Europäische Zentralbank

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Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die Zentralbank für die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die den Euro als gemeinsame Währung eingeführt haben. Sie ist verantwortlich für die Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet und zählt zu den wichtigsten Institutionen der EU. Die EZB arbeitet unabhängig von nationalen Regierungen und verfolgt das vorrangige Ziel, die Preisstabilität zu sichern.

Aufgaben

Die Hauptaufgabe der EZB ist die Gewährleistung von Preisstabilität, das heißt, die Inflation im Euro-Raum auf einem niedrigen und stabilen Niveau zu halten. Dies wird überwiegend durch die Festlegung der Leitzinsen erreicht, die den Preis beeinflussen, zu dem sich Banken bei der Zentralbank Geld leihen können. Weitere Aufgaben sind die Steuerung der Geldmenge, die Sicherung der Stabilität des Finanzsystems und die Unterstützung der allgemeinen Wirtschaftspolitik der EU, sofern dies mit dem Ziel der Preisstabilität vereinbar ist.

Die EZB überwacht außerdem die Banken im Euro-Raum im Rahmen des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus. Dabei arbeitet sie eng mit den nationalen Aufsichtsbehörden zusammen, um Risiken im Bankensystem frühzeitig zu erkennen und zu begrenzen. Sie verwaltet die offiziellen Währungsreserven der Eurozone und führt Devisengeschäfte durch, um den Wechselkurs des Euro zu beeinflussen.

Organisation

Die EZB ist eine der sieben Institutionen der Europäischen Union und arbeitet eng mit den nationalen Zentralbanken der Euro-Länder zusammen. Gemeinsam bilden sie das Europäische System der Zentralbanken (ESZB). Innerhalb des ESZB gibt es das Eurosystem, das aus der EZB und den Zentralbanken der Euro-Länder besteht.

Die Leitungsorgane der EZB sind der EZB-Rat, das Direktorium und der Erweiterte Rat. Der EZB-Rat ist das wichtigste Entscheidungsgremium und setzt sich aus den Mitgliedern des Direktoriums sowie den Präsidenten der nationalen Zentralbanken der Euro-Länder zusammen. Das Direktorium führt die laufenden Geschäfte und setzt die geldpolitischen Entscheidungen um. Der Erweiterte Rat umfasst neben dem Präsidenten und Vizepräsidenten der EZB die Präsidenten aller nationalen Zentralbanken der EU, auch jener Staaten, die den Euro noch nicht eingeführt haben.

Geschichte

Die EZB wurde am 1. Juni 1998 gegründet und trat die Nachfolge des Europäischen Währungsinstituts an. Ihre Schaffung war ein zentraler Schritt auf dem Weg zur Einführung des Euro, der 1999 zunächst als Buchgeld und 2002 als Bargeld eingeführt wurde. Der Hauptsitz der Bank befindet sich in Frankfurt am Main. Seit ihrer Gründung hat die EZB mehrfach auf wirtschaftliche Krisen reagiert, etwa während der globalen Finanzkrise 2008, der europäischen Staatsschuldenkrise oder der COVID-19-Pandemie. Dabei hat sie neben klassischen Zinssenkungen auch unkonventionelle Maßnahmen wie den großangelegten Ankauf von Anleihen eingesetzt.

Kritik

Die EZB steht regelmäßig im Zentrum öffentlicher und politischer Diskussionen. Kritiker bemängeln, dass ihre expansive Geldpolitik mit niedrigen Zinsen und Anleihekaufprogrammen langfristig Risiken wie steigende Vermögenspreise und mögliche Inflationsgefahren mit sich bringen könne. Befürworter verweisen darauf, dass diese Maßnahmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten notwendig seien, um die Wirtschaft zu stützen und die Preisstabilität zu sichern.

Siehe auch

Weblinks