Menschewiki

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Die Menschewiki waren eine der beiden Hauptfraktionen innerhalb der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR), die sich im Jahr 1903 auf dem Parteitag in London spaltete. Der Name leitet sich vom russischen Wort für „Minderheit“ (меньшинство, menschinstwo) ab, was auf ihre Unterlegenheit bei einer Abstimmung während des Parteitags anspielt. Ihr Gegenstück waren die Bolschewiki („Mehrheit“), angeführt von Wladimir Iljitsch Lenin.

Im Gegensatz zu den Bolschewiki, die eine straffe Parteidisziplin und eine zentralistische Organisation anstrebten, vertraten die Menschewiki eine gemäßigtere, pluralistischere Linie. Sie befürworteten eine breitere Mitgliedschaft in der Partei, in der auch unterschiedliche Strömungen Platz finden sollten. Ideologisch waren die Menschewiki stärker vom westlichen Marxismus beeinflusst und hielten an der Vorstellung fest, dass Russland erst eine bürgerlich-demokratische Phase durchlaufen müsse, bevor eine sozialistische Revolution möglich sei.

Die Menschewiki sprachen sich für eine Zusammenarbeit mit liberalen und bürgerlichen Kräften aus, etwa mit der Kadettenpartei, um gemeinsam gegen das zaristische Regime vorzugehen. Sie standen für eine parlamentarisch-demokratische Entwicklung und lehnten die bolschewistische Vorstellung eines revolutionären Umsturzes durch eine kleine Elite ab.

In der Zeit der Russischen Revolutionen (1905, Februarrevolution 1917) spielten die Menschewiki eine wichtige Rolle. Nach dem Sturz des Zaren im März 1917 beteiligten sie sich an der Provisorischen Regierung und unterstützten eine konstitutionelle Demokratie. Nach der Oktoberrevolution, bei der die Bolschewiki die Macht übernahmen, wurden die Menschewiki zunehmend marginalisiert, politisch verfolgt und schließlich in der frühen Sowjetunion verboten.

Vergleich zwischen Menschewiki und Bolschewiki

Der grundlegende Unterschied zwischen Menschewiki und Bolschewiki lag in ihrer politischen Strategie und ihrem Organisationsverständnis. Die Menschewiki vertraten eine evolutionäre, auf Massenmobilisierung und parlamentarische Zusammenarbeit ausgerichtete Linie. Die Bolschewiki setzten hingegen auf revolutionäre Kaderstrukturen, Disziplin und eine straffe, zentralisierte Parteiführung, die die Interessen des Proletariats diktatorisch vertreten sollte.

Die Bolschewiki waren der Auffassung, dass eine kleine, gut organisierte Avantgardepartei die Revolution anführen müsse. Diese Partei sollte nach leninistischer Vorstellung das Bewusstsein der Arbeiterklasse vorausnehmen und deren Interessen auch gegen deren momentane Vorstellungen durchsetzen. Die Menschewiki hielten dieses Konzept für undemokratisch und gefährlich autoritär. Sie plädierten für eine breite Basisdemokratie innerhalb der Partei sowie für Koalitionen mit anderen sozialistischen und liberalen Kräften.

In wirtschaftlicher Hinsicht unterschieden sich die Positionen ebenfalls. Die Bolschewiki strebten die sofortige Vergesellschaftung der Produktionsmittel und eine Planwirtschaft an. Die Menschewiki hielten dies für verfrüht. Sie waren der Meinung, dass zunächst kapitalistische Verhältnisse stabilisiert werden müssten, um die Voraussetzungen für eine spätere sozialistische Transformation zu schaffen.

Während der Machtübernahme durch die Bolschewiki im Oktober 1917 lehnten die Menschewiki das Vorgehen ab und versuchten, die provisorische Regierung zu stützen. Dies führte zu ihrer raschen politischen Isolation. In den Folgejahren wurden sie systematisch unterdrückt, ihre Führer inhaftiert, ins Exil gezwungen oder eliminiert. Damit endete ihre Rolle als eigenständige politische Kraft in Russland. Ihre Ideen lebten jedoch in Teilen der internationalen sozialistischen Bewegung weiter.