Medizinische Klemme

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Drei verschiedene Klemmen
Je nach Einsatz unterscheidet man zwischen traumatischen (hart- oder weichfassenden) und atraumatischen Klemmen. Mit einer medizinischen Klemme, auch Arterienklemme genannt, unterbricht man mechanisch die Blutzufuhr, indem man ein Blutgefäß durch Druck abklemmt. Klemmen werden in der Chirurgie oder in Erste-Hilfe-Maßnahmen eingesetzt. Klemmen sind scheren- oder zangenförmige Instrumente aus Edelstahl, Titan oder seltener Kunststoff. Sie werden ferner auch zum Abdrücken des Darms, Magens, zum Präparieren und zum Fixieren des OP-Lakens um den Einschnitt verwendet.
  • Hartfassende Klemmen verfügen über eine hohen Klemmdruck. Sie sollen fest greifen und nicht durch Federung nachgeben. Sie eignen sich zum Halten am weniger empfindlichen Gewebe oder zum Fixieren von Material.
  • Weichfassende Klemmen sollen durch gefederte Maulteile Verletzungsgefahr am Gewebe minimieren. Sie sollen die Blutung kurzzeitig stoppen, aber ohne die Gefäßwände zu traumatisieren.
  • Atraumatische Klemmen sollen durch speziell geformte Maulteile den mechanischen Druck weitestgehend flächenförmig verteilen, um die Quetschung der Organteile komplett auszuschließen.

Halsted-Mosquito-Klemme

Mosquito-Klemme nach Halsted, genannt nach dem gleichnamigen US-amerikanischen Chirurg, ist eine kleinere Version der Arterienklemme mit geriffelten oder punktuell fassenden, spitz zulaufenden Maulenden. Sie eignet sich besonders gut zum Abklemmen von kleinen Arterien.

Kocher-Klemme

Kocherklemme (alternative Schreibweise) ist eine traumatische Klemme, genannt nach dem Schweizer Chirurg und Nobelpreisträger Theodor Kocher. Zu ihrer Besonderheit gehören geriffelte Backen und eine zahnförmige Ausbildung am Ende, um einen noch besseren Halt zu gewährleisten. Sie wird meist beim robusten Gewebe wie Knochen, Haut oder Muskelfasern angewendet. Für druckempfindliche Organe wie Eingeweide oder Nerven eignet sie sich hingegen nicht.

Pèan-Klemme

Die Pèan-Klemme (auch Pèanklemme), genannt nach dem französischen Chirurg Jules Pèan, ist eine hartfassende Arterienklemme. Sie ist weniger traumatisch als die artverwandte Kocherklemme. Ähnlich wie diese, besitzt sie geriffelte Maulflächen, aber statt eines Zahns an der Spitze ist sie flach oder leicht gebogen.

Nabelklemme

Eine Nabelklemme hat die Aufgabe, nach der Entbindung die Blutzufuhr zwischen dem kindlichen Kreislauf und der Plazenta zu unterbrechen. Heutzutage werden meist Kunststoff-Einwegklemmen in der Geburtshilfe verwendet. Durch spezielle Konstruktion geben sie beim richtigen Verschließen ein Klickgeräusch.

Trivia

Um die Gefahr zu minimieren, dass eine der vielen Klemmen nach dem Eingriff im Körperinneren vergessen wird, werden alle Instrumente vor einer OP gezählt und danach nochmals kontrolliert.