Kino im Wandel der Zeit

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Wir leben in aufregenden Zeiten: Computertechnologien und Smartphones, digitale Vernetzung und soziale Medien, satellitenunterstützte Navigation und selbstfahrende Autos. Der Fortschritt ist rasant. Doch vor etwas mehr als 100 Jahren im ausgehenden 19. Jahrhundert waren die bahnbrechenden Erfindungen, die uns heute so selbstverständlich vorkommen, nicht minder aufregend.

Das 19. Jahrhundert hielt die Menschheit in Atem mit Erfindungen des Dampf- und Verbrennungsmotors, der technischen Anwendung der Elektrizität und damit verbundene Erfindungen wie Glühlampe, Telegraph und Elektromotor. Es wurden mehrere Verfahren der Fotografie entwickelt[1] und patentiert sowie die "lebende Fotografie" - das Kino.

Als Vorläufer des Kinos gilt wohl das Daumenkino. Erste Bücher mit abfolgenden Zeichnungen, die eine Bewegung vortäuschten, erschienen um 1600[2], [3]. Das Prinzip, bei dem eine Serie sich veränderbarer Bilder zu einer Bewegung verschmitzt, beruht auf der Trägheit des Auges. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass die Information vom Auge nicht schnell genug über die Nervenbahnen ans Gehirn weitergeleitet werden.

Die Erfindung der Fotografie legte die Grundlagen für die bewegten Bilder. Vor der Erfindung und Patentierung des Kinematographen von den Brüdern Lumière existierte der für eine kurze Zeit von Thomas Edison und seinem Chefingenieur 1893 patentierte Kinetoskop. Auf Jahrmärkten und in speziellen Salons wurde in Kinetoskopen jeweils eine kurze Filmsequenz in Endlosschleife abgespiegelt, die zur selben Zeit von einem Menschen betrachtet werden konnte.

1895 wurde von den Gebrüdern Lumière der erste Kinematograph präsentiert und fand eine rasche Verbreitung. Der große Vorteil des Kinematographen lag darin, dass man den Film auf eine Leinwand projizieren und gleichzeitig einem großen Publikum vorführen konnte. Kinosalons sprießen aus dem Boden. Und parallel dazu auch die Filmindustrie.

Wiedergabe eines Boxkampfes durch einen Kinematographen (1894)

Kino wurde größtenteils nicht als Unterhaltung, sondern als Teil des Kulturangebots neben Theater, Konzert oder Oper gesehen (daher auch der Name "Kino-" oder "Filmtheater"). Nicht selten wurden die ersten Kinos entsprechend aufwendig gestaltet und mit Ausstellungen oder Konzerten kombiniert[4]. Während Konzerte und Oper als Privileg der oberen sozialen Schicht galten, und in geschlossenen Gesellschaften aufgeführt wurden, konnte man einen Kinofilm nahezu überall vorführen - sowohl im Filmsalon als auch in der Dorfscheune. Alles, was dafür nötig war, war ein Kinematograph und eine Leinwand[5]. Auch die erschwinglichen Preise trugen dazu bei, dass Kino bald zum Volksmedium wurde.

Zukunft des Kinos

Eine erste Krise erfuhr das Kino mit der Massenverbreitung der TV-Geräte. Mehrere, insbesondere kleine Filmtheater mussten schließen. In den 1950er und 1960er Jahren wurden in den USA aufgrund flächendeckender Motorisierung Autokinos besonders populär - eine der schönsten und romantischsten Form des Kinos überhaupt.

Nach dem kurzen Rückgang der Kinobesucher stieg die Zahl der Zuschauer allmählich wieder an. So ganz konnte der Fernseher das Kino als Erlebnis nicht ersetzen. Zumal die Ton- und Aufnahmetechnik immer besser wurden. Auch die Erfindung des Farbfernsehens konnte dem Kino keinen Todesstoß versetzen. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene zählt die Filmindustrie zu den Hauptkonsumenten des Leinwandkinos. Ein Kinobesuch ist nicht einfach Filmkonsum, sondern eine Freizeitaktivität mit einer stark betonten sozialen Komponente; ins Kino geht man mindestens zu zweit, oftmals in einer Gruppe. Ein Kinobesuch wird in der Regel mit dem Besuch einer Bar oder eines Cafés kombiniert und regt zu Gesprächen und Diskussionen an. Solange diese Kultur von den jungen Menschen praktiziert wird, wird Kino in absehbarer Zeit nicht aussterben. Auch Netflix, Amazon und Co. werden daran wohl nichts ändern.

Trivia

  • Beim Stummfilm gab es keine verbindliche Richtlinie bezüglich der Geschwindigkeit der Bildfolge. Die Abspielgeschwindigkeit blieb beim Filmvorführer, der die Kurbel manuell drehte. Häufig passte er die Geschwindigkeit der Dramatik des wiedergegebenen Moments an. Erst mit dem Aufkommen der synchronisierten Tonaufnahmen einigte man sich auf eine Bildfrequenz von 24 Hz.
  • Bis zum 1. Weltkrieg dominierten französische Filmgeschäften den weltweiten Filmmarkt. Dass die Vereinigten Staaten die Führungsrolle des Filmgeschäfts übernahmen, sei der Tatsache geschuldet, dass Frankreich vom Krieg ausgezehrt war.
  • Während Hollywood seit einem Jahrhundert den Weltmarkt des Films dominiert, produziert der indische Pendant "Bollywood" zahlenmäßig die meisten Filme der Welt. Allein im Jahr 2010 waren es 1.274[6]. Dagegen wurden in den Vereinigten Staaten "nur" 792 Filme gedreht.

Quellennachweise

  1. Fototaler.de, Geschichte der Fotografie
  2. Pagewizz.com, Wie macht man ein Daumenkino selbst?
  3. Wikipedia, Daumenkino
  4. Wikipedia, Geschichte des Kinos
  5. beamerleinwandtest.com
  6. Emerging Markets and the Digitalization of the Film Industry, (PDF; 1,48 MB), S. 10/11