Love Bombing
Love Bombing bezeichnet ein Verhalten, bei dem eine Person ihr Gegenüber zu Beginn einer Beziehung mit übermäßiger Aufmerksamkeit, Zuneigung und Komplimenten überschüttet. Ziel ist es, schnell eine emotionale Bindung herzustellen und Vertrauen zu gewinnen. Diese Phase wirkt oft wie intensive Verliebtheit, kann aber manipulativen Zwecken dienen. Der Begriff wird häufig im Zusammenhang mit Narzissmus oder emotionalem Missbrauch verwendet, da Love Bombing meist nicht aus authentischer Zuneigung, sondern aus dem Wunsch nach Kontrolle oder Bestätigung entsteht. Die übertriebene Zuwendung kann dabei verbal, durch Geschenke oder ständige Kommunikation erfolgen. Betroffene beschreiben die Anfangsphase oft als "zu schön, um wahr zu sein", was rückblickend ein erstes Warnsignal sein kann.
Nach der idealisierenden Anfangsphase folgt häufig ein abrupter Wandel. Das Verhalten der Person wird distanzierter, unberechenbarer oder gar abwertend. Dieses Wechselspiel zwischen Nähe und Entzug kann starke emotionale Abhängigkeit erzeugen, da das Gegenüber versucht, die anfängliche Zuneigung zurückzugewinnen. Love Bombing wird deshalb als Teil eines sogenannten Missbrauchszyklus verstanden, der mit Idealisierung beginnt, über Entwertung führt und oft in Distanzierung oder Trennung endet. In sozialen Medien oder Dating-Apps ist dieses Muster ebenfalls verbreitet, da schnelle Kommunikation und oberflächliche Nähe solche Dynamiken begünstigen. Experten raten, auf frühe Anzeichen wie übermäßiges Tempo, intensive Liebesbekundungen nach kurzer Zeit oder das Bedürfnis nach ständiger Erreichbarkeit zu achten.
In gesunden Beziehungen entwickelt sich Nähe schrittweise und auf Gegenseitigkeit. Beim Love Bombing hingegen entsteht ein Ungleichgewicht, weil die emotionale Intensität gezielt genutzt wird, um Einfluss zu gewinnen. Betroffene erleben später häufig Verwirrung, Schuldgefühle oder das Gefühl, etwas verloren zu haben, was nie wirklich echt war. In der psychologischen Literatur gilt Love Bombing heute als Warnzeichen für toxische Beziehungsmuster. Der Begriff wird zunehmend auch in der Therapie und Paarberatung verwendet, um Menschen zu sensibilisieren und manipulative Beziehungstaktiken zu erkennen.