Auf den Spuren der Römer in Europa

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Das moderne Europa baut auf den Grundpfeilern auf, die die alten Römer gelegt haben. Ohne uns dessen bewusst zu sein, begegnen wir den Spuren der römischen Kultur überall im Alltag: in der Kirche, der Medizin, dem Rechtswesen, der Architektur und nicht zuletzt in der Sprache. Viele Spuren des Riesenreichs sind bis heute in den ehemaligen Provinzen sichtbar.

Forum Romanum, Bild: Eigenes Werk
Römisches Reich beherrschte einst fast die ganze Welt, die der Antike bekannt war. Zur Zeit seiner größten Ausdehnung unter Kaiser Trajan lebten schätzungsweise 62 Millionen Menschen auf einer Fläche von 8.3 Millionen Quadratkilometern[1]. Das ist fast so viel wie die Fläche der Vereinigte Staaten von Amerika. Seit dem Mittelalter wird Rom als der ideale Staat glorifiziert. Viele Staaten nahmen für sich das Recht, als der direkte Nachfolger des Römischen Reichs zu gelten. Im Mittelalter sah sich das Heilige Römische Reich in der Tradition des antikes Roms zu stehen. Ab dem 16. Jahrhundert bezeichnete sich die Monarchen Russlands als das "Dritte Rom" als Nachfolge des byzantinischen Reichs, um ihre Machtansprüche und Größe zu untermauern. In der Neuzeit bedienten sich das faschistische Regime Mussolinis und das der nationalsozialistischen Diktatur ("Tausendjähriges Reich") einer pervertierten Ideologie, die an die Tradition des Römischen Reiches anknüpfen wollte.
Römisches Reich zur Zeit seiner größten Ausdehnung um das Jahr 120
Bild: Jniemenmaa aus fi, CC BY-SA 3.0, [1]

Auch wenn die Verherrlichung des antiken Roms seit seinem Untergang ungebrochen schien, gerieten die baulichen Kulturdenkmäler allgemählich in Vergessenheit. Dies galt sogar für das im Herzen Roms gelegene Forum Romanum, das allmählich verfiel und sich seit dem 12./13. Jahrhundert in eine Kuhweide verwandelte. Erst mit dem Einsetzen der Romantik, die sich aus dem Gedankengut der Aufklärung entwickelte, erwachte das wissenschaftliche Interesse für das untergegangene Römische Reich.

Heute sind die meisten Stätten, wo sich Römer aufhielten, erforscht, teils ausgegraben, teils rekonstruiert. Das Gros davon befindet sich natürlich im heutigen Italien, dem Herzen des Imperium romanum. Aber auch in römischen Provinzen zeugen große und kleine Bauwerke von der ehemaligen Präsenz der Römer.

Deutschland

Der Großteil Deutschlands bestand aus den Provinzen Germania inferior (Niedergermanien) sowie Germania superior (Obergermanien). Der Teil nördlich des Rheins, in den sich die Römer seilten hineinwagten, hieß Germania magna.

Die Zeugnisse der römischen Kultur sind zumeist südlich des Rheins und der Donau zu finden. Die ehemals römischen Kastelle wuchsen später zu den Städte Trier (Augusta Treverorum), Mainz (Mogontiacum) und Köln (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) heran. Dort sind die prominentesten Zeugnisse der Römer zu finden. Auch viele andere deutsche Städte entstanden aus ehemaligen militärischen Anlagen entlang der Grenzbefestigungen.

Großbritannien

Um die Unterstützung der keltischen Stämme von der Insel in Gallien einzudämmen, unternahm Caesar 55 v. Chr. einen relativ erfolglosen Invasionsversuch in Britannien. Auch ein Jahr später scheiterte Caesars zweiter Britannienfeldzug. Erst beim dritten Anlauf rund 90 Jahre später gelang es dem Kaiser Claudius mit schätzungsweise 20.000 Legionären und ca. ebensovielen Hilfstruppen eine erfolgreiche Landung auf der Insel.

Die Eroberung von Britannien gestaltete sich zäh und fiel im Verlauf von rund vierzig Jahren auf die Amtszeit mehrerer Kaiser. Im Jahr 122 ließ Kaiser Hadrian den nach ihm benannten Wall im Norden der Insel errichten.

Limites

Alle historischen Weltreiche, so unterschiedlich sie sein möchten, hatten eins gemeinsam: Sie zerfielen an ihrer Größe. Die Römer mussten immer die stetig wandelnden Landesgrenzen verteidigen. Etwa ab dem 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung begannen Römer alle Landstriche ohne natürliche Hindernisse mit Limites (Singular Limes) zu sichern. Ein Limes bestand in der Regel aus Holzpalisaden mit zueinander in Sichtkontakt befindenden Wachtürmen. Einige Limites, so wie der Hadrianswall, waren durchgehend gemauert.

Die Funktion eines Limes lag weniger in seiner Undurchdringbarkeit, als vielmehr als Frühwarnsystem. War eine feindliche Streitmacht im Anmarsch, konnten Wachleute über die einzelnen Wachtürme Signale blitzschnell kilometerweit übertragen und schnell grenzsichernde Legionen mobilisieren.

Limites gab es überall dort, wo Römer ihre Grenzen zum Barbaricum absicherten: in Europa, in Asien und in Nordafrika. Der Hadrianswall gehört wegen seiner massiven Bauweise zu den Besterhaltenen. Auch das heutige Deutschland durchzog zwischen Rhein und Donau ein 550 km langer Limes. Der Obergermanisch-Raetische Limes bestand in seiner ersten Ausbauphase aus Palisaden und einem Schutzwall. Später wurde er streckenweise durch Steinmauerwerk ersetzt. Heute ist er stark erodiert und meist nur noch auf Luftaufnahmen erkennbar. Seit 2005 gehört der Obergermanisch-Raetische Limes ebenso wie der Hadrianswall in Großbritannien zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Fußnoten

  1. Römer führten regelmäßig Volkszählungen durch. Allerdings ist auf die Genauigkeit des Zensus wenig Verlass. Die Schätzungen variieren je nach Quelle zwischen 55 und 65 Millionen Menschen, die auf dem Territorium des Reichs lebten.

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