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Nun ist es soweit: Seit Samstag, den 19. März unterliegen alle 12 Teilnehmerinnen der ersten Versuchsreihe der WISE-Studie einer strengen Bettruhe. Ihr Kopf befindet sich in –6° Tieflage, d. h. leicht unterhalb der Fußhöhe. Eine solche Körperposition führt zu denselben physiologischen Veränderungen wie sie Astronauten unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit erfahren. Mit der WISE-Studie, deren Kürzel für „Internationale Weltraumexplorationssimulation mit Frauen“ steht, soll die Bedeutung der Ernährung in Verbindung mit sportlicher Betätigung als mögliche Maßnahmen gegen die negativen Auswirkungen längerer Bettruhe bewertet werden.
Die ersten Testpersonen kamen am 22. Februar im Rangueil-Krankenhaus in Toulouse an, wo zunächst ihre physiologischen Daten erfaßt wurden, die während der gesamten Studie als Bezugswerte dienen werden. Nach dieser 20 Tage dauernden Vorbereitungsphase begann für die ersten zwei Versuchspersonen die Zeit der strengen Bettruhe. Am 19. März gingen auch die letzten beiden, erst am 27. Februar eingetroffenen Kandidatinnen in die Horizontale.
Insgesamt folgten etwa 1600 Frauen dem Aufruf der ESA, sich bis Januar 2005 als Testperson zu bewerben. Wie geplant wurden für die erste Versuchsreihe 12 Kandidatinnen ausgewählt. Sie stammen aus Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Finnland, den Niederlanden, Polen und Tschechien, was zeigt, daß die Studie auch in den neuen EU-Mitgliedstaaten auf lebhaftes Interesse stieß.
Die WISE-Bettruhestudie ist ein Gemeinschaftsvorhaben der Europäischen Weltraumorganisation ESA, der französischen Raumfahrtagentur CNES, der amerikanischen Weltraumbehörde NASA und der kanadischen Raumfahrtagentur CSA. Mit der Durchführung ist das französische Institut für Weltraummedizin und –physiologie (MEDES) mit der klinischen Forschungseinrichtung im Rangueil-Krankenhaus in Toulouse betraut.
Benötigt werden für die WISE-Studie insgesamt 24 Kandidatinnen, denen 60 Tage lang strenge Bettruhe verordnet wird. Sie werden in drei Gruppen zu acht Frauen aufgeteilt, von denen die erste, der während der 60tägigen Bettruhe keinerlei besondere Behandlung zukommen wird, als Kontrollgruppe fungiert. Die zweite Gruppe wird trotz gleichzeitiger Bettruhe ein Trainingsprogramm absolvieren, während der dritten in derselben Zeit ergänzende Nahrungsmittel verabreicht werden. In den drei Wochen vor der eigentlichen Testphase werden grundlegende Daten zu den Versuchspersonen erfaßt. In den 20 Tagen nach der Bettruhe werden ähnliche Untersuchungen vorgenommen, deren Ergebnisse mit den zu Beginn der Studie ermittelten Daten verglichen werden. Die Studie ist in zwei Versuchsreihen mit je 12 Testpersonen aufgeteilt. Für die zweite Versuchsreihe, deren Beginn im September vorgesehen ist, können noch Bewerbungen eingereicht werden.
Die Auswertung der während der WISE-Studie gesammelten Daten wird neue Erkenntnisse in den Bereichen Blutwerte, Zustand der Muskeln, des Herz-Kreislauf-Systems, Motorik, Veränderungen des Immunsystems, Knochenbildung und psychologisches Wohlbefinden liefern. Vor der Auswahl der Kandidatinnen sind alle Experimentvorgaben von unabhängigen Gutachtern geprüft worden. Auch der französische Ethikausschuß in Toulouse hat den Gesamtentwurf der WISE-Studie genehmigt.
Angesichts der Zukunftspläne der ESA im Bereich der bemannten Weltraumexploration werden die erwarteten Forschungsergebnisse für die Planung langfristiger Missionen von großem Wert sein. Doch auch für die klinische Behandlung auf der Erde sind sie von Bedeutung, da sie unsere Kenntnisse vertiefen und verbesserte Wege für die Genesung bettlägeriger Patienten aufzeigen können. Untersuchungen der ersten Auswirkungen eingeschränkter körperlicher Aktivität auf molekularer Ebene dürften weiteren Nachweis für den Nutzen regelmäßiger körperlicher Betätigung zur Vorbeugung von Beschwerden wie Diabetes Typ 2 und hohem Blutdruck liefern.
Quelle: Pressemitteilung ESA
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