aus der Luft heraus. So filtert ein hundertjähriger
Baum jedes Jahr etwa 1 Tonne Staub und Abgase. Außerdem produziert
solch ein Baum mit seinen ca. 1 Million Blättern pro Jahr etwa 4.500
kg (3,2 Millionen Liter) Sauerstoff. Dabei absorbiert er etwa 75.000
Tonnen Kohlendioxid.
Bäume und Pflanzen zählen zu den ältesten Lebewesen der Erdgeschichte,
nachzuweisen sind sie seit dem Devon, dem Erdaltertum. Die ersten
Landpflanzen - hauptsächlich Lebermoose -, schafften zwischen Ordovizium
und Silur vor rund 450 Millionen Jahren den Sprung vom Wasser auf
das Land und eroberten in einem Zug den festen Boden. Knapp 100
Millionen Jahre später, im Oberdevon vor ca. 355 Millionen Jahren
existierten bereits die ersten Wälder, rund 150 Millionen Jahre,
bevor es die ersten Dinosaurier gab. Lediglich Insekten und Amphibien
bildeten die damalige Landfauna.
Der gegenwärtige Sauerstoffgehalt der Atmosphäre ist einer gemeinschaftlichen,
mehr als zwei Milliarden Jahre währenden Produktion des Sauerstoffs
von Algen, Bakterien und den Pflanzen zu verdanken, die mit Hilfe
der Photosynthese so viel von diesem lebenswichtigen Gas erzeugt
haben, um Tieren erst ein Leben auf dem Land ermöglichten, ohne
gleich von UV-Strahlen getötet zu werden. Spätestens seit dem Chemieunterricht
in der Schule wissen wir, dass Sauerstoff sehr reaktionsfreudig ist
und schnell Verbindungen mit anderen Stoffen eingeht. Sauerstoff
ist zwar einer der häufigsten Elemente auf der Erde, gehört aber
gleichzeitig zu den meist verbrauchenden und muss deshalb immer
nachgebildet werden. So erzeugt beispielsweise ein Baum mit ca.
5 m Kronendurchmesser soviel Sauerstoff, wie ihn ein Mensch zum
Leben braucht.
Wir fühlen stets eine natürliche Nähe mit dem Wald, da die Wälder
seit Jahrmillionen den Lebensraum unserer Vorfahren bildeten. Seit
eh und je versorgten sie uns mit Nahrung und Rohstoffen, boten uns
Schutz vor Raubtieren, Unwetter und sengender Sonne. Wir verdanken
den Bäumen nicht nur unsere Existenz, sondern auch den technischen
Fortschritt - von der Brandrodung der Wälder für die Landwirtschaft
bis zur Regenwaldabholzung und Kohlekraftwerke. Wir verdanken dem
Wald unsere Mobilität, unser bequemes Leben, unseren Luxus. Trotz
dieser Abhängigkeit setzen wir alle Mittel des technischen Fortschritts
ein, um den Wald zu vernichten.
"Die ersten gravierenden Eingriffe des Menschen in den Wald
erfolgten in der frühen Jungsteinzeit ab etwa 5500 v. Chr. Damals
rodeten Ackerbauern und Viehzüchter der Linienbandkeramischen Kultur
in Mitteleuropa die lindenreichen Eichenmischwälder und legten auf
den freien Flächen ihre Siedlungen und Äcker an. Auch das Abweiden
des Jungholzes und die Gewinnung von Laubheu als Winterfutter für
das Vieh führte dazu, dass die Wälder gelichtet und artenmäßig verändert
wurden. Seit damals gibt es in Mitteleuropa keine reinen Lindenwälder
mehr."[1] Nebenbei gemerkt, auf einer gerodeten,
landwirtschaftlich genutzten Fläche regeneriert sich der Wald nicht
wieder.
Weil Bäume einen festen Bestandteil für viele Naturreligionen bildeten,
waren sie deshalb den frommen Christen buchstäblich ein Dorn im
Auge. Mit dem Vordringen der Christianisierung in Deutschland war
den Missionaren jedes Mittel recht, den tauben Ohren der heidnischen
Germanen Gehör für das Wort Gottes zu verschaffen. So fiel im Jahre
772 auf Befehl von Karl dem Großen die sagenumwogene Irminsul -
eine heilige, dem Gott Donar geweihte Eiche, um den gottlosen Sachsen
ihren falschen Glauben zu brechen. Doch der uralte Glaube der Germanen
an die Kräfte der Natur hielt noch Hunderte von Jahren an und war
mächtiger als die Angst vor den Drohungen und Bannflüchen der Kirche.
Noch im 11. Jahrhundert erließ Bischof Burkhard von Worms ein Dekret,
in dem er befielt, die "den Dämonen geweihte Bäume" auszureißen
und zu verbrennen. Und auch in Zeiten der Hexenverfolgung erfreute
sich vor allem die Eiche nicht gerade großer Beliebtheit, da sie
als Teufelsbaum galt. Seit dem Einbruch der Christianisierung in
Deutschland gibt es keine mächtigen Eichenwälder, in denen die alten
Germanen zu Hause waren.
Alarmierende Entwicklung hat der Wald jedoch mit dem Beginn der
Industriellen Revolution angenommen. So wird beispielsweise seit
ca. 250 Jahren periodisch auftretendes Tannensterben beobachtet,
was auf die Einwirkung von technisch verursachten Schadstoffen zurückführt.
Heute lässt sich das Waldsterben größtenteils auf folgende vier
Bereiche zurückführen: Industrie, Kraftwerke, Haushalte und Verkehr.
