Hobbyastronomie - Möglichkeiten der Sonnenbeobachtung

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Sonne ist der uns am nächsten gelegene Stern. Astronomisch betrachtet mag unser Gestirn als Hauptreihenstern der Spektralklasse G eher dem Durchschnitt anzugehören, für uns ist die Sonne nicht nur wichtig, sie ist für das Leben auf der Erde essentiell. Leider kommt sie bei den Hobbyastronomen, die ihr Augenmerk eher auf in der Nacht sichtbaren Objekte richten, oft zu kurz. Dabei bietet die Sonnenbeobachtung gegenüber der konventionellen Astrofotografie viele Vorteile. Zumal sie bei Tage ausgeübt wird und nicht unbedingt in klirrender Kälte.

Was kann man auf der Sonne beobachten?

Koronaler Massenauswurf
Bild: U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration - [1], [2], Gemeinfrei, Wiki commons
Sonne gehört neben dem Mond zu den einzigen astronomischen Objekten im Sonnensystem, auf denen das menschliche Auge Details auflösen kann. Zwar behaupten einige Leute von sich, die Venussichel mit bloßem Auge ausmachen zu können, gesehen hat sie nachweislich erst Galileo Galilei mit seinem 1610 gebauten Fernrohr. Dafür beobachteten bereits Astronomen der europäischen Antike sowie chinesische Astronomen Sonnenflecken mit bloßem Auge.

Modernen Astronomen erschlossen sich durch neue physikalische Erkenntnisse und technische Fortschritte ganz neue Möglichkeiten. So entdeckten Physiker im 20. Jahrhundert, dass das sichtbare Licht nur einen kleinen Teil des elektromagnetischen Spektrums ausmacht, den die Sonne abstrahlt. Der emittierten Röntgen-, UV- und Gammastrahlung kann man weit mehr Informationen über die inneren Vorgänge des Zentralgestirns entlocken, als es uns das sichtbare Licht verrät.

Selbstverständlich verfügt ein Hobbyastronom nicht über Mittel, ein Röntgenteleskop zu erwerben und zu betreiben. Mit dem nötigen Equipment lassen sich jedoch durchaus Sonnenflecken, die Granulation der Photosphäre, Sonnenfackeln und Protuberanzen beobachten. Sonnenbeobachtung bietet einen unheimlichen Reiz, da sich die Vorgänge auf der Sonne sehr dynamisch gestalten. Die Sonne ist niemals statisch. Auf ihrer Oberfläche geht es zu wie in einem brodelnden Topf zu. Die Sonnenbeobachtung und Fotografie bietet in Kombination mit irdischen Elementen einen großen Reiz an. In sehr seltenen Fällen kann der Schatten eines Greifvogels oder eines Flugzeugs vor der Sonnenscheibe eingefangen werden.

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass man mit Hilfe eines optischen Geräts niemals direkt in die Sonne schauen kann. Wenn das ungefilterte Sonnenlicht die Netzhaut trifft, kann deren Beschädigung innerhalb von Sekundenbruchteilen eintreten. Schneller, als das Augenlid reagieren kann.

Ausrüstung

Für die Sonnenbeobachtung benötigt man anfänglich nicht viel Ausrüstung. Bereits mit einem einfachen Fernrohr oder einem Feldstecher kann man mittels Projektion Sonnenflecken beobachten. Bei der Projektionsmethode, die bereits Galileo Galilei kannte, bringt man hinter dem Okular Pappe oder Papier an, auf die durch die Optik erzeugte Bild projiziert wird. Beliebt ist diese Methode vor allem bei Sonnenfinsternissen. Der Nachteil der Projektion besteht darin, dass die Optik nicht zu lange auf die Sonne ausgerichtet werden darf. Das ungefilterte Sonnenlicht bringt den Tubus zum erwärmen und kann die optischen Elemente beschädigen.

Sonne durch ein H-alpha-Teleskop
Bild: StephanPsy (Lizenz: GNU-FDL), Birgit Kremer, Marbella, Spanien, hochgeladen und eingestellt im Auftrag von Birgit Kremer von StephanPsy, CC BY-SA 3.0, Wiki commons
Die andere Möglichkeit für die Sonnenbeobachtung ist der Einsatz von Sonnenfolien und Filtern. Diese werden vor das Objektiv gespannt bzw. montiert und verhindern, dass Sonnenstrahlen in den Tubus gelangen. Der Wirkmechanismus eines Sonnenfilters besteht darin, den Großteil der Sonnenstrahlung zu reflektieren und zu absorbieren und nur einen winzig kleinen Teil durchzulassen. Das wird durch die Bedampfung der Folie oder einer Glasplatte mit einer Schicht Metall erreicht. Die Qualitätsunterschiede solcher Folien sind entsprechend breit gefächert.

Um die Sonnenbeobachtung möglichst unkompliziert zu gestalten und die Gefahren auf ein Minimum zu reduzieren, wurden spezielle Sonnenteleskope entwickelt. Bei den Sonnenteleskopen handelt es sich um speziell gerechnete Systeme für die Sonnenbeobachtung. Sie sind aus thermisch wenig empfindlichen Komponenten zusammengebaut und haben einen hochwertigen integrierten Sonnenfilter, in der Regel einen H-alpha-Filter, der die Beobachtung in einer äußerst schmalen Bandbreite erlaubt. Mit solchen Teleskopen ist eine präzise Beobachtung des Granulats der Sonnenoberfläche möglich, mit dramatischen Sonnenaktivitäten wie Eruptionen und Filamenten. Alles bei hohem Kontrast und ohne optische Fehler.

Wo noch vor einigen Jahren solche Systeme unbezahlt waren, werden sie zunehmend für den kleinen Geldbeutel erschwinglich und erobern nach und nach den Astromarkt. Die Einsteiger-Sonnenteleskope sind bereits für unter 2000 Euro zu haben. Wem das noch zu viel ist, kann sich auf dem Markt für gebrauchte Sonnenteleskope umsehen. Hochwertige, durchaus brauchbare Optiken werden nicht selten zum halben Preis und darunter angeboten.

Hersteller der Sonnenteleskope

  • Daystar
  • Coronado
  • Lunt Solar Systems

Siehe auch