Passive Aggressivität

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Häuslicher Streit, Pietro Saltini

Die passive Aggressivität entsteht, wenn ein Mensch einen aktiven Gefühlsausbruch aus Angst, Scham oder Unfähigkeit nicht ausleben kann oder darf. Die Hauptmerkmale der passiven Aggresivität sind emotionale Abkapselung, Gefühlskälte und Anschweigen. Nach außen wird die Wut in Form von zugeknallten Türen sowie anderen polternden Geräuschen oder Bewegungen getragen.

Ursachen

Die Präferenzen für die Entwicklung der passiven Aggressivität bilden sich in der Kindheit. Wenn Eltern es dem Kind verbieten, seine Aggressionen aktiv und offen auszuleben, lernt es, sie versteckt auszutragen. Denn es wurde ihm beigebracht, dass Konfliktsituationen mit ausgetragener Aggression schlecht seien. Aber die Aggression löst sich nicht in der Luft auf, nur weil sie nicht gezeigt wird. Deswegen entwickeln Kinder Strategien, sie anders zu verpacken, ihre Wut zu kaschieren. So lernen die Kinder, gegenüber anderen passiv-aggressiv aufzutreten.

Die passive Aggressivität äußert sich wie folgt:

  1. Unterdrückung der Wut.
  2. Passiv-aggressive Menschen haben es oftmals schwer, nein zu sagen. Denn ein nein ist ein Akt einer direkten Aggression. Sie willigen oft gegen ihren Willen ein, was ihre angestauten Aggressionen noch weiterwachsen lässt.
  3. Unfähigkeit oder Unwille, über eigene Empfindungen zu sprechen. Auf ein "Wie geht es dir?" antworten passiv-aggressive Menschen meist einsilbig mit "gut". Auch wenn offensichtlich ist, dass der Mensch mit irgendwas belastet ist, lässt er niemanden an sich heran. Auf Nachfrage würde er höchstens sagen: "Nein, nein. Es ist alles in Ordnung." Die Gefühle zu offenbaren oder auszusprechen, fällt es den Betroffenen sehr schwer.
  4. Ignorieren der zu bestrafenden Person, sich anschweigen. Dieses Verhalten ist sehr typisch für die passive Aggressivität. Der Aggressor kann mit banalem Anschweigen einen sehr großen Schaden bei einer anderen Person anrichten. Über einen sehr langen Zeitraum verliert der passive Aggressor kein Wort und reagiert auch nicht emotional. Es entsteht eine emotionale Blockade. Sie kann Tage oder gar Wochen andauern. Nach außen wird die Aggression nicht gezeigt und auch nicht ausgetragen. Dennoch erleidet der andere Mensch einen emotionalen Schmerz. Das ist auch das Ziel des Aggressors. Häufig ausgetragener „Kalter Krieg“ zwischen zwei Menschen kann die Beziehung nachhaltig stören. Das ist ein sehr rücksichtsloses Verhalten gegenüber dem anderen. Darüber hinaus stellt der Aggressor den anderen vor die Aufgabe, klären zu müssen, welche Umstände zu dieser Reaktion geführt haben. Die Schuldfrage verlagert sich zu Ungunsten der Person, die bereits ohnehin einer lang andauernden emotionalen Kälte ausgesetzt wurde.
  5. Provokation. Manche passiv-aggressive Menschen provozieren einen Wutausbruch bei anderen. Wenn der Provozierte schließlich einen Streit vom Zaun bricht, wird die eigene Verantwortung auf ihn übertragen. Für den passiven Aggressor ist es sehr wichtig, die Reaktion der anderen Partei zu sehen. Wenn die Provokation nach langem Anschweigen Wirkung zeigt, kann der passive Aggressor mit allem Grund behaupten, dass der eigentliche Aggressor derjenige sei, der offen Wut gezeigt hatte. Meistens wird das eigene Verhalten von passivem Aggressor nicht bewusst wahrgenommen.

Passiv-aggressive Menschen neigen dazu, Dinge zu überinterpretieren. Sie sind misstrauisch gegenüber anderen und hegen schnell Verdacht, jemand wolle ihnen etwas Schlechtes antun. Sie fühlen sich schnell angegriffen, missverstanden und in die Defensive gedrängt. Die in ihren Augen unangemessene Reaktion der Mitmenschen verstärkt umso mehr ihre narzisstische Kränkung. Ein passiv-aggressiver Mensch ist oft mürrisch und unzufrieden mit seiner Umwelt. Er hat an allem etwas auszusetzen. Er ist von Neid und negativen Gefühlen durchsetzt.

Passiv-aggressive Menschen handeln unreif und infantil. Das eigene Verhalten wird meistens nicht hinterfragt und reflektiert. Die Verantwortung für die Lösung des Konflikts wird auf andere Menschen übertragen. Typisch sind noch folgende Merkmale:

  • Kleinere, unauffällige Sabotagen und Gemeinheiten. So, dass es keiner sieht.
  • Dem anderen psychische Schmerzen bereiten, ohne dass man dafür objektive Beweise hat.
  • Lästern, hinter dem Rücken reden, bewusstes Verbreiten von Gerüchten.
  • Ignorieren von Bitten und Vorschlägen
  • Sarkasmus
  • Vorenthalten wichtiger Informationen
  • Verweigern des Körperkontakts in der Partnerschaft
  • Starrsinn, Engstirnigkeit. Diese Attribute werden als „Leben nach Prinzipen“ verpackt.

Der wichtigste Aspekt, der hinter passiver Aggressivität steckt, ist Manipulation. Über die Ausübung der passiven Aggression kann man jemanden terrorisieren und dabei die weiße Weste behalten.

"Ich möchte, dass du etwas anderes machst oder dich anders benimmst. Andernfalls hast du wieder mit der gleichen Reaktion zu rechnen. Mach dir Gedanken, warum ich mich schlecht fühle und lauf mir nach. Ich bestimme die Regeln."

Warum Menschen eine solche Position einnehmen und solche Form der Aggression entwickeln

  • Unfähigkeit der Konfliktbewältigung.
  • Unfähigkeit, Gefühle und Wünsche konstruktiv zu vorzutragen.
  • Unfähigkeit, eine Bitte zu äußern.

Ein passiv-aggressiver Mensch schweigt und gibt seiner unmittelbaren Umgebung zu verstehen: „Ich bin beleidigt. Du bist der Böse, ich bin der Gute.“ In dieser Position erwartet der gekränkte, dass man um Verzeihung bettelt. Ein solcher Mensch ist nicht in der Lage, seine Wut offen zu zeigen. Oder er hat Angst davor. Er kann nicht aktiv mit Menschen kommunizieren, schon gar nicht auf einer Konfliktebene. Deswegen wird seine Wut versteckt geäußert, so dass es keiner merkt. Immer so, um nicht sofort einen offenen Konflikt auszutragen.

Wenn die passive Aggressivität gegen einen Menschen gerichtet wird, entzieht sich der Aggressor der Verantwortung. Er spielt den Ball seinem Streitpartner zu und überträgt die Verantwortung für den Streit auf ihn. Er muss jetzt die Konfliktsituation aktiv lösen. Derjenige, der den Streit provoziert hat, ist in der Perspektive des Saubermanns.