Ist Fleischkonsum ungesünder als vegetarische Ernährung?

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Moderne, hektisch gewordene Welt, die anonymisierte Individualisten aus uns formt, zwingt viele von uns zur Suche nach einer Identität. Wo früher Menschen in eine meist religiös geformte Gemeinschaft hineingeboren wurden, prägt uns unser rastloses Dasein eine sehnsuchtserfüllte Suche nach einer Wahrheit, an die wir zu glauben bereit sind, mit der wir uns identifizieren.

Du bist, was du isst!

Aus kaum einer anderen Parole ergießt sich mehr Ideologie als aus diesem Satz. Es reicht heutzutage nicht, schmackhaft und genussvoll zu essen, um satt zu werden. Das Essen muss gesund sein, mehr Angaben darüber enthalten, was es nicht enthält als eigentliche Zutaten, am besten vegetarisch, noch besser vegan und, nicht zu vergessen, Bio und aus der Region sein. Das Essen, was eigentlich Mittel zum Zweck sein sollte, entwickelt sich heute zu einer Weltanschauung, zu einer Ersatzreligion. Am besten fleischfrei, vermeintlich gesund, möglichst grün, möglichst bunt. Millionenfach geklickte Instagram-Fotos sprechen eine klare Sprache. Aber ist grün und vegetarisch unbedingt gesünder als ein saftiges Stück Kalbfleisch?

Fleischfreie Ernährung - Gebot oder Verbot?

Vegane Burger
AilinParsa - Eigenes Werk, CC0, [1]
Blättert man sich durch einschlägige Webseiten und Bücher zum Thema fleischfreie Ernährung durch, stößt einem ein an religiösen Dogmatismus angrenzende ideologische Anschauung bitter auf. Wer sich fleischfrei ernährt, soll nicht nur gesünder leben, sondern auch Volkskrankheiten der Industrienationen wie Diabetes mellitus, koronare Erkrankungen bis hin zum Krebs vorbeugen können. Durch seriöse wissenschaftliche Studien werden diese Aussagen nicht gestützt.

In keiner Studie konnte bisher der Nachweis erbracht werden, dass eine Ernährung, die durch Verzicht auf tierische Produkte beruht, gesünder sei. Vegetarier haben zwar eine statistisch niedrigere Mortalität gemessen an der Gesamtbevölkerung, jedoch konnte in keiner Studie der Nachweis erbracht werden, dass dies auf die Ernährung zurückzuführen ist. Viel eher beruht dieser statistischer Unterschied auf dem sozioökonomischen Status sowie auf einer grundsätzlich gesünderen Lebenseinstellung der Vegetarier und Veganer im Vergleich zum Rest der Bevölkerung. Die Mortalität durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie durch die verbreiteten Krebsarten wie Magenkrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs, Brustkrebs oder Prostatakrebs unterschied sich nicht signifikant zwischen Vegetariern und Nichtvegetariern.[1] Im Gegenteil - der Mangel an Vitamin B12, der in ausreichender Menge nur in Fleischnahrung vorkommt, "kann zu Demenz, neurologischen Schäden, Anämie und anderen Komplikationen führen"[2]. Laut einer in MDPI im November 2014 veröffentlichen Studie haben 90 Prozent der Veganer einen Vitamin-B12-Mangel.[3] Mit 70 bis 90 Prozent sind es in Städten lebende Frauen.

An sich steht es jedem erwachsenen Menschen zu, darüber selbst zu entscheiden, was man essen will und was nicht, was einem schmeckt, wo man sich mäßigt und worauf man verzichtet. Eine Ideologie beginnt aber immer mit dem moralischen Zeigefinger und einer Immunität gegen Argumente und wissenschaftliche Erkenntnisse.

Beispielsweise wiederholen die Anhänger des Vegetarismus wie ein Mantra, der menschliche Darm sei zu kurz für eine Verdauung von Fleisch. Dabei missachten sie die Tatsache, dass die Länge des menschlichen Verdauungstrakts irgendwo in der Mitte zwischen reinen Pflanzenfressern und Fleischfressern liegt.[4] Die menschliche Spezies gehört seit mindestens 1,95[5] Millionen Jahren zu den Omnivoren, den Allesfressern.[6] Unser Verdauungsapparat entspricht ziemlich genau dem der in freier Wildbahn lebenden Primaten, die sich von tierischer und pflanzlicher Nahrung ernähren.

