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Der '''Kalte Krieg''' bezeichnet die jahrzehntelange politische, ideologische und militärische Rivalität zwischen den [[Vereinigten Staaten von Amerika]] (USA) und der [[Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken]] (UdSSR) nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]]. Er dauerte von 1947 bis 1991 und prägte weite Teile der internationalen Beziehungen, der Sicherheitspolitik und des Alltags in vielen Staaten. Der Begriff „kalt“ beschreibt, dass es zwischen den beiden Supermächten zu keinem direkten militärischen Großkonflikt kam, obwohl beide Seiten erhebliche Streitkräfte unterhielten und Konflikte in anderen Regionen der Welt unterstützten. Die Auseinandersetzung beruhte auf unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systemen: einerseits der liberal-demokratische Kapitalismus der USA, andererseits der [[Kommunismus|kommunistische Sozialismus]] der UdSSR. Der Kalte Krieg führte zu einer dauerhaften Aufrüstung, zur Bildung von Militärbündnissen und zu zahlreichen [[Stellvertreterkonflikt]]en. Zugleich prägte er Kultur, Wissenschaft, Technologie und das Alltagsleben ganzer Generationen. Das Ende des Kalten Krieges markierte einen tiefgreifenden politischen Wandel in Europa und der Weltordnung. | Der '''Kalte Krieg''' bezeichnet die jahrzehntelange politische, ideologische und militärische Rivalität zwischen den [[Vereinigten Staaten von Amerika]] (USA) und der [[Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken]] (UdSSR) nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]]. Er dauerte von 1947 bis 1991 und prägte weite Teile der internationalen Beziehungen, der Sicherheitspolitik und des Alltags in vielen Staaten. Der Begriff „kalt“ beschreibt, dass es zwischen den beiden Supermächten zu keinem direkten militärischen Großkonflikt kam, obwohl beide Seiten erhebliche Streitkräfte unterhielten und Konflikte in anderen Regionen der Welt unterstützten. Die Auseinandersetzung beruhte auf unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systemen: einerseits der liberal-demokratische Kapitalismus der USA, andererseits der [[Kommunismus|kommunistische Sozialismus]] der UdSSR. Der Kalte Krieg führte zu einer dauerhaften Aufrüstung, zur Bildung von Militärbündnissen und zu zahlreichen [[Stellvertreterkonflikt]]en. Zugleich prägte er Kultur, Wissenschaft, Technologie und das Alltagsleben ganzer Generationen. Das Ende des Kalten Krieges markierte einen tiefgreifenden politischen Wandel in Europa und der Weltordnung. | ||
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Version vom 27. September 2025, 21:35 Uhr
Der Kalte Krieg bezeichnet die jahrzehntelange politische, ideologische und militärische Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) nach dem Zweiten Weltkrieg. Er dauerte von 1947 bis 1991 und prägte weite Teile der internationalen Beziehungen, der Sicherheitspolitik und des Alltags in vielen Staaten. Der Begriff „kalt“ beschreibt, dass es zwischen den beiden Supermächten zu keinem direkten militärischen Großkonflikt kam, obwohl beide Seiten erhebliche Streitkräfte unterhielten und Konflikte in anderen Regionen der Welt unterstützten. Die Auseinandersetzung beruhte auf unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systemen: einerseits der liberal-demokratische Kapitalismus der USA, andererseits der kommunistische Sozialismus der UdSSR. Der Kalte Krieg führte zu einer dauerhaften Aufrüstung, zur Bildung von Militärbündnissen und zu zahlreichen Stellvertreterkonflikten. Zugleich prägte er Kultur, Wissenschaft, Technologie und das Alltagsleben ganzer Generationen. Das Ende des Kalten Krieges markierte einen tiefgreifenden politischen Wandel in Europa und der Weltordnung.
Ursachen und Entstehung
Die Ursachen des Kalten Krieges liegen im Machtvakuum nach dem Zweiten Weltkrieg und in den gegensätzlichen politischen Systemen der Siegermächte. Die USA traten für marktwirtschaftliche Strukturen, demokratische Institutionen und freie Wahlen ein. Die UdSSR verfolgte das Ziel, den Sozialismus in Osteuropa zu festigen und Einflusszonen zu sichern. Bereits in den letzten Kriegsjahren kam es zu Spannungen über die Nachkriegsordnung, etwa auf den Konferenzen von Jalta und Potsdam. Aus sowjetischer Sicht diente die Errichtung von Satellitenstaaten als Sicherheitsgürtel gegen einen möglichen Angriff aus dem Westen. Aus US-amerikanischer Perspektive galt diese Entwicklung als expansive Politik, die eingedämmt werden müsse. Diese gegensätzlichen Wahrnehmungen führten zu einer zunehmenden Entfremdung und zu Misstrauen zwischen den beiden Lagern. Mit der Truman-Doktrin (1947) und dem Marshallplan setzten die USA auf wirtschaftliche und politische Bindungen Westeuropas. Die Sowjetunion reagierte mit der Gründung des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) und der Festigung des Warschauer Pakts als Gegenstück zur NATO.
