Geld

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Geld steht stellvertretend für wirtschaftlichen Leistungsnachweis. Es gilt als Wertäquivalent und als Wertaufbewahrungsmittel. Es ist national und international anerkannt und dient als Zahlungsmittel im Warenverkehr. Das nationale Zahlungsformat wird als Währung bezeichnet. Neben wirtschaftlichen Faktoren spielt das Vertrauen der Menschen und der Märkte in die Währung eine wichtige Rolle beim Wert und bei der Stabilität des Zahlungsmittels. „[Geld] ist das universellste und effizienteste System des gegenseitigen Vertrauens, das je erfunden wurde.“[1]

Geschichte

Eurobanknoten

Die Erfindung des Geldes ersetzte die älteste Form des Handelns, den Tauschhandel. Als „Geld“ fungierten anfangs Ersatzgegenstände wie Getreide, Vieh, Muscheln, Kupfer, Bronze, Silber oder Gold - Wertgüter, die zum großen Teil unverderblich waren, in begrenztem Maß vorhanden waren und einen realen Tauschwert besaßen. Entscheidend bei einem als Geld stellvertretend geführten Tauschgegenstand war die begrenzte Menge des Rohstoffs bzw. der Arbeitsaufwand bei seiner Gewinnung.

Als erstes Geld der Welt gilt das Gerstengeld der Sumerer, das vor etwa 5.000 Jahren in Sumer als Zahlungsmittel verwendet wurde. 500 Jahre später verwendete man in Mesopotamien Silberschekel. Keine Münze, sondern ein Gewicht von 8,33 Gramm Silber.

Etwa 2.000 v. Chr. kam in China Muschelgeld in Umlauf. 1.000 v. Chr. verwendete man in Reich der Mitte kleine Messer und Spaten aus Bronze als Geld. Die ersten Münzen sind seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. in Lydien belegt. Im 11. Jahrhundert kam in China Papiergeld auf, zunächst als Ersatz bei Mangel von Münzgeld.

In Europa wurde erstes Papiergeld in Spanien 1483 eingeführt, auch als Ersatz für fehlendes Münzgeld. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts gab es mehrere Versuche in den Niederlanden, England und Deutschland, Papiergeld als Zahlungsmittel einzuführen. Mit mäßigem Erfolg. Etappenweise wurde Papiergeld im Verlauf des 18. Jahrhunderts in Frankreich, Sachsen und Preußen eingeführt. In Deutschland setzten sich Papierbanknoten erst im 19. Jahrhundert durch.

Geldfälschung

Der Staat besitzt das Monopol, Geld zu drucken und in Umlauf zu bringen. Jeder Versuch, dieses System zu umgehen, wird als Geldfälschung angesehen und wird strafrechtlich verfolgt.

Geldfälschung gibt es seit den primitiven Anfängen des Bargelds. Das Falschgeld schwächt die Wirtschaft und somit den Staat. Im Altertum und Mittelalter wurden Geldfälscher entsprechend drakonisch bestraft. In neuerer Geschichte sind zwei Falle bekannt, wodurch die Staatswirtschaft einen spürbaren Schaden durch Falschgeld nahm.

So flog 1925 der portugiesische Geldfälscher Artur Virgílio Alves dos Reis auf, der mit 300 Millionen illegal gedruckten Escudo die Wirtschaft von Portugal beinahe in den Ruin trieb.

Zwischen 1942 und 1945 lief im nationalsozialistischen Deutschland eine staatlich angeordnete Geldfälschungsaktion Operation Bernhard. Ziel der Aktion war, eine Destabilisierung der britischen Wirtschaft durch die Fälschung der Pfundnoten der Bank of England zu erreichen. Mit Unterstützung der inhaftierten Spezialisten in KZ Sachsenhausen sowie der Papierfabrik Hahnemühle in Relliehausen wurden die Geldscheine mit richtigem Algorithmus und der Ausgabezeit so professionell gefälscht, dass sie von echten Banknoten nicht mehr zu unterscheiden waren. Durch die von Adolf Hitler persönlich abgesegnete Aktion konnte der britischen Wirtschaft einen spürbaren Schaden hinzugefügt werden. Die gefälschten Scheine, die nicht einmal durch die eigene Bank zu unterscheiden waren, waren noch Jahre später in Umlauf. Viele NS-Funktionäre haben sich auch durch internationale Geschäfte mit den gefälschten Pfund-Scheinen persönlich bereichert.

Mit dem technischen Fortschritt steigen die Möglichkeiten, Geld zu fälschen. Bereits der Versuch, Banknoten nachzumachen, die man absichtlich oder unabsichtlich in Umlauf bringen kann, ist strafbar. Viele Bildbearbeitungsprogramme, Scanner und Kopierer sind mit automatischer Erkennung gängiger Banknoten ausgestattet und führen den Druck- oder Scanauftrag gar nicht erst durch. Umgangssprachlich werden gefälschte Banknoten als Blüten bezeichnet.