Typisch für ideologische Weltanschauung ist ihre Intention zur Missionierung. So streben die Vegetarier, ihre ideologische Überzeugung mit einem beinahe religiösen Eifer jedem aufzuzwingen. Was halb so schlimm wäre, wenn es nicht eigene Kinder und sogar fleischfressende Haustiere wie Hunde oder Katzen wären[7]. In Italien kam ein Gesetzesentwurf heraus, in dem den Eltern bis zu 6 Jahren Haft bestraft werden sollen, wenn sie ihre Kinder vegan ernähren.[8]

Wieso sich Vegetarier anmaßen, zwischen Lebewesen, die ihre Stoffwechselenergie nicht aus Sonnenlicht beziehen (Tieren) und jenen, die Photosynthese betreiben (Pflanzen) zu unterscheiden und die erste Gruppe für schützenswert erachten, während die andere getötet und gegessen werden darf, darüber zerbricht sich die Ideologie nicht den Kopf. Denn beide Gruppen gehören zu der Domäne der Eukaryoten, der Lebewesen mit Zellkern.

Fleisch gehört zur natürlichen menschlichen Ernährung

Kalbsfilet mit Spargel, Sauce Hollondaise und Briocheknödel
Marco Verch, CC BY 2.0, [2]
Funde von Steinwerkzeugen und Schnittspuren an Tierknochen, die bei Fossilien von rund zwei Millionen Jahre alten Homo habilis gefunden wurden, gelten als gesichertes Indiz, dass die Gattung Homo sich zu der Zeit bereits vom Fleisch großer Wirbeltiere ernährt hat. Das Hirn des Homo habilis hatte im Vergleich zu früher lebendem Australopithecus ein um rund 30 % höheres Volumen. Ein höheres Hirnvolumen kostet jedoch sehr viel Energie. Das Gehirn des modernen Menschen macht 2 bis 3 Prozent der Gesamtmasse aus, verbraucht aber 25 Prozent der Gesamtenergie. Bei Menschenaffen verbraucht das Gehirn lediglich 8 Prozent.[9] Deswegen vertreten viele Anthropologen die Annahme, dass die Fleischnahrung die rasante Entwicklung des Gehirns erst möglich machte.

Bei den heutigen Naturvölkern macht Fleisch im Durchschnitt etwa 20 Prozent des Speiseangebots aus. Keine der bekannten Jäger-und-Sammler-Völker lebt nur vegetarisch. Einige zumeist in sehr unwirtlichen Gegenden lebende Völker wie Inuit (nördlicher Polarkreis), Evenki (Sibirien) und die Massai (Ostafrika) ernähren sich ausschließlich von Fleisch.

Das, was der Mensch isst, ist von der Kultur und regionalen Gegebenheiten abhängig. Wenn das Angebot an Nahrung ausreichend ist, treten keine Ernährungsmangelerscheinungen auf[10]. Allein durch die kulturelle Vielfalt kann es keine einzig richtige Ernährungsform geben.[11]

Quellennachweise

  1. American Society for Clinical Nutrition, Timothy J Key at al., 1999 http://ajcn.nutrition.org/content/70/3/516s.full
  2. Ärzteblatt.de, Vitamin-B12-Mangel: Protonenpumpenhemmer und H2-Blocker als Auslöser
  3. Micronutrient Status in Female University Students: Iron, Zinc, Copper, Selenium, Vitamin B12 and Folate, Flavia Fayet-Moore, Peter Petocz and Samir Samman
  4. Thomas Geissmann, Vergleichende Primatologie, Springer Verlag, 2002, ISBN 3-642-55798-8, S. 310.
  5. PNAS, Early hominin diet included diverse terrestrial and aquatic animals 1.95 Ma in East Turkana, Kenya, David R. Braun at al.
  6. Matthias Schaefer: Wörterbuch der Ökologie. 4. Auflage, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2003. ISBN 3-8274-0167-4, S. 248.
  7. PETA, Fleischfreie Kost für Hund und Katze
  8. Kölner Stadt-Anzeiger
  9. Eine kurze Geschichte der Menschheit, Yyuval Noah Harari, Pantheon, S. 16
  10. Ausnahme ist hier Beriberi, eine Krankheit, die durch den Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) hervorgerufen wird. Sie tritt vermehrt in Asien aufgrund einseitiger Ernährung mit geschältem Reis auf.
  11. Ernährung des Menschen, Wikipedia