Burgunder (Volksstamm)

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Die Burgunden waren ein ostgermanischer Volksstamm, der seit der Spätantike in Mitteleuropa hervortrat. Sie wanderten aus dem nordosteuropäischen Raum nach Mitteleuropa und später in römische Gebiete ein. Ihre Geschichte ist eng mit den politischen Umbrüchen des 4. und 5. Jahrhunderts verbunden. Bedeutend wurden sie vor allem durch ihr kurzlebiges, aber einflussreiches Burgundenreich im Gebiet des heutigen Ostfrankreichs.

Herkunft und frühe Wanderungen

Die genaue Herkunft der Burgunden ist nicht eindeutig belegt. Antike Autoren verorteten sie im südlichen Ostseeraum. Spätestens im 3. Jahrhundert traten sie im römischen Grenzgebiet am Rhein auf. Konflikte und Bündnisse mit dem Römischen Reich wechselten sich ab. Im frühen 5. Jahrhundert siedelten sie sich im Raum Worms an, wo ein erstes burgundisches Königreich entstand.

Königreich am Rhein

Um 413 entstand im Umfeld von Worms ein burgundisches Reich, das unter König Gundahar eine zentrale Rolle im westlichen Grenzraum spielte. 436 wurde es durch einen römischen Feldzug unter Aëtius und hunnische Verbündete zerstört. Die Ereignisse dieser Zeit flossen später in die Sage um die Nibelungen ein, in der das burgundische Königtum literarisch verarbeitet wurde.

Reich in Gallien

Nach der Niederlage am Rhein wurden die Burgunder als Föderaten im Gebiet der heutigen Regionen Savoyen und Franche-Comté angesiedelt. Dort entstand ein zweites Burgundenreich mit Zentren in Lyon und Genf. Es entwickelte sich zu einem wichtigen Machtfaktor im zerfallenden Weströmischen Reich und dehnte seinen Einfluss im 5. und frühen 6. Jahrhundert aus.

Gesellschaft und Kultur

Die burgundische Gesellschaft war in Familienverbände und Gefolgschaften gegliedert. Römische und germanische Traditionen mischten sich. Mit der Christianisierung gewannen kirchliche Strukturen an Bedeutung. Das "Lex Burgundionum", eine frühmittelalterliche Rechtsordnung, regelte das Zusammenleben von Burgundern und gallo-römischer Bevölkerung und gilt als eine der ältesten germanischen Gesetzessammlungen.

Untergang und Nachwirkung

Im frühen 6. Jahrhundert geriet das Burgundenreich in Abhängigkeit der Merowinger und wurde 534 vollständig in das Frankenreich eingegliedert. Der Name Burgund und das historische Gebiet lebten in späteren politischen Einheiten wie dem Herzogtum Burgund und der Freigrafschaft Burgund fort. Die Burgunden selbst gingen im fränkisch-gallo-römischen Bevölkerungsverband auf.


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