Gefährlichster Schadstoff, der für das Waldsterben verantwortlich
ist, ist das Schwefeldioxid. Es stammt hauptsächlich aus Kraft-
und Fernheizwerken und aus der Industrie. An der zweitgefährlichsten
Schadstoffgruppe, den Stickoxiden, sind zu mehr als 55% die Kraftfahrzeugabgase
beteiligt.
Die an die Atmosphäre abgegebenen Schadstoffe gehen früher oder
später mit dem Niederschlag als Regen nieder. Stick- und Schwefeldioxid
bilden Säuren und führen in Wasser gelöst zu einer Versäuerung der
Böden und Auswaschung von Nährstoffen. Außerdem zerstört der sauere
Regen eine winzige Wachsschicht, mit der die Blätter der Bäume überzogen
sind. Diese Wachsschicht, in der sich kleine Spaltöffnungen befinden,
verhindert, dass das von der Pflanze aufgenommene Wasser verdunstet,
indem sie sich an heißen Tagen schließen. Wenn die Wachsschicht
zerstört wird, trocknet die Pflanze aus, weil die aufgenommene Flüssigkeit
sogleich wieder entweicht.
Die amerikanische Kohleindustrie hat eine aggressive Gegenkampagne
gestartet, um die Wechselwirkungen von Kohlenstoffdioxid auf die
Umwelt zu "untersuchen". Dabei entstand eine angeblich
nicht profitorientierte Gesellschaft mit einem irreführenden Namen
The Greening
Earth Society, die Videobotschaften
mit naiven, beinahe mystisch-religiösen Inhalten über eine "positive"
Wirkung von Kohlenstoffdioxid im Zusammenhang mit industriellen
Abgasen auf die Umwelt verbreiten. Dieser Organisation zufolge,
leiste die Industrie, der Verkehr und alles andere, was fossile
Brennstoffe verwendet, einen entscheidenden Beitrag, den Planeten
zu begrünen. Das freigesetzte Kohlendioxid in der Atmosphäre sei
Pflanzennahrung. Je mehr CO2, desto mehr Pflanzen können wachsen.
Indem man also Kohlendioxid in die Atmosphäre befördert - beim Autofahren,
Fliegen, Beheizen und Beleuchten unserer Wohnungen, tut man der
Umwelt einen Gefallen und bewirkt eine regelrechte Begrünung des
ganzen Planeten. So behauptet es jedenfalls Fred Palmer, Western
Fuels Assn. Inc. in einem Interview.
[2]
Es hat den Anschein, dass The Greening Earth Society bzw.
die Industrie, die dahintersteckt, eine Desinformation der Öffentlichkeit
anstrebt. Sicher ist CO2 kein primärer Schadstoff, für die Umwelt
ein harmloses, aber gleichzeitig ein langlebiges Treibhausgas. Die
wirklichen Schadstoffe (Kohlenmonoxid, Stick- und Schwefeldioxide,
Ozon, Blei, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe - vor allem
krebserregende Benzole, Rußteilchen, etc.), die bei Tieren und Pflanzen
Schaden verursachen, werden bei der Diskussion außer acht gelassen.
Wie soll die Pflanzenwelt wachsen und gedeihen können, wenn die
Böden mit Säuren und Schwermetallen angereichert sind, wenn sauerer
Regen von oben herab regnet und der durch den Treibhauseffekt verursachter
Klimawandel mit Stürmen, Trockenperioden und Überschwemmungen seinen
Tribut an der Katastrophe fordert.
Es gibt aber durchaus positive Reaktionen auf Druck von Umweltschützern
und der Öffentlichkeit. Das in Arlington, Virginia ansässige Versorgungsunternehmen
Applied Energy Services (AES) "hat in Connecticut ein Kohlekraftwerk
errichtet; es pflanzt auch Bäume in Guatemala an, die mehr Kohlendioxid
aus der Erdatmosphäre beseitigen werden, als das neue Kraftwerk
des Unternehmens während seiner gesamten Betriebsdauer in die Luft
gelangen lassen wird."[3] Zwar werden in letzter
Zeit immer öfter Kritiken laut, die Aktion mit der Pflanzung der
Bäume sei dazu da, um von größeren Umweltskandalen abzulenken. Nichtsdestotrotz
verdient meines Erachtens jede aktive Haltung zur Rettung und Erhaltung
unserer Umwelt Aufmerksamkeit und Beachtung. Positive Resonanzen
über positive Taten hinterlassen Spuren. Sie animieren uns dazu,
ebenfalls aktiv zu werden. Denn Bäume kann jeder Pflanzen, dazu
bedarf es keiner großen Anstrengung. Wie Carl Sagan in seinem letzen
Buch "Gott und der tropfende Wasserhahn" schreibt: "Müsste
nicht jedes Unternehmen, das CO2 in die Atmosphäre einbringt, auch
verpflichtet sein, ihr dieses Treibhausgas an anderer Stelle wieder
zu entziehen? Müsste das nicht auch für jeden Bürger gelten? Wie
wäre es, wenn wir zu Weihnachten Bäume anpflanzen würden? Oder an
Geburtstagen, Hochzeiten und Jubiläen. Unsere Ahnen kamen von den
Bäumen herunter, und wir empfinden immer noch eine natürliche Verbundenheit
mit ihnen. Daher ist es völlig in Ordnung, dass wir neue anpflanzen."
Projekte zum Thema: ClimatePrediction,
Lifemapper
Quellen:
[1] Rekorde
der Urzeit
[2] Arte-Dokumentation, Thema: "Was ist mit dem
Wetter los?", ausgestrahlt am 01.02.2001
[3] Gott und der tropfende Wasserhahn,
Carl Sagan, Droemer 2001
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