3I/Atlas
3I/Atlas ist die Bezeichnung für ein interstellares Objekt, das auf einem hyperbolischen Orbit durch das Sonnensystem reist. Es handelt sich um das dritte bekannte Objekt dieser Art nach 1I/ʻOumuamua (2017) und 2I/Borisov (2019). Die Entdeckung von 3I/Atlas wurde im Jahr 2024 durch das Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) auf Hawaii gemacht. Die IAU (Internationale Astronomische Union) bestätigte den interstellaren Ursprung anhand seiner Bahnparameter und wies ihm die offizielle Bezeichnung „3I“ (für „3. Interstellar“) sowie den provisorischen Namen „Atlas“ zu, angelehnt an das Entdeckungsprogramm.
Entdeckung und Bahnparameter

3I/Atlas wurde erstmals am 16. Oktober 2024 auf Bildern identifiziert, die vom ATLAS-System aufgenommen wurden. Innerhalb weniger Tage erfolgten weitere Beobachtungen durch verschiedene Observatorien weltweit. Die Auswertung dieser Daten ergab eine deutlich hyperbolische Umlaufbahn mit einer Exzentrizität von über 1,1, was auf einen Ursprung außerhalb des Sonnensystems hinweist. Die Bahn verlief in einem Winkel von etwa 40 Grad zur Ekliptik. Die Geschwindigkeit beim Eintritt ins Sonnensystem betrug etwa 32 km/s relativ zur Sonne. Das Perihel wurde Anfang Januar 2025 durchlaufen, mit einer Sonnennähe von etwa 1,2 AE.
Die Beobachtungen deuten darauf hin, dass 3I/Atlas das Sonnensystem auf einem offenen Kurs durchquert, ohne langfristig an die Schwerkraft der Sonne gebunden zu sein. Der Ursprung des Objekts wird in einer Region außerhalb der lokalen interstellaren Wolke vermutet. Eine genaue Bestimmung des Herkunftsortes ist aufgrund der begrenzten Beobachtungszeit und der Unsicherheiten in der Bahnrekonstruktion bislang nicht möglich.
Physikalische Eigenschaften
Zum Zeitpunkt der Beobachtungen zeigte 3I/Atlas ein leicht diffuses Erscheinungsbild, das auf eine geringe Aktivität hindeutet. Eine schwache Koma konnte fotografisch nachgewiesen werden, was auf das Vorhandensein flüchtiger Stoffe schließen lässt. Das Objekt besitzt demnach vermutlich einen kometaren Charakter. Spektralanalysen deuten auf das Vorhandensein von Wasser- und Kohlenstoffverbindungen hin. Im Gegensatz zu 1I/ʻOumuamua, das keine Koma entwickelte, zeigt 3I/Atlas somit gewisse Ähnlichkeiten zu 2I/Borisov.
Die Größe des Kerns wird auf etwa 400 bis 600 Meter geschätzt, basierend auf der Helligkeit und der angenommenen Albedo. Die genaue Form bleibt unbestimmt, da hochaufgelöste Aufnahmen fehlen. Rotationsdaten deuten auf eine langsame Eigenrotation hin, wobei keine signifikanten Helligkeitsschwankungen festgestellt wurden.
Bedeutung für die Forschung
3I/Atlas bietet Astronomen erneut die Gelegenheit, ein Objekt zu untersuchen, das nicht in unserem Sonnensystem entstanden ist. Wie bereits bei den beiden Vorgängern erhofft sich die Forschung Aufschluss über die Zusammensetzung, Herkunft und Entwicklung planetarer Systeme außerhalb des Sonnensystems. Die beobachteten Merkmale von 3I/Atlas erweitern das Spektrum bekannter interstellarer Besucher: Während ʻOumuamua ein inaktives Objekt ohne Koma war und Borisov einem klassischen Kometen entsprach, stellt 3I/Atlas ein Zwischenbeispiel dar.
Interstellare Objekte wie 3I/Atlas liefern auch Hinweise darauf, wie häufig Materie aus anderen Sternensystemen in unser Sonnensystem gelangt. Ihre systematische Entdeckung ist erst durch moderne automatisierte Teleskopsysteme wie ATLAS oder das Vera-C.-Rubin-Observatorium möglich geworden. Langfristig könnten Missionen zu solchen Objekten geplant werden, um Materialproben zu gewinnen und direkte Analysen vorzunehmen. In der aktuellen Phase steht jedoch die bodengestützte Beobachtung im Vordergrund, um möglichst viele Daten zu sammeln, bevor das Objekt das Sonnensystem wieder verlässt.