Autoritarismus
Autoritarismus bezeichnet eine Form der Herrschaft oder politischen Ordnung, in der Macht stark zentralisiert ist und politische Entscheidungen weitgehend ohne Beteiligung der Bevölkerung getroffen werden. Charakteristisch sind eine begrenzte politische Pluralität, eine geringe Toleranz gegenüber Opposition sowie die Betonung von Gehorsam und Ordnung. Anders als in totalitären Systemen wird beim Autoritarismus nicht zwangsläufig jeder Bereich des gesellschaftlichen Lebens kontrolliert, doch politische Freiheiten sind deutlich eingeschränkt.
Begriffsabgrenzung und Merkmale
Der Begriff „Autoritarismus“ ist nicht eindeutig definiert und wird in verschiedenen Kontexten unterschiedlich verwendet. In der Politikwissenschaft beschreibt er meist ein Regime, das sich durch eine schwache oder fehlende Gewaltenteilung, eingeschränkte Pressefreiheit und mangelnde Rechtsstaatlichkeit auszeichnet. Autoritäre Systeme stützen sich häufig auf das Militär, Sicherheitsapparate oder eine staatlich kontrollierte Bürokratie. Wahlen können stattfinden, sind aber häufig manipuliert oder haben keine reale Auswirkung auf die Machtverhältnisse.
Ein zentrales Merkmal autoritärer Herrschaft ist die politische Passivierung der Bevölkerung. Politische Beteiligung wird nicht gefördert, sondern oft bewusst eingeschränkt. Kritische Meinungsäußerungen werden unterdrückt oder sanktioniert. Der Staat tritt meist als paternalistische Instanz auf, die Sicherheit und Ordnung verspricht, zugleich aber politische Kontrolle ausübt.
Im Unterschied zu totalitären Regimen beanspruchen autoritäre Systeme nicht zwangsläufig eine ideologische Durchdringung aller Lebensbereiche. Vielmehr wird politische Stabilität oft durch pragmatische Mittel, wie die Kooptation von Eliten oder selektive Repression, gesichert. Autoritarismus kann unterschiedliche Formen annehmen – von Militärdiktaturen über Einparteienregime bis hin zu präsidialen Autokratien. Auch hybride Regime, die demokratische und autoritäre Elemente kombinieren, werden häufig unter dem Begriff subsumiert.
Historische und gegenwärtige Erscheinungsformen
Autoritäre Systeme sind kein Phänomen der Neuzeit, sondern lassen sich bereits in vormodernen Herrschaftsformen beobachten. In der Moderne tritt Autoritarismus vor allem als Reaktion auf politische Instabilität, wirtschaftliche Krisen oder gesellschaftlichen Wandel auf. Insbesondere im 20. Jahrhundert etablierten sich zahlreiche autoritäre Regime, etwa im Zuge von Entkolonialisierung, Revolutionen oder Militärputschen.
Beispiele aus der Geschichte sind das franquistische Spanien, das Estado Novo in Portugal oder die Militärregime in Lateinamerika während der 1970er und 1980er Jahre. Diese Regime stützten sich häufig auf nationale Ideologien, Antikommunismus oder traditionelle Werte. In der Gegenwart zeigt sich Autoritarismus unter anderem in Russland, Belarus, Iran oder bestimmten Staaten Asiens und Afrikas. Auch innerhalb formell demokratischer Systeme können autoritäre Tendenzen erkennbar sein, etwa durch Aushöhlung rechtsstaatlicher Strukturen, Einschränkung von Medienfreiheit oder die Instrumentalisierung der Justiz.
Autoritäre Herrschaftsformen sind meist langfristig angelegt, können jedoch durch politische, soziale oder ökonomische Umbrüche ins Wanken geraten. Der Übergang zwischen autoritären und demokratischen Ordnungen verläuft häufig schrittweise und ist selten stabil. Demokratische Rückschritte – etwa durch Verfassungsänderungen zugunsten der Exekutive oder die Einschränkung der Gewaltenteilung – werden als „autokratische Regression“ bezeichnet und sind ein zentrales Forschungsfeld der Demokratietheorie.