Ölkrise: Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 30. Oktober 2025, 15:13 Uhr

Die Ölkrise bezeichnet eine Phase massiver wirtschaftlicher und politischer Verwerfungen infolge von Engpässen oder Preissteigerungen bei Erdöl und seinen Derivaten. Der Begriff wird meist mit den Ereignissen der 1970er Jahre verbunden, als mehrere Krisenwellen die Industriestaaten trafen und weitreichende Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Politik hatten. Öl spielte seit der Mitte des 20. Jahrhunderts eine zentrale Rolle als Energiequelle, insbesondere für Verkehr, Industrie und Heizung. Die Abhängigkeit westlicher Staaten von Importen aus den ölproduzierenden Ländern des Naher Ostens machte diese Volkswirtschaften verwundbar gegenüber politischen Konflikten und Förderbeschränkungen. Die Ölkrise von 1973/74 gilt als Wendepunkt in der globalen Energiegeschichte, da sie ein neues Bewusstsein für die Endlichkeit fossiler Ressourcen und die politische Macht der Förderländer schuf. Auch wenn es bereits zuvor kurzfristige Versorgungsengpässe gegeben hatte, war erstmals der Zusammenhang zwischen geopolitischen Spannungen, wirtschaftlicher Stabilität und Energieversorgung in dieser Form sichtbar geworden.
Ölkrise der 1970er Jahre
Die erste große Ölkrise begann im Oktober 1973 im Zuge des Jom-Kippur-Kriegs. Als Reaktion auf die Unterstützung Israels durch die USA und einige westeuropäische Staaten verhängten die arabischen Mitgliedsländer der OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) ein Ölembargo gegen bestimmte Staaten. Gleichzeitig reduzierten sie die Fördermengen, um den Ölpreis gezielt in die Höhe zu treiben. Innerhalb weniger Monate vervierfachte sich der Preis für ein Barrel Rohöl von rund drei auf etwa zwölf US-Dollar. Die westlichen Industrieländer reagierten mit Maßnahmen zur Energieeinsparung, etwa autofreien Sonntagen, Tempolimits und verstärkten Investitionen in Energieeffizienz. In der Bundesrepublik Deutschland kam es zu einer breiten öffentlichen Diskussion über die Abhängigkeit von importierten Energieträgern. Die Krise führte zu einer tiefen Rezession, da die Produktionskosten stiegen, während gleichzeitig die Kaufkraft sank. In den Jahren danach wurden Strategien zur Diversifizierung der Energieversorgung entwickelt, darunter der Ausbau der Kernenergie und der Beginn einer langfristigen Forschung an erneuerbaren Energien. Der Schock von 1973 beeinflusste auch die Wirtschaftspolitik dauerhaft: Viele Staaten begannen, strategische Ölreserven anzulegen und eine koordinierte Energiepolitik auf internationaler Ebene voranzutreiben, etwa durch die Gründung der Internationalen Energieagentur (IEA) im Jahr 1974.
Zweite Ölkrise und Folgen
Eine zweite Ölkrise ereignete sich 1979 infolge der Iranischen Revolution. Der Sturz des Schahs führte zu einem drastischen Rückgang der iranischen Ölproduktion, was erneut Preisschübe auf dem Weltmarkt auslöste. Innerhalb eines Jahres verdoppelte sich der Ölpreis. Diese Entwicklung fiel in eine Phase ohnehin angespannter Konjunkturen, sodass viele Länder in eine weitere Rezession rutschten. In Kombination mit der hohen Inflation der 1970er Jahre führte die Krise zu einer sogenannten Stagflation, also einer gleichzeitigen Stagnation des Wachstums bei steigenden Preisen. Die Erfahrung der zweiten Ölkrise beschleunigte in den westlichen Staaten den Übergang zu strukturellen Reformen, unter anderem in der Energie- und Wirtschaftspolitik. Unternehmen investierten verstärkt in Energieeinsparungen, alternative Heizsysteme und effizientere Fahrzeuge. In der Gesellschaft setzte sich langsam ein Bewusstsein für die Verletzlichkeit moderner Industrien gegenüber Energieengpässen durch. Gleichzeitig stieg der Einfluss der OPEC auf die Weltwirtschaft, während die politische Lage im Nahen Osten zunehmend als Risikofaktor wahrgenommen wurde. Die Ölkrisen markierten insgesamt den Beginn einer globalen Umorientierung, in der Energiepolitik zu einem festen Bestandteil der Sicherheits- und Außenpolitik wurde. Langfristig führten die Ereignisse auch dazu, dass viele Länder ihre Abhängigkeit von Erdöl zu verringern versuchten, was den Weg für spätere ökologische und technologische Entwicklungen ebnete.