Metastasen

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(griech. meta – "nach, jenseits" und stasis – "Stillstand, Ort")

Metastasen (auch Tochtergeschwülste genannt) sind Absiedlungen bösartiger Tumorzellen in anderen Organen oder Geweben des Körpers. Sie entstehen, wenn Zellen eines Primärtumors ihre ursprüngliche Umgebung verlassen, in den Blutkreislauf oder das Lymphsystem eindringen und sich an anderer Stelle im Körper ansiedeln. Dort beginnen sie, neue Tumorherde zu bilden. Dieser Vorgang wird als Metastasierung bezeichnet und stellt ein zentrales Merkmal bösartiger (maligner) Tumoren dar. Im Gegensatz zu gutartigen Geschwülsten, die lokal begrenzt bleiben, breiten sich maligne Tumoren über den gesamten Organismus aus.

Entstehung und Verbreitungswege

Der Prozess der Metastasenbildung ist komplex und noch nicht vollständig verstanden. Tumorzellen müssen mehrere Barrieren überwinden: Sie lösen sich aus dem Zellverband, dringen in umliegendes Gewebe ein und gelangen über Blut- oder Lymphgefäße in entfernte Körperregionen. Über die hämatogene Metastasierung (über das Blut) erreichen sie meist Organe mit starker Durchblutung, wie Leber, Lunge, Knochen oder Gehirn. Die lymphogene Metastasierung erfolgt über das Lymphsystem und betrifft häufig die regionalen Lymphknoten. Warum bestimmte Tumorarten bevorzugt in bestimmten Organen Metastasen bilden, ist noch Gegenstand intensiver Forschung. Neben mechanischen und anatomischen Faktoren spielen auch molekulare Wechselwirkungen zwischen Tumorzellen und Zielgewebe eine wichtige Rolle.

Bedeutung für den Krankheitsverlauf

Die Bildung von Metastasen macht eine Krebserkrankung in der Regel lebensbedrohlich. Rund 90 Prozent aller Krebspatienten sterben nicht am ursprünglichen Tumor, sondern an den Folgen der Metastasierung. Tochtergeschwülste können lebenswichtige Organe beeinträchtigen, ihre Funktion einschränken und das Immunsystem schwächen. Die Behandlung metastasierender Tumoren ist deutlich schwieriger als die des Primärtumors, da sich die Krebszellen im gesamten Körper verbreiten und häufig unempfindlich gegenüber Medikamenten werden. In der modernen Medizin kommen kombinierte Therapien aus Chemotherapie, Immuntherapie, Bestrahlung und Operation zum Einsatz, um das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten.

Forschung und Ausblick

Die Erforschung der Metastasierung ist eines der zentralen Themen der modernen Onkologie. Fortschritte in der Molekularbiologie und Genetik ermöglichen heute ein besseres Verständnis der Mechanismen, die Tumorzellen mobil und widerstandsfähig machen. Neue diagnostische Verfahren, etwa die Analyse sogenannter "zirkulierender Tumorzellen" im Blut, sollen in Zukunft helfen, Metastasen frühzeitig zu erkennen. Ziel moderner Therapien ist es, die Wanderung und Ansiedlung von Tumorzellen zu verhindern oder gezielt zu blockieren. Damit könnte langfristig die tödlichste Eigenschaft des Krebses – seine Fähigkeit zur Ausbreitung – wirksam eingeschränkt werden.