Mittelohrentzündung - Behandlung, Risiken und Komplikationen

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Mittelohrentzündungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen des menschlichen Hörapparats. Fast jeder kennt äußerst unangenehmen klopfenden und stechenden Schmerzen, die einen um den Schlaf bringen können. Ganz häufig sind Säuglinge und Kleinkinder betroffen.

Anatomie des menschlichen Ohrs
Von Iain at the English language Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Wiki commons
Die akute Mittelohrentzündung (Otitis media acuta) ist eine Entzündung der Schleimhaut des Mittelohrs, verursacht durch Bakterien, Viren oder seltener Pilze. Kinder leiden besonders häufig an Mittelohrentzündungen. Das liegt daran, weil bei Ihnen die Verbindung zwischen dem Rachenraum und dem Mittelohr, genannt Ohrtrompete, noch sehr kurz ist. Bei Säuglingen oder Kleinkindern erkennt man eine Mittelohrentzündung oft an dem Verhalten, wenn sie den Kopf von einer Seite zur anderen werfen und sich ans Ohr fassen. Man spricht in diesem Fall auch von Ohrzwang. Begleitet werden die Symptome von allgemeinem Krankheitsgefühl, Weinerlichkeit und Fieber.

Entstehung

Eine Mittelohrentzündung entsteht in aller Regel durch Bakterien wie Pneumokokken, Staphylokokken, Streptococcus pyogenes oder Haemophilus influenzae. Diese gelangen infolge einer Infektion der oberen Atemwege durch die Ohrtrompete ins Ohr oder werden von außen durchs Badewasser eingeschleppt. So werden die meisten Mittelohrinfektionen im Sommer und nicht etwa im Winter vermeldet. Auch übertriebene oder falsch durchgeführte Ohrhygiene kann die Verbreitung der Erreger im Ohr begünstigen.

Behandlung

Oftmals heilt eine Mittelohrentzündung spontan aus. Wenn die Schmerzen länger als einen Tag andauern, sollte ein HNO-Arzt aufgesucht werden. Bei Kindern sollte man grundsätzlich einen Besuch beim Arzt abstatten.

Früher war die Gabe von Antibiotika die Standardbehandlung bei Mittelohrentzündungen. Heute versucht man zunächst mit schmerzstillenden Mitteln die Symptome wie Schmerzen und Fieber zu behandeln. In allermeisten Fällen wird der Körper mit der Infektion allein fertig. Wenn die Schmerzen länger andauern, ist eine Behandlung mit Antibiotika notwendig. Häufig auch bei viraler Infektion, auch wenn es kurios erscheint. Wenn infolge viraler Infektion die Schleimhäute anschwellen, kann das Mittelohr nicht mehr belüftet werden. Das führt zur Vermehrung der dort angesiedelten Bakterien.

Komplikationen

Eine Mittelohrentzündung ist schmerzhaft, aber an sich harmlos. Gefährlich wird es, wenn sie sehr akut wird oder die Antibiotikabehandlung nicht konsequent zu Ende durchgeführt wird.

Bei einer sehr akuten, nicht behandelten Mittelohrentzündung kommt es nach einigen Tagen zum spontanen Trommelfelldurchbruch und Austritt von Eiter. Die Schmerzen klingen sofort ab und die Trommelfellperforation heilt in der Regel ab. Dies kann jedoch zur Hörschädigung und zur chronischen Mittelohrentzündung führen.

Eine nicht zu Ende behandelte oder verschleppte Mittelohrentzündung kann zu einer Gehörgangsentzündung mit eitrigem Ausfluss führen, Gesichtslähmung verursachen, sich zu einer Mastoiditis entwickeln, zu einer Entzündung des Innenohrs mit Verlust des Hörvermögens führen oder gar lebensbedrohlich werden, wenn die Infektion zur Hirn durchdringt.

Prävention

Wenn eine Mittelohrentzündung als Folge einer Erkältung entsteht, kann man in der Regel nicht viel dagegen tun. Viel öfter entsteht sie jedoch durch äußere Faktoren.

Beim Baden sollte man unbedingt darauf achten, dass das Wasser aus dem Ohr abfließen kann. Dazu bewegt man am effektivsten den seitlich geneigten Kopf ruckartig auf und ab. Dann löst sich normalerweise nach wenigen Sekunden der mit Wasser blockierte Ohrgang.

Niemals zum Reinigen oder zum Abtupfen von Wasser Wattestäbchen verwenden. Zum einen kann das Ohr mechanisch beschädigt werden, zum anderen befördern Ohrstäbchen Bakterien und Staub tiefer in den Gehörgang. Außerdem wird der Ohrenschmalz regelmäßig entfernt. Ohrenschmalz ist kein Dreck, sondern ein bitter schmeckendes Sekret, das ein Enzym zum Abtöten von Mikroorganismen enthält. Ohne Ohrenschmalz haben es Bakterien leichter sich auszubreiten.

Auch häufiges Baden führt zum Auswaschen des schützenden Sekrets (Schwimmerohr) und begünstigt Infektionen. Schützen Sie deswegen beim Baden Ihre Ohren mit Stöpseln für Wassersport oder glycerinhaltigen Tropfen.

Mythen und Legenden

Früher dachte man, dass die Ohrwürmer (oder Ohrenkneifer) nachts in die Ohren reinkrabbeln und mit ihrer Zange am Hinterleib das Trommelfell ankneifen. Auch wenn diese Insekten nicht unbedingt appetitlich aussehen, für den Menschen und seine Ohren sind sie absolut harmlos. Bereits in der Antike wurden getrocknete und pulverisierte Ohrwürmer gegen Ohrschmerzen verabreicht.

Eine der zahlreichen urbanen Legenden besagt, dass man eine Mittelohrentzündung durch Luftzug bekommt. Auch das gehört ins Reich der Legenden, denn die Entzündung des Mittelohrs wird stets durch Mikroorganismen oder Viren verursacht.