Friedhof

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Ein Friedhof (veraltet Gottesacker) ist ein Ort, an dem Verstorbene unter Einhaltung kulturell und religiös festgelegten Riten bestattet werden. Die Erdbestattung gehört zu den häufigsten und verbreitetsten Formen der Bestattung. Ursprünglich grenzten Friedhöfe unmittelbar an Kirchen an. Daher auch die etymologische Bedeutung des Namens, da es sich dabei um einen eingefriedeten Bereich handelte.

Die ältesten Friedhöfe entstanden wohl in der frühen Steinzeit. Man begrub die Toten oder legte den Körper mit Steinen aus, damit keine Aasfresser an die sterblichen Überreste herankamen. So entwickelte sich der Toten- und Bestattungskult. In der vorchristlichen Zeit haben die in Europa ansässigen Germanen, Kelten und Slawen ihre Toten zumeist verbrannt. Deswegen galt die Feuerbestattung im Christentum als heidnisch.

Vorschriften zur Lage eines Friedhofs gab es bereits im römischen Reich. Die Stadt Rom verfügte über ein ausgedehntes Katakombensystem. Privilegierten Bürger ließen sich entlang von Ausfallstraßen begraben. Nach dem Übergang des Altertums in das Frühmittelalter wurden Friedhöfe meist innerhalb der Stadtmauer an Kirchen angelegt. Im Christentum wurden außerhalb der Stadtmauern zumeist schwere Sünder wie Mörder, Vergewaltiger und Selbstmörder begraben. Erst im 19. Jahrhundert setzte sich langsam der Trend durch, Friedhöfe am Stadt- bzw. am Dorfrand anzulegen.

Friedhöfe dienen zur Erhaltung der Erinnerung an vergangene Zeiten und vergangene Menschen. Historische Friedhöfe mit einem Ensemble aus liebenvoll gestalteten Grabsteinen, Mausoleen und Parkanlagen unterliegen oft Denkmalschutz und bilden eine kulturhistorische Sehenswürdigkeit. In jedem Land existieren berühmte sehenswerte Friedhöfe mit interessanten architektonischen Elementen und Gräbern von prominenten Persönlichkeiten.

Liegezeit

Die Liegezeit oder Ruhezeit auf einem Friedhof ist gesetzlich geregelt. Je nach Gemeinde und Bodenbeschaffenheit schwankt sie regional unterschiedlich. Ziel der Bestattung in der heutigen Zeit ist nach einer kompletten Verwesung der Weichteile und den meisten Knochen, Platz für andere Verstorbene zu lassen, sofern die Pachtgebühren nicht erneut entrichtet wurden. Die gesetzliche Ruhezeit beträgt bei Erwachsenen 20 bis 30 Jahre, bei Kindern 10 bis 20 Jahre. Die sterblichen Überreste, meist Oberschenkelknochen und Schädel, werden an einen anonymen Ort umgebettet. Ausgenommen sind jene Grabstellen, die einen Denkmalschutz genießen.

Kuriosa

Die in der heutigen Türkei liegende Siedlung aus der Jungsteinzeit Çatalhöyük weisen mehre Grabstätten auf, die sich innerhalb der Häuser befinden. Die Toten wurden über Generationen hinweg im Haus, in dem sie lebten, bestattet. Manche Häuser enthielten Dutzende Gräber.

Galerie

Bilder von Friedhöfen in verschiedenen Kulturen.

Tschechien

Der Olšany-Friedhof in Prag

Deutschland

Italien

Russland

Kleschtschinskoje kladbischtsche in Nowosibirsk