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Aktuelle Version vom 3. November 2025, 16:41 Uhr

   Otto von Bismarck
Otto von Bismarck
Alternativnamen Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen
Kurzbeschreibung preußischer Staatsmann, erster Reichskanzler des Deutschen Reiches
Geburtsdatum 1 April 1815
Alter
   83 Jahre
Geburtsort Schönhausen (Elbe), Preußen
Sterbedatum 30 July 1898
Sterbeort Friedrichsruh, Deutsches Reich
Staatsangehörigkeit Preußen, Deutsches Reich
Tätigkeitsfeld Politik, Diplomatie
Bekannt für Reichsgründung 1871, Realpolitik, Sozialgesetzgebung
Aktiv seit 1847–1890
Werke (Auswahl) Gedanken und Erinnerungen (posthum veröffentlicht)


Otto von Bismarck (1815–1898) war ein preußischer Staatsmann und von 1871 bis 1890 der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches. Er gilt als Architekt der deutschen Einheit, die er durch gezielte Kriege und diplomatische Bündnisse erreichte. Seine Politik legte den Grundstein für das moderne Deutschland, war jedoch stark autoritär geprägt und von innenpolitischen Machtkämpfen begleitet.

Frühes Leben

Otto von Bismarck wurde am 1. April 1815 in Schönhausen an der Elbe geboren. Er entstammte einer altmärkischen Adelsfamilie, die im preußischen Junkertum verwurzelt war. Sein Vater war Landadeliger, seine Mutter stammte aus dem gebildeten Bürgertum. Die Schulzeit verbrachte Bismarck in Berlin, wo er unter anderem das renommierte Friedrich-Wilhelms-Gymnasium besuchte. Im Anschluss studierte er Rechtswissenschaften in Göttingen und Berlin, schloss das Studium jedoch nicht regulär ab. Stattdessen legte er 1835 das Examen ab und trat in den preußischen Staatsdienst ein. Nach einigen Jahren im Verwaltungsdienst zog er sich 1839 auf das Gut Kniephof zurück und widmete sich der Landwirtschaft. Diese Phase prägte seine konservative Grundhaltung und sein Verständnis für den preußischen Adel. Seine politische Laufbahn begann erst später, als er 1847 in den Vereinigten Landtag gewählt wurde und erstmals öffentlich als entschiedener Vertreter monarchischer und konservativer Rechte auftrat.

Politischer Aufstieg im Königreich Preußen

In den 1850er Jahren festigte Bismarck seine Stellung im politischen System Preußens. Er wurde 1851 Gesandter beim Bundestag des Deutschen Bundes in Frankfurt am Main, wo er die Interessen Preußens vertrat und sich als scharfsinniger Beobachter des europäischen Mächtegleichgewichts zeigte. 1858 folgte die Ernennung zum preußischen Gesandten in Sankt Petersburg, später auch in Paris. Damit erwarb er nicht nur diplomatische Erfahrung, sondern auch ein Gespür für die Außenpolitik der Großmächte. 1862 wurde er von König Wilhelm I. zum preußischen Ministerpräsidenten ernannt, nachdem sich dieser in der Heeresreformfrage in einer innenpolitischen Krise befand. Bismarck setzte sich für die Stärkung der Exekutive ein, regierte auch gegen parlamentarische Mehrheiten und formulierte seinen berühmten Satz von "Eisen und Blut", mit dem er die Notwendigkeit militärischer Stärke betonte. Unter seiner Führung begann Preußen den Weg zur Führungsmacht Deutschlands einzuschlagen.

Reichsgründung und Kanzlerschaft

Die Jahre zwischen 1864 und 1871 gelten als Kernphase von Bismarcks politischem Wirken. Durch eine Reihe gezielt geführter Kriege stärkte er die Position Preußens und ebnete den Weg zur deutschen Einheit. 1864 führte er Preußen gemeinsam mit Österreich gegen Dänemark in den Deutsch-Dänischen Krieg, der die Herzogtümer Schleswig und Holstein unter preußische Verwaltung brachte. Der Konflikt mit Österreich eskalierte 1866 im Deutschen Krieg, den Preußen für sich entschied und damit den Deutschen Bund auflöste. An seine Stelle trat der Norddeutsche Bund, in dem Preußen dominierte. Der entscheidende Schritt zur Reichsgründung folgte 1870/71 im Krieg gegen Frankreich. Nach dem Sieg wurde am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Kaiserreich ausgerufen, und Bismarck wurde erster Reichskanzler. In dieser Funktion leitete er die Innen- und Außenpolitik des Reiches und schuf ein komplexes Bündnissystem in Europa, das auf Stabilität und Machtausgleich zielte.

Innenpolitik und spätere Jahre

Während seiner Kanzlerschaft setzte Bismarck innenpolitische Schwerpunkte, die die Entwicklung des Reiches prägten. Bekannt sind seine Sozialgesetzgebungen, mit denen er den aufkommenden sozialdemokratischen Bewegungen staatliche Maßnahmen entgegensetzte. Dazu zählten Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung, die als erste ihrer Art weltweit galten. Gleichzeitig führte er den Kulturkampf gegen die Katholische Kirche, um die staatliche Macht gegenüber religiösem Einfluss zu stärken. In der Außenpolitik etablierte er ein Bündnissystem, um Frankreich zu isolieren und Frieden in Europa zu sichern. 1890 wurde er von Wilhelm II. entlassen, der einen anderen Kurs einschlagen wollte. Bismarck zog sich auf sein Gut in Friedrichsruh zurück, wo er seine Erinnerungen verfasste. Er starb am 30. Juli 1898. Sein politisches Vermächtnis wird bis heute kontrovers diskutiert, da er einerseits die deutsche Einheit prägte, andererseits autoritäre Herrschaftsformen stärkte.

Literatur

  • "Gedanken und Erinnerungen" (1898, posthum veröffentlicht)