Wikinger

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Ein multiethnisches Volk aus Skandinavien und Baltikum, das zwischen 800 und 1050 nach Christus die Küstengebiete und weite Flussläufe Europas plünderte und kolonisierte, aber auch Handel und Landwirtschaft betrieb. Die Wikinger eroberten große Teile Irlands und Englands, drangen ins europäische Festland entlang der Flüsse hinauf und stiegen bis zu den Herrscherkreisen in der Normandie, England und wahrscheinlich der Rus auf. Um das Jahr 1000 nach Christus erreichten Wikinger unter Leif Eriksson Nordamerika und nannten die Küste Vinland.

Etymologie

Die Etymologie des Begriffs Wikinger ist nicht hinreichend geklärt. Dazu gibt es mehrere Erklärungsversuche:

  1. Das Wort Wikinger leitet sich vom germanischen Wortstamm vík ab, was „große Bucht [Fjord], in der das Ufer zurückweicht“ bedeutet. Also, so viel wie: "Jene, die die Fjorde unsicher machten".
  2. Vom lateinischen Wort vīcus, das eine Ortschaft bezeichnet. Also, Seeräuber aus dem Ort Vik. Die Theorie ist nach dem heutigen Wissensstand jedoch ziemlich unwahrscheinlich.
  3. Vom altenglischen wíc „Lagerplatz“, „Wohnstätte“, „Dorf“. Findet sich heute noch in den Ortsnamen wie Sandwich oder Harwich wieder.
  4. Interessant ist die linguistische Verwandtschaft des altslawischen Wortes Witjas (kyr. витязь) "Ritter". Die indoeuropäische Wurzel wes' (весь) steht ebenfalls im Zusammenhang mit einer Siedlung. Es könnte demnach sein, dass Witjas direkt aus dem Wort Wiking hervorgeht, denn das skandinavische Suffix "-ing" wurde regulär zum slawischen "-jes'". So wie Witjas, Knjas etc.

Religion

Wikinger waren Heiden. Dies war auch einer der Gründe, dass die Zeitzeugen sie als noch fremdartiger und barbarischer ansahen. Außerdem scheuten Wikinger nicht vor Plünderungen der Klöster und Kirchen zurück, jenen letzten Zufluchtsorten für Schwache und Verfolgte, jenen Zufluchtsorten, die von christlichen Angriffsparteien in aller Regel respektiert wurden. Über das Pantheon der Wikingergötter ist sehr wenig überliefert. Wahrscheinlich bedienten sie sich der meisten Elemente der nordischen Mythologie. Die Christianisierung der Wikinger begann im zweiten Drittel des 10. Jahrhunderts. Mitte des 11. Jahrhunderts war die Führungsschicht Skandinaviens weitgehend christianisiert und zentraler Gewalt unterstellt. Die massiven Raubüberfälle der Wikinger nahmen drastisch ab.

Wikingerzeit

Die Überfälle der Wikinger begannen Ende des 8. Jahrhunderts. Die Geschichtsschreibung gibt die Anfänge der Wikingerzeit mit dem Überfall auf das Kloster Lindisfarne im Jahr 793 vor der Nordost-Küste Englands an, obwohl es bereits auch früher Plünderungen an der englischen Küste durch skandinavische Räuber gegeben hat.

Charakteristisch für die Wikinger war, dass sie mit ihren kleinen, wendigen Schiffen, den Drakkaren, plötzlich und scheinbar wie aus dem Nichts auftauchten und mit großer Kampfesstärke und Brutalität über Siedlungen her fielen. Wikinger waren sehr gute Seeleute und besaßen mehrere Schiffstypen. Für weite Überseefahrten wurden das Langschiff und die Knorr benutzt. Durch den originalgetreuen Nachbau der Schiffe konnte man ihre Seetüchtigkeit in der Praxis untersuchen. So erreichten die Langschiffe der Wikinger eine Geschwindigkeit bis zu 15-20 Knoten, waren kaum zu kentern und hatten einen niedrigen Tiefgang, was ihnen ermöglichte, Raubzüge auch flussabwärts zu unternehmen.

Lebensweise

Die Realität der Lebensumstände der um die Jahrtausendwende lebender Wikinger weicht oft vom in der Romantik geprägten Bild des sagenumwobenen Kriegers. Viele Wikingersiedlungen zeugen von schlechten hygienischen Verhältnissen, die untersuchten Skelette weisen Spuren von auf mangelnde Hygiene zurückgeführten Krankheiten. Lepra war nachweislich eine recht häufige Erkrankung. An Eisenmangel, schlechten Zähnen und Arthrose litt die Mehrheit der aus Skandinavien stammender Menschen. Wie in der Zeit üblich, war die Kindessterblichkeit hoch und die Lebenserwartung niedrig.

Wikinger als Herrscher Englands

Die über zwei Jahrhunderte andauernden Raubzüge an der englischen Küste wurden immer weiter ausgeweitet. Einige Wikinger kehrte nicht mehr zurück, sondern ließen sich in Kolonien an den eroberten Gebieten nieder. Die Angelsachsen tolerierten die Siedler nur bedingt. Weil die Raubzüge nicht abnahmen, befahl der englische König Æthelred II., alle dänischen Bewohner Englands zu töten (St. Brice’s Day Massaker). Aus Rache für diese Tat unternahm der dänische König Sven Gabelbart eine groß angelegte Invasion Englands, bei der es ihm gelang, Æthelred II. in die Normandie zu vertreiben. Am 25. Dezember 1013 wurde Sven Gabelbart zum König von England erklärt und er war bis zu seinem Tode der tatsächliche Herrscher in England. Bis zum Jahr 1066 wechselten sich noch sieben dänische und angelsächsische Könige die Krone, bis der normannische König Wilhelm den Eroberer in der Schlacht bei Hastings England einnahm und eine normannische Königsdynastie festigte.


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