Neid

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Neid ist eine starke, negative Emotion, die mit einem Gefühl der Ungerechtigkeit verbunden ist. Der Neid nimmt seinen Anfang meist in der frühen Entwicklungsphase des Menschen in der Familie. Meist beginnt es damit, wenn Eltern das Kind mit anderen vergleichen, um ihm so einen vermeintlichen erzieherischen Stimulus zu geben. Beim Kind formiert sich dadurch ein geringes Selbstwertgefühl, weil andere in Augen der Eltern immer besser seien. Auch kann das Kind sich unbewusst die Einstellung eigener neidischer Eltern zur Welt einverleiben, in der andere immer zu Unrecht privilegierter sind, während man selbst aufgrund äußerer Umstände benachteiligt ist, obwohl man es eigentlich mindestens genauso gut kann.

Tisch mit Szenen zu den sieben Todsünden: Neid
Hieronymus Bosch (ca. 1475-1480)

Neid ist ein Gefühl, dessen die Leute sich schämen. Man spricht nicht darüber. Mehr noch, das Gefühl wird weitestgehend verdrängt. Denn Neid ist eine Form der sozialen Eifersucht. Aber zu erkennen und zuzugeben, dass man neidisch ist, kann hilfreich sein, das Negative und das Destruktive aus diesem Gefühl in positive Bahnen leiten zu lassen. Dann wäre es zum Beispiel möglich, Neid als Antrieb zur Veränderung zu nutzen, anstatt sich von diesem Gefühl überwältigen zu lassen. Wissenschaftler vom National Institute of Radiological Sciences in Japan veröffentlichten in „Science" eine Studie, wonach bei Probanden beim Empfinden von Neid die gleichen Gehirnregionen aktiv waren wie beim Empfinden von Schmerz.

Neid löst Schmerz aus, schafft Frustration und Unzufriedenheit. Neidische Menschen sind stets unzufrieden mit sich selbst und mit ihrem Leben. Neid ist Aggression, die nicht nur gegen sich selbst gerichtet wird. Der zu Beneidende bekommt die Negativität dieser Gefühle meist auch zu spüren. Die Missgunst der Neider soll ihn auch verletzen.

Neid entsteht immer aus dem Vergleich der eigenen Person mit dem Erfolg anderer. Wenn man stets Vergleiche mit anderen zieht, wird man immer auf der Verliererseite bleiben. Es wird immer einen geben, der etwas besser kann, der klüger, schneller oder schöner ist. Erfolge sollte man nur an der eigenen Person messen, wie man sich selbst zwischen zwei Zeitabschnitten entwickelt hat.

Ein neidischer Mensch misst sich meist nur an seiner unmittelbaren Umgebung: an Arbeitskollegen, an Nachbarn, Freunden oder an Familienangehörigen. Bereits Aristoteles beschäftigte sich mit der Natur dieser negativen Emotion und beschrieb sie treffend in zweiten Teil seiner Rhetorik: "Klar ist auch, wen man beneidet: [...] diejenigen nämlich, die bezüglich Zeit, Ort, Alter und Reputation in einem Nahverhältnis stehen. [Daher sagt man auch: „Denn die Verwandtschaft versteht sich auf Neid.]"[1]

Neid in der Familie

Neid gilt im Christentum als eine der sieben Todsünden. Nicht von ungefähr, denn der erste biblische Mord - ein Brudermord - ging aus einem Neidgefühl hervor. Kain tötete seinen jüngeren Bruder Abel aus Neid, weil Gott dessen Opfergaben vorzog.

Innerhalb der Familie nimmt Neid die hässlichsten und zerstörerischsten Züge an. Welche Erkenntnis kann nicht trauriger sein als die, wenn nicht nur entfernte Verwandte sich gegenseitig beneiden, sondern Geschwister und sogar Eltern und Kinder. Die zentrale Rolle nimmt hier besonders Mutter-Tochter-Beziehung ein, die einen Nährboden für Neid seitens der Mutter entstehen lassen kann. Dieses Verhältnis wird oft in Volksmärchen thematisiert, wo die Rolle der Mutter meist Stiefmutter oder eine böse Königin einnimmt. Besonders junge Mütter mit einer ungewollten Schwangerschaft sind für Neidgefühle der eigenen Tochter gegenüber anfällig. Da der Altersunterschied zwischen Mutter und Kind nicht groß ist, erscheint die Tochter ab der Pubertät weniger als Kind, sondern mehr als Freundin. Eine Freundin, die jünger und hübscher ist. Wenn das eigene Kind als junge Erwachsene mehr Glück und Erfolg als die Mutter hat, wird die Verantwortung für das eigene empfundene Unglück, für die „verlorenen“ Lebensjahre unbewusst auf die eigene Tochter projiziert.

Obwohl Menschen um die destruktive Wirkung von Neid wissen, stecken sie viel Kraft und Energie darin, selbst bei anderen Ned zu erregen. Dieser Handlung liegt ein Minderwertigkeitsgefühl zugrunde. Wenn ein Mensch bei anderen Neid provozieren will, beispielsweise durch den Kauf einer teurer Automarke, versucht er, sich mit seinem, oftmals über seine Verhältnisse erworbenen Statussymbol über andere zu erheben, sich selbst zu bestätigen und anderen Schmerzen zuzufügen.

Die treibende Kraft dahinter ist die Suche nach Anerkennung und eigens durchleben Neidgefühle. Man möchte damit erreichen, dass Menschen aus dem nächsten Umfeld zu einem anerkennend aufschauen. Stattdessen erntet man Missgunst und Hass. Man könnte diesen Teufelskreis auf einen Satz reduzieren: Wir kaufen Sachen, die wir nicht brauchen für Geld, das wir nicht haben, um Menschen zu beeindrucken, die wir nicht mögen.

Ein neidischer Mensch ist sich seiner Gefühle selbst meist nicht bewußt. Er hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitsinn und ist überzeugt, für das Recht zu kämpfen. Ein Neider fällt allen auf, während er sich selbst seiner wahren Gefühle nicht bewußt ist.

Ein neidischer Mensch kann andere nicht nur um materielle oder finanzielle Dinge beneiden und auch nicht um äußere Merkmale oder sonstige physische Vorzüge. Oftmals werden Menschen beneidet, weil sie selbst frei von Neid sind. So wird der Neid nicht gegen die materiellen oder sozialen Errungenschaften gerichtet, sondern gegen die Person selbst.

Neid hängt nicht nur vom sozialen Umfeld ab, sondern ist auch kulturell bedingt.[2] Während man früher einige Familien für ihr Kinderreichtum beneidet hat, hat sich heute eine große Kinderzahl sozial ins Gegenteil verkehrt. Gesellschaften mit jahrhundertlanger Existenz in Knechtschaft haben ein anderes Verhältnis zu materiellen Werten als Gesellschaften, die seit Dutzenden Generationen in humanistischer Weltordnung leben.[3]

Neid bildet die Grundlage für Eifersucht. Auch Laster wie Geiz und Angeberei beruhen auf Neid.

Quellennachweise