Psychologie

Das Geld ist eine Ressource und ein Symbol. Es wird mit Macht assoziiert, was psychologisch eine wichtige Konstante darstellt. Außerdem vermittelt Geld Sicherheit. Das erklärt, warum es eine so große Rolle bei vielen Menschen einnimmt. Die Einstellung zum Geld ist kulturell geprägt. Wir leben gegenwärtig in einer Zeit eines Kults des Erfolgs. Da wir unsere Leistung in Äquivalent mit Geld setzen, ist unser Gerechtigkeitssinn extrem empfindlich, wenn wir uns übervorteilt oder betrogen fühlen. Das ist der Grund, warum Geld Streitthema Nummer eins in Freundschaften und Partnerschaften ist. Neid und Selbstwertgefühl sind emotional stark mit Geld verknüpft.

Das Geld hängt direkt mit der Selbsteinschätzung zusammen. Menschen mit einem niedrigen Selbstwertgefühl setzen sich selbst Grenzen, geleitet von der Vorstellung, dass sie gewissen Sachen nicht Wert seien. Oder sie kompensieren umgekehrt ihr Selbstwertgefühl, indem sie einen verschwenderischen Lebensstil führen. Auch neigen Menschen mit geringem Selbstwertgefühl zum übermäßigen Sparen. Denn das Wissen um das Ersparte verleiht ihnen ein Gefühl der Sicherheit. Je größer das Gefühl der Ohnmacht, desto mehr wird so ein Mensch sparen und sein Selbstwertgefühl mit der ersparten Summe kompensieren. Dieses Verhalten ändert sich auch im Alter nicht, sondern wird mit schwindenden Jahren und Kräften sogar noch verstärkt. Bei in finanziell benachteiligten Verhältnissen aufgewachsenen Menschen nimmt das Geld oft eine zentrale Stelle im Leben ein.

Geld in der Partnerschaft

Das Thema Geld in der Beziehung ist ein sehr häufiger Streitpunkt. Es gibt mehrere Modelle, wie die Finanzen innerhalb der Partnerschaft verwaltet werden. Sie alle hängen von kulturellen Aspekten und persönlichen Präferenzen ab. Das Thema Geld wird in vielen Beziehungen tabuisiert, denn bei vielen sind Finanzen und der Umgang damit ein Nährboden für Konflikte. Bei stark unterschiedlichen Gehältern, Arbeitslosigkeit und gegensätzlichen Vorstellungen für Ausgaben und Sparsamkeit können Spannungen auftreten, die eine Beziehung stark belasten können. Beim Umfang mit Finanzen und einem Beitrag in die gemeinsame Kasse gibt es kein Richtig oder Falsch. Es müssen individuelle Absprachen oder Kompromisslösungen getroffen werden, die für beide Parteien zufriedenstellend sind. Das Ziel sollte sein, dass sich niemand übervorteilt fühlt. Man sollte sich immer bewusst sein: Geld ist ein Machtinstrument. Auch in einer Beziehung.

Verhaltensforschung

Das Geld ist vielleicht eine Erfindung des Menschen, aber auch Tiere begreifen die Bedeutung des Geldes schnell. Wissenschaftler gaben Kapuzineraffen Metalldichtungsringe, die bei ihnen Funktion des Geldes einnehmen sollten. Die Metalldichtungsringe konnten sie gegen Essen eintauschen. Im zweiten Schritt gab es Dichtungsringe in verschiedenen Größen, für die es unterschiedliche Belohnungen gab. Die Äffchen begriffen schnell, dass sie größere Dichtungsringe gegen besondere Leckerbissen eintauschen konnten. Einige Versuchstiere lernten auch, nicht gleich das ganze "Geld" gegen Essen einzutauschen, sondern nach Bedarf für Futter zu sorgen. Ein Männchen bot sogar einem Weibchen Geld für Sex an. Den Geldwert verinnerlichten die Affen so schnell, dass sie jede Zusammenarbeit verweigerten, wenn sie sahen, wenn ein Artgenosse für das gleiche Geld leckere Trauben bekam, während man selbst mit Gurkenstückchen abgespeist wurde.[2]

Geld und Glück

Viele, um nicht zu sagen, die meisten Menschen, setzen Geld und Glück gleich. Geld schaffe die Voraussetzung für Glück. Viele Menschen richten ihr ganzes Leben darauf aus, indem sie dem Geld nachlaufen, während das eigentliche Leben und auch das Glück an ihnen vorbeiziehen.

Jedoch hängt mit dem Geld die Lebensqualität zusammen. Wer sehr wenig Geld hat, kann sich oftmals keinen Kino- oder Theaterbesuch leisten, keinen Ausflug mit den Kindern machen oder keine Urlaubsreise. Geld macht all diese Dinge möglich. Ja, die Höhe des Einkommens beeinflusst positiv die Zufriedenheit und das Glücksempfinden. Aber nur bis zu einem bestimmten Grad.

