Schleimpilze

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Schleimpilze sind ein- oder mehrzellige Lebewesen. Sie besitzen meist eine vielkernige Protoplasmamasse ohne innere Zellwand, das sog. Plasmodium. Das Plasmodium bewegt sich mit Hilfe von Pseudopodien amöbenartig über totes Holz oder zersetzendes Laub und ernährt sich dabei von Bakterien (Saprophyten). Andere sind Parasiten und sind für einige Pflanzenkrankheiten verantwortlich. Die Systematische Einordnung der Schleimpilze (und auch der Pilze allgemein) ist unter den Fachleuten umstritten, da sie die charakteristischen Merkmale sowohl von Pflanzen als auch von Tieren haben.

Wenn die Nahrung knapp wird, wird das Protoplasma zäher, dickt ein und verfestigt sich zu einer bestimmten Form: einige Arten werden zu Bällchen, andere zu Stäbchen oder Spindeln. Der Fruchtkörper wird zurückgebildet und mit ihm das tierische Verhalten des Schleimpilzes. Er wird zu so etwas wie einem Pilz und bildet Sporen zwecks seiner Verbreitung.

Die Schleimpilze werden in zwei Untergruppen aufgeteilt: echte Schleimpilze (Myxomyceten) und zelluläre Schleimpilze (Acrasiomyceten). Während die Myxomyceten eine Masse aus mehreren Zellkernen bilden und sich sexuell fortpflanzen, pflanzen sich die Acrasiomyceten vegetativ (ungeschlechtlich) fort. Außerdem besitzen sie nur einen Zellkern und bilden kein Plasmodium. Die Anzahl der Schleimpilzarten wird zwischen 500 und 1.000 angegeben, wobei die meisten zu den Myxomyceten gehören.

Die Schleimpilze erreichen beachtliche Größen (unter dem Gesichtspunkt, dass sie biologisch betrachtet aus einer einzigen Zelle bestehen). In der Regel werden sie tellergroß. Manche erreichen eine Größe von bis zu 80 cm. Die Art Physarum polycephalum ("Lohblüte") kann 2 Quadratmeter groß werden.

Manche Forscher vermuten, dass die Schleimpilze früher am Scheideweg der Evolution standen, als sich höhere Pflanzen von den Pilzen und mehrzelligen Tieren abtrennten. Diese Hypothese scheinen auch die molekularen Eigenschaften der Myxomyceten zu belegen.

Schleimpilze oder Myxomyzeten zeichnen sich durch eine charakteristische vielkernige Protoplasmamasse aus – das sogenannte Plasmodium. Sie bestehen aus einer einzigen Zelle mit Milliarden von Zellkernen. Die Zellkerne verdoppeln sich sehr rasch und können die Bildung von röhrenartigen Scheingliedern – sogenannten Pseudopodien anregen, mit deren Hilfe der Organismus imstande ist, sich zu bewegen.

Wie japanische Forscher vom Bio-Mimetic Control Research Center unter der Leitung von Toshiyuki Nakagaki herausfanden, berichtet die Fachzeitschrift Nature, kann sich der Schleimpilz namens Physarum polycephalum nicht nur bewegen, sondern auch intelligente Entscheidungen treffen. Dazu nahm das Forscherteam ein 25x35 Zentimeter großes Labyrinth aus einer Kunststoffschablone und füllte die „Gänge“ mit einer Nährstofflösung. In der Mitte wurde der Pilz platziert, der sich ziemlich bald über die ganze Agar-Lösung ausbreitete. Dann legten die Forscher an jeweils beiden Enden des Labyrinths zwei Häufchen Haferflocken, wonach der Pilz begann, sich in der Mitte zurückzutrennen und allmählich zu den Futterstellen zu wandern. Dabei hätte der Physarum polycephalum zwischen vier Gängen wählen können, von denen jeweils einer um 22% länger als der nächst beste war. In allen Versuchen nahm der Pilz immer den kürzeren Weg. Es scheint, so Nakagaki, „dass zelluläre Materie primitive Intelligenz aufweist.“