Zahnbleaching kurios - wie man sich früher die Zähne aufhellte

Aus Wiki.mag
Wechseln zu: Navigation, Suche


Gesunde, weiße Zähne assoziieren wir instinktiv mit Jugend und Gesundheit. In den meisten Kulturen wird deshalb ein strahlend weißes Lächeln mit Vitalität, Ausstrahlung und jugendlicher Frische in Verbindung gebracht. Es überrascht daher nicht, dass sich Menschen bereits vor Jahrtausenden für ästhetische Zahnhygiene interessierten.

Kulturübergreifendes Ästhetikempfinden

Gesunde, weiße Zähne
Bild: Wiki commons/Autor: dozenist
Evolutionsbiologen wissen schon seit Längerem, dass bestimmte körperliche Merkmale für Gesundheit respektive für "gute Gene" stehen. Ästhetisches Empfinden wird dabei gleich mit sexueller Attraktivität gesetzt. Das ist beispielsweise die Makellosigkeit der Haut, die weibliche Hüftform oder die männliche V-Form und natürlich ein offenes, perfektes Lächeln.

Zwar unterliegt unser Schönheitsideal einem kulturellen und epochalen Wandel, im Kern sind diese Ideale zeit- und kulturübergreifend. In erster Linie empfinden wir eine dezente Betonung der sekundären Geschlechtsmerkmale als schön. Doch auch andere Körperpartien, denen wir eine vitale Bedeutung beimessen, spielen in unserer Wahrnehmung und Einschätzung einer Person eine zentrale Rolle. Dazu gehört als das bei der Kommunikation und visueller Wahrnehmung zentrale Organ - der Mund bzw. das Lächeln.

Im Gespräch mit einer anderen Person fixieren wir unseren Blick am zweithäufigsten nach Augen auf den Mund und entsprechend auf die Zähne. Vom Zustand der Zähne schließen wir bewusst oder unbewusst nicht nur auf den Gesundheitszustand von unserem Gesprächspartner; makellose Zähne liefern auch einen Hinweis über den sozialen Status und den Erfolg. Daher strebten Menschen seit Jahrhunderten an, ihre Zähne attraktiver wirken zu lassen.

Bewusstsein für Zahnhygiene im Wandel der Zeit

Noch nie war das Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil und jugendliche Ausstrahlung so hoch wie in der zweiten Hälfte des 20. und im 21. Jahrhundert. Die heutige Dentalmedizin vollzieht einen allmählichen Wandel vom rein Funktionellen auf das Ästhetische. Ganz oben auf der Wunschliste der Patienten steht die Zahnaufhellung. So modern die Zahnaufhellung zu sein scheint, versuchten sich darin bereits unsere Vorfahren an der Schwelle der Zivilisation.

Die ersten Überlieferungen über Zahnhygiene stammen aus dem alten Ägypten. Dort verwendete man für die Zahnreinigung so genannte Kaustöckchen aus Baumästen. Meist wurden zur Zahnreinigung die Knospen, Wurzeln und Zweige des Zahnbürstenbaums genommen. Man kaute die ausgefransten Stöckchen und verwendete sie auch als Zungenschaber. Untersuchungen zeigen, dass die Pflanze keimhemmend wirkende Substanzen sowie Spuren von Fluorid enthält. Die ältesten Funde von Kaustöckchen stammen aus der Zeit um 3.000 v. Chr..

Zahnaufhellung früher und heute

Bereits Ägypter und besonders ästhetikverliebten Römer machten sich Gedanken, wie sie das natürliche Zahnweiss stärker zur Geltung bringen konnten. Zur Aufhellung der Zähne verwendete man im Ägypten eine Paste aus pulverisiertem Bimsstein und Weinessig. Im römischen Reich nutzte man eine schonendere, wohl aber ekelige Methode, indem man mit mit menschlichem oder tierischen Urin gurgelte. Urin enthält Ammoniak, der unter anderem auch bei moderner Zahnaufhellung Verwendung findet. Bis heute findet man in gut gemeinten "Ratgebern" den Tipp, sich die Zähne mit Urin aufzuhellen. Abgesehen von der Gefahr, sich eine bakterielle Entzündung zu holen, ist der Erfolg dieser Methode mehr als mäßig.

Im abendländischen 18. Jahrhundert verwendeten die Barbiere eine ziemlich rabiate Methode, um die Zähne ihrer Kunden ein paar Nuancen heller erscheinen zu lassen. Sie schliffen mechanisch den Zahnschmelz ab und bestrichen so präparierte Zähne mit Salpetersäure, die den gewünschten Bleicheffekt zur Folge hatte. Dass man damit die Zähne zerstörte, wusste man entweder nicht oder nahm es in Kauf. Wer schön sein will, muss bekanntlich leiden. Eine etwas schonendere, doch auch sehr zahnschmelzaggressive Methode findet sich bis heute noch unter diversen Hausmittel-"Tipps" wieder. Die Oma hellte damals ihre Beißerchen mit einer Mischung aus Backpulver, Zitronensaft und Salz auf. Dass die Oma bereits mit 50 ein künstliches Gebiss hatte, wird dabei nicht erwähnt oder keinen Zusammenhang mit ihrer Körperpflege hergestellt.

Modernes Bleachignverfahren

Erster wissenschaftlicher Ansatz zur Zahnaufhellung wurde im Jahr 1877 unternommen, als die Zahnärzte zunächst Oxalsäure verwendeten, die bald durch Calciumhypochlorit abgelöst wurde. 1884 wurde zum ersten Mal Peroxid zur Zahnaufhellung eingesetzt. Wasserstoffperoxid (H2O2) findet auch heute noch in der ästhetischen Zahnmedizin Verwendung.

Zunächst einmal: Wie entstehen Zahnverfärbungen? Zahnverfärbungen sind von Zahnbelägen zu unterscheiden. Während die letzteren mechanisch durch spezielles Zahnpastagranulat oder professionelle Zahnreinigung abgetragen werden können, befinden sich Zahnverfärbungen unterhalb der Zahnoberfläche im Zahnschmelz oder im Dentin. Diese Verfärbungen, die durch Konsum vom schwarzen Tee, Tabakgenuss oder durch Abrasion von Zahnschmelz infolge des Alters entstehen, können nur durch spezielle Bleaching-Präparate beseitigt werden. Wasserstoffperoxid und ähnliche Chemikalien treten in die Zahnsubstanz ein und spalten dort Sauerstoffradikale ab. Diese treten in Reaktion mit dem eingelagerten Farbstoff, so dass er nicht mehr durch den Zahnschmelz durchschimmert. pH-neutrale Präparate sind, wenn sie sachgemäß und professionell angewendet wurden, zahnschonend und können über Jahre den Perlweisseffekt beibehalten.

Mehr zum Thema[Bearbeiten]