Judentum

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(hebr. ‏יהדות‎ jahadut, griech. ἰουδαϊσμός ioudaismos)

Das Judentum ist die älteste monotheistische abrahamitische Religion. Sie blickt auf eine rund 3000 Jahre alte Geschichte zurück. Grundlage des Judentums ist die Tora (Gesetz). Die Tora besteht aus den fünf Büchern Mose, die die jüdische Bibel (Tanach) bilden, sowie aus den rabbinischen Schriften.

Die Bezeichnung der Juden geht auf das Königreich Juda zurück, das wiederum auf den Namen des gleichnamigen Stammes zurück geht. Die jüdische Geschichte beginnt nach der Tora mit dem Bund, den Gott mit Abraham schließt. Abraham hatte die Söhne Isaak und Jakob. Jakob hatte wiederrum zwölf Söhne, die Stammväter der Zwölf Stämme Israels. Sie zogen von Israel nach Ägypten, wo ihre Nachfahren vom Pharao versklavt wurden. Moses führte die Juden aus der ägyptischen Gefangenschaft an und bekräftigte den Bund mit Gott am Berg Sinai, indem er ihnen die Tora offenbarte. Im 1. Jahrhundert nach Christus wurde das antike Jerusalem durch Hadrian zerstört. Das jüdische Volk zerstreute sich als Einheit auf dem Gebiet des Römischen Reiches und lebte seitdem in der jüdischen Diaspora, der Galut. Im Mittelalter besiedelten Juden in meist lokal konzentrierten Gemeinschaften West- und Osteuropa, den arabisch sprachigen Raum und kehrten nach der Vertreibung aus Spanien teilweise ins heutige Palästina zurück. Mit der Entdeckung der Neuen Welt begann die Auswanderung der europäischen Juden nach Amerika. Heute leben schätzungsweise 13,5 - 15 Millionen Menschen, die sich traditionsgemäß als Juden sehen.

Jüdische Religion

Im Judentum hat die Religion selbst keinen zentralen Stellenwert. Die Glaubensauffassungen unterscheiden sich je nach Zugehörigkeit der Glaubensströmung. Im Laufe der Jahrhunderte durchschritt der Glaube verschiedene Entwicklungsphasen. Die jüdische Religion ist eine monotheistische Religion mit einem Gott der Israeliten. Er ist der Erschaffer des Universums. Ob er nun weiter aktiv in der Welt mitwirkt oder sie so seit der Erschaffung belassen hat, wird von den jüdischen Theologen unterschiedlich betrachtet. Die Gebote, die die das Leben eines gläubigen Juden bestimmen, werden aus den Mitzwot abgeleitet.

Auch ein Leben nach dem Tod wird unterschiedlich bewertet. Während im alten Judentum die Seelen der Verstorbenen ähnlich wie im griechischen Hades in einer Schattenwelt fern von Gott existieren, vertritt das heutige Judentum die Vorstellung einer Auferstehung. Zusammengefasst ist die jüdische Heilserwartung auf das irdische Dasein gerichtet, auf Gerechtigkeit und Frieden (Schalom). Ein Weiterleben findet in Nachkommen statt. Die Glaubensfragen unterscheiden sich je nach Zugehörigkeit zum Reformjudentum, konservativen, liberalen oder orthodoxen Judentum.

Definition Jude

Als Jude gilt nach der Halachah in Talmud, einem rechtlichen Teil der jüdischen Überlieferung, jeder, der jüdische Eltern hat, oder wer als Erwachsener zum Judentum konvertiert. Ist nur ein Elternteil jüdisch, so richtet sich im orthodoxen Judentum die Religionszugehörigkeit nach der Mutter. Im Reformjudentum ist jedes Kind jüdisch, wenn ein Elternteil Jude ist. Ferner kann sich jeder als Jude bezeichnen, "der sich positiv auf die von den Rabbinen des Talmuds definierten Traditionen bezieht." (Rabbiner Norman Solomon).

Antisemitismus

Juden waren im Verlauf ihrer ganzen Geschichte verfolgt, bekämpft oder bestenfalls geduldet. Der "moderne" Begriff des Antisemitismus entstand um 1800 in Europa. Die Geschichte des Antijudaismus reicht aber weit in die Vergangenheit zurück. Bereits zur Gründungszeit des Königreichs Israel um 1000 v. Chr. sahen sich die Israeliten durch benachbarte mächtige Königreiche der Ägypter, Assyrer, Babylonier und Perser bedroht. Seit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch die Römer 70 n. Chr. und dem Verbot für Juden, sich in Jerusalem anzusiedeln, lebten sie in ständiger Diaspora und waren Anfeindungen ausgesetzt.

Möglich Gründe für die Entstehung des Antisemitismus

  • Judentum war die erste monotheistische Religion innerhalb polytheistischer Götterwelt. Ein einzelner unsichtbarer Gott stieß bei anderen Völkern auf Unverständnis (siehe interpretatio Romana).
  • Im Christentum wurden Juden als Gottesverräter statuiert. Weil sie an Jesus Christus als den Messias und Sohn Gottes nicht glaubten, stellten die unter Christen lebenden Juden das Wahrheitsmonopol der Kirche in Frage. Es kam immer wieder zu lokalen Pogromen an den Juden. Es war im Interesse der Frühkirche, antijudaistische Stimmung zu verbreiten.
  • Seit dem Mittelalter wurden Juden Verleumdungen ausgesetzt. Falsche Vorwürfe wie Kindesentführung, Ritualmord, Hostienfrevel, Blasphemie oder Brunnenvergiftung schürten bei der Bevölkerung Hass und Angst. Diese Ablehnung wurde über Generationen hinweg getragen. Gefördert wurden die Anfeindungen durch die scheinbar sonderbares Benehmen der jüdischen Mitbürger, deren fremdartige Kleidung und unverstandene Bräuche wie die Speisegesetze (koscheres Essen).

Arabisch-islamischer Antisemitismus

Das Phänomen des arabisch-islamischen Antisemitismus ist relativ neu. Ursächlich beruht er auf Ansiedlung der Juden in Palästina und die Gründung des Israelischen Staates. Daraus entstand der panarabische Antizionismus, der sogleich nach der Gründung Israels im Israelischen Unabhängigkeitskrieg ausartete. Bis heute verweigern viele arabisch-islamischen Staaten Israel das Existenzrecht. Erst seit 1993 erkennen einige Staaten der Arabischen Liga Israel de facto an. Der Antisemitismus blieb jedoch unterschwellig weiter bestehen. Auch die Holocoustleugnung ist in den meisten arabischen Staaten straffrei und wird teilweise von den staatlichen Medien gefördert. Interessant ist im Zusammenhang mit dem arabischen modernen Antisemitismus die Tatsache, dass Juden seit dem Mittelalter in den islamisch geprägten Staaten ansiedelten. In aller Regel wurden sie toleriert und als Dhimmis (Schutzbefohlene) in Ruhe gelassen. Es gibt nur vereinzelte Berichte von Pogromen. Alles in allem ging es den Juden in den vergangenen Jahrhunderten in der islamischen Welt besser als in der christlichen.