Die Glücksempfindung hängt auch mit unseren Grundbedürfnissen zusammen (siehe Maslowsche Bedürfnispyramide). Wenn unsere Grundbedürfnisse nach Nahrung, Sicherheit und gewisser finanzieller Freiheit nicht erfüllt sind, kann von Glück keine Rede sein. Diesen Zusammenhang zeigt deutlich der Human Development Index, ein Länderindex für Lebensstandard, Wohlbefinden und Glück. In dieser Liste rangieren Länder mit hoher Wirtschaftskraft ganz oben, während Schwellenländer das Mittelfeld besetzen und die Länder der Dritten Welt sich die letzten Plätze teilen.

Viele Untersuchungen zeigen, dass sich das Glücksempfinden nicht proportional zum Einkommen verhält. Diese Hypothese stellte 1974 der US-amerikanische Ökonom Richard Easterlin auf. Dem Easterlin-Paradox zufolge steige das Glücksempfinden nach dem Erreichen einer gewisser Einkommensstufe, an der Menschen in ihren Bedürfnissen gestillt sind, nicht merklich an. Wieder spielt hier die Maslowsche Theorie eine Rolle. Nachdem die Grundbedürfnisse gesättigt sind, kann das Streben der Menschen nach der nächsten Stufe sie sogar noch unglücklicher machen. Während viele Aktienhändler zur Zeit der Großen Depression aus dem Fenster ihrer Büros in den Wolkenkratzern an der Wall Street kletterten, weil sie einen Großteil ihres Vermögens verloren, begingen noch ihre Großväter im Wilden Westen Verbrechen, um lediglich einen Teil des gebliebenen Vermögens ihrer von Suizidgedanken geleiteten Enkel zu besitzen. Geld, Reichtum und Machtassoziationen richten sich nach dem Umfeld in der jeweiligen Zeit, in der man lebt.

Lottogewinner empfinden in den ersten Tagen, Wochen, Monaten unbeschreibliches Glück. Der euphorische Zustand ist vergleichbar mit Drogen- oder Liebesrausch. Doch auch wenn man mit dem Geld sinnvoll umging und es nicht innerhalb kurzer Zeit nach links und rechts verprasste, lässt das Glücksempfinden nach einer gewissen Zeit nach. Schuld daran ist die sogenannte hedonistische Adaption. Diese Eigenschaft der menschlichen Psyche, so die Theorie, übt eine Tendenz aus, uns auf ein Grundniveau unseres Gemütszustands zu drücken. Wir tendieren dazu, gegen andauernde negative als auch gegen positive Eindrücke unempfindlich zu werden. Wahrscheinlich ist es eine Schutzreaktion unserer Psyche auf veränderte Lebensbedingungen. Der Mensch, so der Volksmund, ist ein Gewohnheitstier.

Geld macht also nicht glücklich, aber es macht uns zufriedener, es verschafft uns Möglichkeiten und Potentiale, unsere Ideen und Wünsche zu verwirklichen. Während man dem Geld nachläuft, sollte man das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Das Ziel der Selbstverwirklichung und der Potentiale, die uns das Geld ermöglicht. Geld ist nicht gleich Glück, aber es ist ein netter Bonus. Lieber reich und schön als arm und krank.

Wer noch nicht überzeugt ist, dass das Geld nicht direkt glücklich macht, sollte sich fragen, welche Zeit im Leben die Glücklichste war. Die Mehrheit würden sagen, Kindheit oder Jugend. Zumindest aus der Retrospektive. Alles Lebensphasen, die nicht unbedingt von Reichtum gekennzeichnet sind. Für welches Geld der Welt kann man die kindliche Geborgenheit in der Nähe der Mutter oder die Leidenschaft und Zärtlichkeit der ersten Liebe kaufen?

Folklore und Aphorismen

Das Geld stellt eine wichtige Komponente im Leben der Menschen dar. So fand das Thema Einzug in viele Lieder, Sprichwörter und Aphorismen:

"Taler, Taler, du musst wandern."
Kinderlied
“Geld spricht alle Sprachen.“
Deutsches Sprichwort
“Im Glanz des Geldes scheint selbst ein Dummkopf klug.“
Japanisches Sprichwort
“Geld ist schlecht, wenn andere es haben.“
Mark Twain
"Während ein armer Mensch versucht, seine Zeit zu verkaufen, fehlt einem wohlhabenden Menschen die Zeit, das zu tun, was er am liebsten möchte."
Unbekannt
"Alles was die Sozialisten vom Geld verstehen, ist die Tatsache, dass sie es von anderen haben wollen." 
Konrad Adenauer
"Das Geld ist ein vorzügliches Mittel, um die Armut zu ertragen." 
Alphonse Allais
"Geld haben ist schön, solange man nicht die Freude an Dingen verloren hat, die man nicht mit Geld kaufen kann." 
Salvador Dali
"Das Geld, das man besitzt, ist das Mittel zur Freiheit, dasjenige, dem man nachjagt, das Mittel zur Knechtschaft." 
Jean-Jacques Rousseau

Quellennachweise