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'''Two-penny hangover''' (deutsch etwa: "Zwei-Pence-Hängematte" oder "Zwei-Pence-Überhang") bezeichnete im [[Viktorianisches England|viktorianischen England]] eine äußerst einfache und billige Form der Notunterkunft für Obdachlose. Für den Preis von zwei Pence erhielten Bedürftige einen Platz auf einer Bank, vor der ein gespanntes Seil verlief. Die Schlafenden konnten sich über dieses Seil lehnen und so einige Stunden Ruhe finden. Am frühen Morgen wurde das Seil gekappt, sodass die Menschen auf den Boden fielen und den Schlafsaal verlassen mussten. | '''Two-penny hangover''' (deutsch etwa: "Zwei-Pence-Hängematte" oder "Zwei-Pence-Überhang") bezeichnete im [[Viktorianisches England|viktorianischen England]] eine äußerst einfache und billige Form der Notunterkunft für Obdachlose. Für den Preis von zwei Pence erhielten Bedürftige einen Platz auf einer Bank, vor der ein gespanntes Seil verlief. Die Schlafenden konnten sich über dieses Seil lehnen und so einige Stunden Ruhe finden. Am frühen Morgen wurde das Seil gekappt, sodass die Menschen auf den Boden fielen und den Schlafsaal verlassen mussten. | ||
Version vom 28. August 2025, 16:23 Uhr
Two-penny hangover (deutsch etwa: "Zwei-Pence-Hängematte" oder "Zwei-Pence-Überhang") bezeichnete im viktorianischen England eine äußerst einfache und billige Form der Notunterkunft für Obdachlose. Für den Preis von zwei Pence erhielten Bedürftige einen Platz auf einer Bank, vor der ein gespanntes Seil verlief. Die Schlafenden konnten sich über dieses Seil lehnen und so einige Stunden Ruhe finden. Am frühen Morgen wurde das Seil gekappt, sodass die Menschen auf den Boden fielen und den Schlafsaal verlassen mussten.
Historischer Hintergrund
Neben den sogenannten penny sit-ups (eine Bank ohne Möglichkeit, sich hinzulegen) und den coffin houses (enge Holzboxen als Schlafplatz) stellten die two-penny hangovers die mittlere Stufe dieser billigen Unterkünfte dar. Sie wurden unter anderem von Heilsarmeen oder privaten Betreibern angeboten und richteten sich an die ärmsten Bevölkerungsschichten in London und anderen Großstädten während der industriellen Revolution.[1]
Der Schriftsteller George Orwell beschrieb die Praxis in seinem 1933 erschienenen Werk Down and Out in Paris and London:
- "In some of these lodging houses they have what they call a two-penny rope. The lodgers sit in a row on a bench; there is a rope in front of them, and they lean on this as though leaning over a fence... At five in the morning the rope is cut and they all tumble on the floor."[2]
Auch Sozialreformer wie Jacob Riis berichteten im späten 19. Jahrhundert über extreme Formen der Unterkunftsnot in New York und London, wobei der "Rope-sleep" als abschreckendes Beispiel erwähnt wurde.[3]
Abhängen und hungover
Die Praxis hat in der populären Darstellung zu volksetymologischen Spekulationen geführt. So wurde gelegentlich angenommen, das englische Wort hangover (für den Zustand nach übermäßigem Alkoholkonsum) leite sich von diesen Schlafgelegenheiten ab. Tatsächlich belegt die Sprachforschung, dass hangover erstmals um 1894 im Sinne von „Überrest, Rückstand“ nachweisbar ist und erst um 1902/04 die Bedeutung "Kater" erhielt.[4] Auch das deutsche Verb abhängen, das umgangssprachlich "chillen, entspannen" bedeutet, steht etymologisch nicht in Zusammenhang mit den two-penny hangovers, sondern ist eine reguläre Ableitung aus ab- und hängen.[5]
Die Nähe der Begriffe hangover, hungover und abhängen zu der historischen Praxis hat jedoch dazu beigetragen, dass sich Fehlinterpretationen hartnäckig hielten.
Seriösität und Quellenlage
Obwohl der two-penny hangover in zeitgenössischen Schriften erwähnt wird, ist die tatsächliche Verbreitung unklar. Viele Darstellungen stammen aus literarischen Quellen (Orwell, Dickens) oder aus sozialkritischen Berichten. Historiker wie Mike Dash haben darauf hingewiesen, dass angebliche Fotografien solcher Schlafsäle meist aus späteren Reenactments oder gar Filmen stammen (u. a. The First Great Train Robbery, 1978).[6]
Die Existenz der two-penny hangovers als Armutsphänomen gilt jedoch als gesichert; über ihren Umfang und ihre Alltäglichkeit lassen sich auf Basis der Quellenlage keine eindeutigen Aussagen treffen.
Literatur
- George Orwell: Down and Out in Paris and London. London 1933.
- Jacob Riis: How the Other Half Lives. New York 1890.
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ Historic UK: The Two Penny Hangover
- ↑ George Orwell: Down and Out in Paris and London, London 1933, Kap. XXXI.
- ↑ Mike Dash: The Two-Penny Hangover, Blog 2021
- ↑ Snopes: Fact Check – Hangover origin
- ↑ Duden: abhängen
- ↑ Lead Stories: Fact Check – Hangover origin