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| KURZBESCHREIBUNG  = italienischer religiöser Reformprediger und Anführer der Apostelbrüder
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'''Fra Dolcino''' war ein italienischer religiöser Reformprediger und Anführer der [[Apostelbrüder]], einer als [[Liste der Häresien im Christentum|häretisch eingestuften Bewegung]], die im späten [[13. Jahrhundert|13.]] und frühen [[14. Jahrhundert]] in Norditalien aktiv war. Er trat für Armut, Gleichheit und eine Rückkehr zum ursprünglichen [[Christentum]] ein und stand in scharfem Gegensatz zur Amtskirche.
'''Fra Dolcino''' (* um 1250 in [[Novara]]; † 1307 in [[Vercelli]]) war ein italienischer religiöser Reformprediger und Anführer der [[Apostelbrüder]], einer als häretisch eingestuften Bewegung, die im späten 13. und frühen 14. Jahrhundert in Norditalien aktiv war. Er trat für Armut, Gleichheit und eine Rückkehr zum ursprünglichen Christentum ein und stand in scharfem Gegensatz zur Amtskirche.


== Leben ==
== Leben ==
Über Dolcinos Herkunft ist wenig bekannt. Nach mittelalterlichen Quellen soll er aus einfachen Verhältnissen stammen und zunächst dem Franziskanerorden nahegestanden haben. Später schloss er sich den Apostelbrüdern an, einer von [[Gerard Segarelli]] gegründeten Bewegung, die das Ideal der apostolischen Armut und Buße predigte. Nach der Hinrichtung Segarellis im Jahr 1300 übernahm Dolcino die Führung der Bewegung.  
Über Dolcinos Herkunft ist wenig bekannt. Nach mittelalterlichen Quellen soll er aus einfachen Verhältnissen stammen und zunächst dem Franziskanerorden nahegestanden haben. Später schloss er sich den Apostelbrüdern an, einer von [[Gerard Segarelli]] gegründeten Bewegung, die das Ideal der apostolischen Armut und Buße predigte. Nach der Hinrichtung Segarellis im Jahr [[1300]] übernahm Dolcino die Führung der Bewegung.  


Dolcino und seine Anhänger – bekannt als „Dolcinianer“ – zogen sich in die Gebirge des Piemont zurück, wo sie versuchten, eine gemeinschaftliche Lebensform nach evangelischen Grundsätzen zu verwirklichen. Sie lehnten die Macht und den Reichtum der Kirche ab und sahen in der bestehenden kirchlichen Ordnung ein Zeichen des Verfalls. Die Kirche reagierte mit Härte: Papst Clemens V. verurteilte Dolcino und seine Gefährten als Ketzer, woraufhin militärische Truppen gegen sie entsandt wurden.
Dolcino und seine Anhänger – bekannt als "Dolcinianer" – zogen sich in die Gebirge des Piemont zurück, wo sie versuchten, eine gemeinschaftliche Lebensform nach evangelischen Grundsätzen zu verwirklichen. Sie lehnten die Macht und den Reichtum der Kirche ab und sahen in der bestehenden kirchlichen Ordnung ein Zeichen des Verfalls. Die Kirche reagierte mit Härte: Papst [[Clemens V.]] verurteilte Dolcino und seine Gefährten als [[Ketzer]], woraufhin militärische Truppen gegen sie entsandt wurden.


== Untergang der Bewegung ==
== Untergang der Bewegung ==
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== Rezeption ==
== Rezeption ==
Die Gestalt Dolcinos fand in der späteren Geschichtsschreibung und Literatur wiederholt Beachtung. Besonders in der Neuzeit wurde er mitunter als Symbol des Widerstands gegen Unterdrückung und geistliche Macht interpretiert. In der sowjetischen Literatur erschien 1965 der historische Jugendroman ''Дольчино'' (''Dolcino'') von S. N. Židkov, der den Prediger als idealistischen Kämpfer gegen soziale Ungerechtigkeit darstellt – eine Deutung, die dem damaligen ideologischen Geschichtsverständnis entsprach.
Die Gestalt Dolcinos fand in der späteren Geschichtsschreibung und Literatur wiederholt Beachtung. Besonders in der Neuzeit wurde er mitunter als Symbol des Widerstands gegen Unterdrückung und geistliche Macht interpretiert. In der [[Sowjetunion|sowjetischen]] Literatur erschien 1965 der historische Jugendroman ''Дольчино'' (''Dolcino'') von S. N. Židkov, der den Prediger als idealistischen Kämpfer gegen soziale Ungerechtigkeit darstellt – eine Deutung, die dem damaligen ideologischen Geschichtsverständnis entsprach.