Blockbildung und Konfrontation
In den späten 1940er- und frühen 1950er-Jahren verfestigte sich die Blockbildung in Europa. Auf der einen Seite stand das westliche Bündnis unter Führung der USA, auf der anderen Seite der Ostblock unter sowjetischer Dominanz. Die NATO (1949) und der Warschauer Pakt (1955) bildeten die militärischen Kernstrukturen dieser Konfrontation. Berlin entwickelte sich zu einem zentralen Brennpunkt, sichtbar in der Blockade 1948/49 und später im Bau der Berliner Mauer 1961. Weltweit traten Konflikte auf, die indirekt durch den Kalten Krieg beeinflusst wurden. Beispiele sind der Koreakrieg (1950–1953), die Kuba-Krise (1962) und der Vietnamkrieg. Beide Supermächte investierten massiv in Atomwaffen und andere strategische Systeme. Das Prinzip der gegenseitig gesicherten Zerstörung (Mutual Assured Destruction, MAD) wirkte paradoxerweise stabilisierend, da ein direkter Angriff ein untragbares Risiko bedeutete. Neben militärischen Spannungen gab es auch wirtschaftliche und technologische Konkurrenz, etwa im Wettlauf ins All, der 1957 mit dem sowjetischen Sputnik begann und 1969 in der US-amerikanischen Mondlandung gipfelte.
Höhepunkt des Kalten Krieges
Der Kalte Krieg erreichte 1962 mit der Kubakrise seinen gefährlichsten Punkt. Auslöser war die Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf Kuba, nur rund 150 Kilometer vor der US-Küste. Die USA betrachteten diese Maßnahme als unmittelbare Bedrohung ihrer nationalen Sicherheit und verhängten eine Seeblockade, die offiziell als „Quarantäne“ bezeichnet wurde. In den folgenden Tagen standen beide Supermächte am Rand eines direkten militärischen Konflikts, der auch den Einsatz von Atomwaffen hätte nach sich ziehen können. Intensive diplomatische Verhandlungen zwischen Washington und Moskau führten schließlich zu einer Einigung: Die Sowjetunion zog ihre Raketen von Kuba ab, während die USA im Gegenzug auf eine Invasion der Insel verzichteten und später informell eigene Raketen aus der Türkei entfernten. Die Kubakrise gilt als entscheidender Wendepunkt im Kalten Krieg, da sie den beiden Supermächten die Gefahren ihrer Konfrontation in drastischer Weise vor Augen führte und zu verstärkten Bemühungen um Kommunikationskanäle und Rüstungskontrolle führte, darunter die Einrichtung des "Heißen Drahts" zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml.
Entspannung und Ende des Kalten Krieges
Ab den frühen 1970er-Jahren begann eine Phase der Entspannungspolitik (Détente). Verträge zur Rüstungskontrolle wie SALT I (1972) oder die KSZE-Schlussakte von Helsinki (1975) sollten die Spannungen reduzieren. Dennoch blieb das Misstrauen bestehen und verschärfte sich in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren erneut, etwa durch den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan (1979). Mit dem Amtsantritt von Michail Gorbatschow in der UdSSR (1985) setzte jedoch ein tiefgreifender Reformprozess ein. Seine Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) schwächte die Kontrolle Moskaus über die osteuropäischen Staaten. Friedliche Revolutionen in Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei und der DDR führten 1989 zum Zusammenbruch des Ostblocks. 1991 löste sich die Sowjetunion auf, womit der Kalte Krieg sein Ende fand. Dieser Abschluss leitete eine neue Phase internationaler Beziehungen ein, in der die USA zunächst als einzige Supermacht verblieben, während viele osteuropäische Staaten politische und wirtschaftliche Transformationsprozesse durchliefen.
Nachwirkungen und neue Spannungen
Nach dem Ende des Kalten Krieges entwickelten sich in den folgenden Jahrzehnten erneut Spannungen zwischen Russland und westlichen Staaten. Zahlreiche osteuropäische Staaten traten aus eigenem Entschluss der NATO und der Europäischen Union bei, um ihre Sicherheit und Unabhängigkeit zu stärken. Diese Entwicklungen führten jedoch zu einem Bruch in den Beziehungen zu Russland. Besonders ab 2014, mit der Annexion der Krim und der Unterstützung bewaffneter Konflikte in der Ostukraine, eskalierte die Konfrontation deutlich. Die russische Führung unter Wladimir Putin nutzte diese außenpolitischen Konflikte, um innenpolitisch Stärke zu demonstrieren und die eigene Position als entschlossener Führer zu festigen. Der Krieg in der Ukraine kann als zentraler Auslöser für die tiefgreifende Spaltung mit dem Westen gesehen werden. Darüber hinaus prägen Streitigkeiten über Rüstungskontrolle, Sicherheitsinteressen und Einflusszonen weiterhin das Verhältnis zwischen Russland und westlichen Staaten. Viele Beobachter sprechen in diesem Zusammenhang von einer neuen Phase der Rivalität, die in Teilen an die Strukturen und Dynamiken des Kalten Krieges erinnert, jedoch unter veränderten geopolitischen Bedingungen stattfindet.