Leo von Caprivi

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   Leo von Caprivi
Leo von Caprivi
Alternativnamen Georg Leo von Caprivi de Caprera de Montecuccoli
Kurzbeschreibung deutscher Politiker, Reichskanzler
Geburtsdatum 24 February 1831
Alter
   67 Jahre
Geburtsort Charlottenburg, Preußen
Sterbedatum 6 February 1899
Sterbeort Skyren, Provinz Schlesien
Staatsangehörigkeit Deutsches Reich
Tätigkeitsfeld Politik, Militär
Bekannt für Nachfolger Otto von Bismarcks als Reichskanzler
Aktiv seit 1849–1896
Werke (Auswahl)


Leo von Caprivi (1831–1899) war ein deutscher General und Politiker, der 1890 als Nachfolger von Otto von Bismarck zum Reichskanzler des Deutschen Reiches ernannt wurde. Seine Amtszeit war geprägt von einer gemäßigten Innenpolitik, dem Abbau der Sozialistengesetze und der Neuorientierung der Außenpolitik, jedoch endete sie aufgrund wachsender politischer Konflikte bereits 1894.

Frühes Leben und Militärlaufbahn

Leo von Caprivi wurde am 24. Februar 1831 in Charlottenburg geboren. Er entstammte einer weit verzweigten Adelsfamilie, deren Wurzeln sowohl im deutschen als auch im italienischen Raum lagen. Nach dem Besuch des Gymnasiums trat er 1849 in die preußische Armee ein und nahm in den folgenden Jahren an verschiedenen militärischen Operationen teil. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 diente er als Generalstabsoffizier und erwarb sich den Ruf eines gewissenhaften und pflichtbewussten Militärs. Nach dem Krieg übernahm er leitende Positionen in der Verwaltung der Marine, wo er sich für Modernisierungen einsetzte. 1883 wurde er zum Chef der Admiralität ernannt, hatte jedoch Schwierigkeiten, seine Reformpläne gegen konservative Kreise durchzusetzen. Caprivi war zu dieser Zeit parteilos und trat erst später in den engeren politischen Kreis um Wilhelm I. und Wilhelm II. ein, die seine pragmatische Haltung schätzten. Seine militärische Erfahrung und sein nüchterner Stil bereiteten seinen späteren Übergang in die Politik vor.

Politische Laufbahn und Kanzlerschaft

Am 20. März 1890 wurde Leo von Caprivi von Wilhelm II. zum Reichskanzler ernannt, nachdem Otto von Bismarck entlassen worden war. Caprivi markierte eine politische Wende, da er eine gemäßigtere Innenpolitik verfolgte und die systematische Unterdrückung der Sozialdemokratie beendete. Stattdessen setzte er auf soziale Reformen und die Stärkung wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit durch Handelsverträge, unter anderem mit Österreich-Ungarn und Italien. Außenpolitisch verzichtete er auf die Erneuerung des Rückversicherungsvertrags mit Russland, was langfristig zu einer Verschlechterung der Beziehungen führte. Seine Politik stieß teilweise auf Widerstand konservativer Kräfte im Reichstag und im preußischen Landtag, die ihm vorwarfen, zu wenig Rücksicht auf agrarische Interessen zu nehmen. Nach wachsenden Konflikten und öffentlichen Angriffen reichte Caprivi am 26. Oktober 1894 seinen Rücktritt ein. Er zog sich daraufhin aus dem politischen Leben zurück und starb 1899 auf seinem Gut in Skyren.

Nachwirkung

Leo von Caprivi wurde lange Zeit im Schatten seines Vorgängers Bismarck gesehen. Seine Amtszeit gilt jedoch als Versuch, das Deutsche Reich auf pragmatischere und liberalere Grundlagen zu stellen. Besonders seine Wirtschafts- und Sozialpolitik, darunter das Ende der Sozialistengesetze und der Abschluss vorteilhafter Handelsverträge, wird heute als Teil einer Modernisierung des Kaiserreichs bewertet. Trotz einiger Kontroversen wird Caprivi als sachlicher, unprätentiöser Politiker beschrieben, der versuchte, die innere Spaltung des Reiches abzubauen. Seine außenpolitischen Entscheidungen, insbesondere gegenüber Russland, gelten dagegen als mitverantwortlich für spätere diplomatische Spannungen.