== Literatur ==
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* S. N. Židkov: ''Дольчино'' (Dolcino). Moskau 1965.   
* S. N. Židkov: ''Дольчино'' (Dolcino). Moskau 1965.   
* Marina Benedetti: ''Fra Dolcino e gli Apostolici.'' Milano 2014.
* Marina Benedetti: ''Fra Dolcino e gli Apostolici.'' Milano 2014.
[[Kategorie:Italiener]]

Aktuelle Version vom 21. Oktober 2025, 12:59 Uhr

Fra Dolcino
Alternativnamen Dulcinus de Novaria, Dolcino da Novara
Kurzbeschreibung italienischer religiöser Reformprediger und Anführer der Apostelbrüder
Geburtsdatum 1250
Alter
   57 Jahre
Geburtsort Novara, Piemont
Sterbedatum 1307
Sterbeort Vercelli, Piemont
Staatsangehörigkeit Königreich Italien (Heiliges Römisches Reich)
Tätigkeitsfeld religiöse Reformbewegung
Bekannt für Leitung der Bewegung der Apostelbrüder, Widerstand gegen kirchliche Autorität
Aktiv seit um 1300–1307
Werke (Auswahl)


Fra Dolcino war ein italienischer religiöser Reformprediger und Anführer der Apostelbrüder, einer als häretisch eingestuften Bewegung, die im späten 13. und frühen 14. Jahrhundert in Norditalien aktiv war. Er trat für Armut, Gleichheit und eine Rückkehr zum ursprünglichen Christentum ein und stand in scharfem Gegensatz zur Amtskirche.

Leben

Über Dolcinos Herkunft ist wenig bekannt. Nach mittelalterlichen Quellen soll er aus einfachen Verhältnissen stammen und zunächst dem Franziskanerorden nahegestanden haben. Später schloss er sich den Apostelbrüdern an, einer von Gerard Segarelli gegründeten Bewegung, die das Ideal der apostolischen Armut und Buße predigte. Nach der Hinrichtung Segarellis im Jahr 1300 übernahm Dolcino die Führung der Bewegung.

Dolcino und seine Anhänger – bekannt als "Dolcinianer" – zogen sich in die Gebirge des Piemont zurück, wo sie versuchten, eine gemeinschaftliche Lebensform nach evangelischen Grundsätzen zu verwirklichen. Sie lehnten die Macht und den Reichtum der Kirche ab und sahen in der bestehenden kirchlichen Ordnung ein Zeichen des Verfalls. Die Kirche reagierte mit Härte: Papst Clemens V. verurteilte Dolcino und seine Gefährten als Ketzer, woraufhin militärische Truppen gegen sie entsandt wurden.

Untergang der Bewegung

Nach mehrjährigen Kämpfen wurden Dolcino und seine Anhänger 1307 besiegt. Dolcino selbst wurde gefangen genommen, gefoltert und öffentlich hingerichtet. Mit seinem Tod endete die Bewegung der Apostelbrüder, die später von der Kirche vollständig ausgelöscht wurde. Dennoch hinterließ sie Spuren in der europäischen Religionsgeschichte als frühes Beispiel für soziale und spirituelle Reformbestrebungen außerhalb der kirchlichen Hierarchie.

Rezeption

Die Gestalt Dolcinos fand in der späteren Geschichtsschreibung und Literatur wiederholt Beachtung. Besonders in der Neuzeit wurde er mitunter als Symbol des Widerstands gegen Unterdrückung und geistliche Macht interpretiert. In der sowjetischen Literatur erschien 1965 der historische Jugendroman Дольчино (Dolcino) von S. N. Židkov, der den Prediger als idealistischen Kämpfer gegen soziale Ungerechtigkeit darstellt – eine Deutung, die dem damaligen ideologischen Geschichtsverständnis entsprach.

Literatur

  • Raniero Orioli: Dolcino e gli Apostolici. Storia di un'eresia medievale. Bologna 1987.
  • Giovanni Tabacco: I movimenti religiosi del secolo XIII in Italia. Torino 1960.
  • S. N. Židkov: Дольчино (Dolcino). Moskau 1965.
  • Marina Benedetti: Fra Dolcino e gli Apostolici. Milano 2014.