Leber - ein Organ, das wir nie merken

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Leber gehört zu den wichtigsten Organen im menschlichen Körper. Sie verwertet die Nahrungsbestandteile, produziert lebenswichtige Proteine, reguliert die Abgabe der Nährstoffe ins Blut und spaltet die in den Körper aufgenommenen toxischen Stoffe. Wenn ein gesunder Körper ordnungsgemäß funktioniert, merken wir nichts von unserem wichtigsten Organ. Das sollte am besten bis ins hohe Alter so bleiben.

Die Aufgaben der Leber

Die wichtigste Aufgabe der Leber ist es, die Stoffwechselvorgänge im Körper aufrecht zu erhalten. Die Leber kann Gallenflüssigkeit produzieren und nach der Entfernung der Galle sogar zum Teil ihre Arbeit kompensieren. Die Leber ist in der Lage, lebenswichtige Proteine herzustellen und Nährstoffe in Form von Zucker, Fett und Vitaminen zu speichern. Eine sehr wichtige Aufgabe der Leber liegt in ihrer Entgiftungsfunktion. So spaltet sie beispielsweise das giftige Ammoniak, das im Körper als Zwischenprodukt beim Auf- und Abbau von Aminosäuren gebildet wird, in den ungiftigen Harnstoff. In der Leber werden alte Blutkörperchen abgebaut sowie Hämoglobin zu Bilirubin umgewandelt. Umweltgifte, die wir gewollt oder ungewollt aufnehmen, werden alle in der Leber zu unschädlichen Produkten abgebaut. Meistens handelt es sich in den Industrienationen bei diesen Giften um Medikamente und Alkohol.

Erkrankungen der Leber

Bild: Uwe Gille - Uploaded on de:WP by de:Benutzer:Uwe Gille, CC BY-SA 3.0, Wiki commons
Wer die Leber auf Dauer durch falsche Ernährung, Medikamenten- oder Alkoholkonsum belastet, läuft die Gefahr, dass sie irgendwann erkrankt. Lebererkrankungen machen sich im Frühstadium aufgrund der großen Reservekapazität des Organs unbemerkbar. Die Leber leidet lange Zeit still. Auch die ersten unspezifischen Anzeichen eines Leberleidens verlaufen oft unbemerkt. Dazu können Hautjucken und übermäßige Schweißausbrüche gehören, Dunkelfärbung des Urins oder Blutungsneigung, Abgeschlagenheit und Müdigkeit. Das zentrale Organ im menschlichen Körper funktioniert, ohne dass wir davon Notiz nehmen. Bekanntschaft machen viele mit der Leber erst, wenn mit dem Organ etwas nicht stimmt.

Lebererkrankungen im Frühstadium lassen sich durch Blutuntersuchung diagnostizieren. Bei Schädigungen des Lebergewebes treten die Leberenzyme in erhöhter Konzentration im Blut auf. Da die Leber die zentrale Rolle in den Stoffwechselvorgängen sowie im Hormonhaushalt spielt, betreffen die einhergehenden Störungen gerade diese Funktionen des Organismus. Studien deuten darauf hin, dass Diabetes mellitus der funktionalen Störung der Leber voraus geht. Störungen der Schilddrüsen- und Sexualhormone sind oft auch die Folge einer schleichenden Lebererkrankung.

Leber besitzt eine erstaunliche Regenerationsfähigkeit. Es ist das einzige innere Organ, das bei Teilentnahme des Gewebes sich zu einer ursprünglichen Form und Größe regenerieren kann. Eine der häufigsten Erkrankungen unseres Entgiftungsorgans ist die Fettleber. Laut statistischen Hochrechnungen leidet jeder vierte Erwachsene in Deutschland über 40 unter der Verfettung der Leber. Die meisten Betroffenen wissen nichts von ihrem Leiden. Wenn die Fettleber noch nicht mit einer Entzündung des Gewebes einhergeht, ist die Erkrankung dank der Regenerationsfähigkeit des Organs vollständig reversibel. Um den Prozess umkehren zu können, muss man seine Ernährungs- und Trinkgewohnheiten ändern.

Hepatitis ist ein zusammenfassender Begriff für eine Entzündung der Leber, die verschiedene Ursachen haben kann. Vergiftungen, Parasiten, Viren und Bakterien können eine Hepatitis hervorrufen. Auch Autoimmunerkrankungen können eine Hepatitis auslösen. Die häufigste Ursache bilden jedoch Hepatitisviren. Je nach Virusart unterscheidet man zwischen Hepatitis A, B, C, D und E. Alle Hepatitisviren werden durch Körperflüssigkeiten, Blut und Schmierinfektionen übertragen. Dauert eine Hepatitiserkrankung länger als sechs Monate, spricht man von einer chronischen Infektion. Die Heilungschancen bei einer chronischen Hepatitis sind kleiner als bei einem akuten Krankheitsverlauf.

Je nach Hepatitisform und Verlauf gibt es verschiedene Behandlungsmethoden. Während akute Virushepatitiden von selbst abheilen, müssen chronische medikamentös behandelt werden. Bei allen Hepatitistypen ist eine strenge Diät einzuhalten. Leberbelastende Lebensmittel- bzw. Genussmittel sind tabu. Um eine Ansteckung anderer Personen in unmittelbarer Umgebung zu vermeiden, ist auf eine erhöhte Hygiene zu achten. Alle virusbedingten Hepatitistypen sind meldepflichtig.

Leberschäden langfristig vermeiden

Chronische, unbehandelte Erkrankungen der Leber, gepaart mit Bewegungsmangel, fetthaltiger Ernährung, Medikamenten- oder Alkoholmissbrauch belasten die Leber dauerhaft und können das Organ so weit schädigen, dass die Selbstreparatur nicht mehr greifen kann. Eine vollständige Heilung ist dann nicht mehr möglich. Beispielsweise im Fall von Leberzirrhose. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um die Endphase aller chronischen Lebererkrankungen, die nicht mehr reversibel ist und am Ende zum totalen Versagen des Organs führt. Da sich eine Leberzirrhose in den meisten Fällen über Jahrzehnte entwickelt, ist eine präventive Behandlung der Ursache notwendig. Leberkrebs entwickelt sich oftmals auch aus chronischen Leberschäden oder auf Basis einer Leberzirrhose.

Viele Medikamente schädigen nachweislich die Leber. Auf der anderen Seite gibt es pflanzliche Stoffe, die die Leberfunktion nachweislich unterstützen. Verbindungen wie Cholin oder Silymarin können als lipotrope Faktoren die Einlagerung von Fett in der Leber verhindern[1],[2].

Jedem sollte aber klar sein, dass kein Nahrungsergänzungsmittel ausgewogene Ernährung, ausreichende Bewegung und Verzicht auf Alkohol ersetzen kann. Nur so erhöht man die Chancen, Gesundheit und Lebensqualität bis ins hohe Alter bewahren zu können.

Quellennachweise

  1. Ibrahim Elmadfa, Claus Leitzmann: Ernährung des Menschen (= UTB für Wissenschaft). Ulmer.
  2. Volker Fintelmann, Rudolf F. Weiss: Lehrbuch Phytotherapie. Georg Thieme Verlag, 2009, ISBN 978-3-8304-5418-2, S. 97 ff.