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Version vom 28. Oktober 2025, 17:08 Uhr
Schmerzmittel (fachsprachlich auch Analgetika, Singular Analgetikum, von griech. "a" = "nicht" und "algos" = "Schmerz") sind Arzneistoffe, die Schmerzen lindern oder ausschalten, ohne das Bewusstsein oder andere Sinneswahrnehmungen wesentlich zu beeinflussen. Im Unterschied zu Anästhetika führen sie nicht zu einer vollständigen Empfindungslosigkeit. Analgetika wirken, indem sie die Schmerzweiterleitung im Nervensystem hemmen oder die Schmerzverarbeitung im Gehirn modulieren. Sie werden in der Medizin häufig zur Behandlung akuter oder chronischer Schmerzen eingesetzt, etwa bei Verletzungen, Operationen, Entzündungen oder Tumorerkrankungen. Die Wirkstoffgruppen unterscheiden sich in chemischer Struktur und Wirkmechanismus, weshalb die Auswahl gezielt nach Art und Stärke des Schmerzes erfolgt. Viele Präparate sind rezeptfrei erhältlich, während stärkere Schmerzmittel unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Neben der gewünschten Schmerzlinderung können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, darunter Magenreizungen, Leberbelastung oder Abhängigkeit, insbesondere bei längerer oder unsachgemäßer Anwendung.
Wirkstoffgruppen
Schmerzmittel werden in verschiedene Hauptgruppen eingeteilt. Zu den wichtigsten zählen die Nichtopioide Analgetika, die Opioid-Analgetika und die Koanalgetika. Nichtopioide Analgetika, wie Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure, hemmen vor allem die Prostaglandin-Synthese, wodurch Schmerz- und Entzündungsreaktionen reduziert werden. Opioid-Analgetika, darunter Morphin, Oxycodon oder Fentanyl, binden an spezifische Opioidrezeptoren im zentralen Nervensystem und modulieren die Schmerzverarbeitung. Diese Substanzen wirken sehr stark, bergen aber ein hohes Risiko für Nebenwirkungen und psychische wie körperliche Abhängigkeit. Koanalgetika werden ergänzend eingesetzt und entfalten ihre Wirkung ursprünglich bei anderen Erkrankungen, etwa Antidepressiva bei Nervenschmerzen oder Antikonvulsiva bei neuropathischen Schmerzen. Durch die Kombination verschiedener Wirkstoffgruppen kann eine bessere Schmerzkontrolle erreicht werden, insbesondere bei chronischen Schmerzsyndromen.
Anwendung und Risiken
Die Anwendung von Schmerzmitteln erfolgt je nach Wirkstoff oral, rektal, intravenös oder transdermal. Die Wahl der Darreichungsform richtet sich nach der Art des Schmerzes, dem Zustand des Patienten und der gewünschten Wirkungsdauer. Eine regelmäßige, ärztlich überwachte Dosierung ist entscheidend, um Nebenwirkungen und Folgeschäden zu vermeiden. Bei nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) besteht ein erhöhtes Risiko für Magenblutungen, Nierenfunktionsstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Opioide können neben Abhängigkeit auch Atemdepression und Verstopfung verursachen. Die Kombination mit Alkohol oder anderen zentral wirksamen Substanzen kann lebensbedrohlich sein. Moderne Schmerztherapie orientiert sich häufig am WHO-Stufenschema der Schmerztherapie, das eine schrittweise Steigerung der Wirkstoffstärke vorsieht. Ergänzende Verfahren wie Physiotherapie, Psychotherapie oder Akupunktur werden oft in multimodale Konzepte integriert, um die medikamentöse Belastung zu reduzieren und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.
Schmerzmittel im Vergleich
| Name | Funktionsweise | Anwendung | Schmerzwirkung (1–10) |
|---|---|---|---|
| Paracetamol | Hemmung der Prostaglandin-Synthese im zentralen Nervensystem, wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend, ohne nennenswerte entzündungshemmende Wirkung. | Leichte bis mäßige Schmerzen, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Fieber. | 3 |
| Ibuprofen | NSAR; hemmt die Cyclooxygenase (COX) und die Bildung von Prostaglandinen, reduziert Schmerz, Entzündung und Fieber. | Mäßige Schmerzen, Menstruationsbeschwerden, Arthrose, Rheuma, Muskelentzündungen. | 5 |
| Acetylsalicylsäure (ASS) | Hemmt irreversibel die Cyclooxygenase, wirkt schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend; niedrige Dosierung blutverdünnend. | Leichte bis mäßige Schmerzen, Erkältungssymptome, Kopfschmerzen, Thromboseprophylaxe. | 4 |
| Aspirin | Handelsname für Präparate mit Acetylsalicylsäure; hemmt Cyclooxygenase, wirkt schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend. | Leichte Schmerzen, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Erkältungssymptome, niedrige Dosierung zur Thromboseprophylaxe. | 4 |
| Naproxen | NSAR mit längerer Wirkdauer; hemmt COX-1 und COX-2, stark entzündungshemmend und analgetisch. | Mittelstarke bis starke Schmerzen, Rheuma, Arthrose, Menstruationsbeschwerden. | 6 |
| Diclofenac | NSAR; hemmt die Prostaglandin-Synthese, stark entzündungshemmend und schmerzlindernd. | Gelenk- und Muskelschmerzen, Rheuma, Sportverletzungen, Rückenschmerzen. | 6 |
| Tramadol | Zentrales Opioid-Analgetikum; aktiviert Opioidrezeptoren, hemmt Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin. | Mittelstarke bis starke Schmerzen nach Operationen oder Verletzungen. | 7 |
| Morphin | Stark wirksames Opioid; bindet an μ-Opioidrezeptoren, hemmt Schmerzwahrnehmung. | Starke bis sehr starke Schmerzen, etwa bei Tumorschmerz, schweren Verletzungen oder nach Operationen. | 9 |
| Fentanyl | Synthetisches Opioid; sehr hohe Rezeptoraffinität, schnelle und starke Schmerzlinderung. | Sehr starke Schmerzen, vor allem in der Palliativmedizin oder nach großen Operationen. | 10 |
| Metamizol (Novalgin) | Nichtopioides Analgetikum mit krampflösender Wirkung; hemmt Prostaglandinsynthese, beeinflusst Schmerzleitung zentral. | Mittelstarke bis starke Schmerzen, Koliken, Fieber, wenn andere Mittel nicht wirken. | 7 |
| Codein | Schwaches Opioid; wirkt über Aktivierung von Opioidrezeptoren, teilweise zu Morphin metabolisiert. | Leichte bis mäßige Schmerzen, oft in Kombination mit Paracetamol oder ASS. | 4 |