Newoswratschenzy

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(russ. Невозвращенцы "nicht Rückkehrer")

Newoswratschenzy war ein politischer Begriff in der Sowjetunion für Flüchtlinge, die von einer Auslandsreise nicht zurückkehrten. In der Regel handelte es sich bei den Newoswratschenzy um prominente Personen. Ein Durchschnitts-Sowjetbürger hatte praktisch keine Chance, ins westliche Ausland zu reisen. Dies wurde teilweise in der 1970er/1980er Jahren für Verwandtenbesuche für meist in Israel und Westdeutschland lebenden Emigranten gelockert. Allerdings durften Besucher aus der UdSSR nicht mit der Familie, sondern nur allein die Landesgrenze verlassen. Die Gefahr, dass die komplette Familie oder ein kinderloses Paar sich absetzen würden, wäre sonst groß gewesen. Während des Aufenthalts im Ausland mussten die Sowjetbürger ihren Pass dem Reisebegleiter aushändigen. Man wurde bespitzelt und auf Schritt und Tritt verfolgt. Eine Auslandsreise durften nur gesetzestreue Bürger mit lupenreiner Weste machen. Selbst Verwandte mit zweifelhaften Biografien oder krimineller Vergangenheit waren ein Grund für Reisesperre. Sowjetbürger jüdischer Abstammung gehörten ebenfalls dazu.

Trotz der verschärften Sicherheitsmaßnahmen blieben viele Vertreter der Prominenz wie Sportler, Schauspieler oder Wissenschaftler bei einer Dienstreise im Ausland, indem sie um politisches Asyl baten. Man nannte sie in der Heimat Newoswratschenzy ("nicht Zurückgekehrten"). Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges und dem Kampf der Weltanschauungen gewährten die westlichen Behörden dieses Asyl nur zu gerne. Die Sowjetprominenz war willkommener Anlass für propagandistische Zwecke zum einen, und zum anderen profitierte der Westen vom Brain Drain der sowjetischen Elite.

In der Heimat wurden den Newoswratschenzy alle Titel und Ehrungen aberkannt. In aller Regel wurde ihr Name mit damnatio memoriae belegt, Karrieremöglichkeiten der engsten Verwandten drastisch eingeschränkt. Besonders schwere Fälle wurden als Verräter und Staatsfeinde abgestempelt. Viele wurden in Abwesenheit zu einer mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Unter Jeltzin und Putin wurden die meisten Newoswratschenzy rehabilitiert. Diejenigen, die Staats- und Militärgeheimnisse verrieten, werden auch heute noch als Landesverräter betitelt.

Zu Stalins Zeiten waren die Repressalien für Landesflüchtlinge um ein Vielfaches härter. Die Geflüchteten selbst wurden in Abwesenheit wegen Landesverrats verurteilt. Oftmals zum Tode. Ihr Besitz wurde konfisziert und die Angehörige bestenfalls nach Sibirien oder nach Kasachstan umgesiedelt. Nicht selten wurden auch sie verurteilt und mussten eine Freiheitsstrafe in einem Arbeitslager absitzen.