Orbiting
Orbiting beschreibt ein Verhaltensmuster im Online-Dating oder in lockeren Beziehungen, bei dem eine Person nach einem Kontaktabbruch weiterhin die sozialen Aktivitäten des anderen beobachtet, ohne direkt zu kommunizieren. Der Begriff stammt vom englischen Wort "orbit" (Umlaufbahn) und bezieht sich auf das Verhalten, im "Orbit" des anderen zu bleiben – etwa durch das Betrachten von Social-Media-Profilen, das Liken von Beiträgen oder das Anschauen von Stories, während der persönliche Kontakt ausbleibt. Dieses Verhalten vermittelt indirektes Interesse oder Aufmerksamkeit, ohne eine klare Absicht zu zeigen oder Verantwortung für den Beziehungsabbruch zu übernehmen. Orbiting wird häufig nach Ghosting beobachtet, wenn der Kontakt zwar beendet, aber das digitale Interesse fortgesetzt wird.
In der Praxis kann Orbiting unterschiedlich interpretiert werden. Manche Personen tun es aus Gewohnheit, Neugier oder Unsicherheit, andere möchten unbewusst eine emotionale Verbindung aufrechterhalten. Für die betroffene Person kann das Verhalten irritierend sein, da es widersprüchliche Signale sendet: Einerseits besteht kein direkter Kontakt mehr, andererseits bleibt die andere Person digital präsent. Durch die ständige Sichtbarkeit in sozialen Netzwerken entsteht der Eindruck, weiterhin Teil der Aufmerksamkeit des anderen zu sein, obwohl die Kommunikation real nicht mehr existiert. Diese Form der indirekten Interaktion unterscheidet sich von Breadcrumbing oder Benching dadurch, dass keine aktive Ansprache erfolgt, sondern die Beziehung nur über Beobachtung aufrechterhalten wird.
Psychologisch betrachtet steht Orbiting im Zusammenhang mit dem Bedürfnis nach Kontrolle, sozialer Bestätigung oder emotionaler Sicherheit. Personen, die orbitieren, möchten oft wissen, was der andere tut, ohne sich auf eine neue Interaktion einzulassen. Für die beobachtete Person kann dieses Verhalten verunsichernd wirken, da es alte Gefühle oder Erwartungen wieder aufleben lässt. Fachleute empfehlen, digitale Grenzen zu setzen, etwa durch Einschränkung der Sichtbarkeit in sozialen Medien oder bewussten Kontaktabbruch. In der modernen Dating-Kultur gilt Orbiting als typisches Beispiel für den Einfluss digitaler Kommunikation auf emotionale Beziehungen. Es zeigt, wie technische Möglichkeiten den Übergang zwischen Nähe und Distanz verwischen und emotionale Abschlüsse erschweren können.