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Autor Thema: Das Leistungsprinzip in der Schule  (Gelesen 6874 mal)
maywald
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Beiträge: 16


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Das Leistungsprinzip in der Schule
« am: Januar 07, 2007, 01:52:46 »

  Schockiert Ärgerlich Zunge Verlegen Zwinkernd

 Kurz gesagt geht es um die soziale Funktion des bürgerlichen Bildungsarrangements und die Hereinnahme eines ökonomischen Primats in den pädagogischen Prozess:  Das Leistungsprinzip.   

Bekanntermaßen die Leitdifferenz (N. Luhmann), die frühere Unterscheidungskriterien wie z.B. Herkunft und Stand ersetzt.
Meines Erachtens individualisiert das Unterscheidungskriterium "Leistung" nur die ohnehin schon bestehenden sozialen  Unterschiede und ersetzt diese nicht.  Es ist ein neues Kontrastierungsverfahren, dass eine gruppenspezifische Ressourcenverteilung und bestimmte luxeriöse Entfaltungsrechte weniger Auserwählter, anhand der angesprochenen Unterscheidung,  gesellschaftlich legitimieren soll.

Neben der Vorstellung von der bildungsmäßigen Formung eines Menschen geht einher das Effizienzdenken.  Es soll durch den pädagogischen Prozess ein Produkt entstehen, dass sich optimal in den wirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Verwertungszusammenhang eingliedern lässt.

 Das Credo der optimalen Bildung kaschiert die  eigentliche Absicht:
Die statusmäßige Zurichtung des Menschen im Dienste einer immer noch bestehenden Klassengesellschaft.  Das Bildungsarrangement an unseren Schulen erfüllt diesen Zweck, indem es eine neue Leitdifferenz in ihr Teilsystem einführt. 

Bildbarkeit des Menschen erfüllt sich nur noch dahingehend, als das diese an Leistungsstandards gemessen, bestimmten Erwartungen gerecht werden muss.  Der Mensch nur noch als optimierte Teilressource eines ganzen Ressourcenpools.  Es geht einfach um die bestmögliche Resourcennutzung im Interesse weniger Profiteure des Arrangements Gesellschaft.

Es geht auch nicht mehr um die bestmögliche Entfaltung individuell gewälter , am eigenen   Vermögen und Begabungen  orientierter, Präferenzen.  Kurz gesagt, es geht dem pädagogischen Arrangement auch nicht mehr um menschengerechte Formung durch Initiierung von vielfältigen Lernmöglichkeiten und daraus ableitbaren individuellen Chancen.

Der "Mythos von der Leistungsgesellschaft" (Michael Hartmann) pflegt die Vorstellung, dass individuelle Kraftanstrengung zum gewünschenten Ergebnis führt.  Tatsache ist, dass das schulmäßige Verfahren, dessen  genannte Leitdiffrenz und Prozeßlogik, über Erfolg oder Mißerfolg einer Karriere entscheidet. 

Leistung in diesem Sinne führt selten zu individuell  erfolgsversprechenden Karrierechancen.  Der bloße Titelerwerb marginal, da inflationär.  "Leistung" , gemessen an überindividuellen Möglichkeiten und Erwartungen, hat sich im Bildungssystem als resistenter selektiver Mechanismus erwiesen, der Chancen reduziert und Scheitern produziert.

Es geht nicht allein um die Meßbarkeit und des Vergleichs von erbrachter Lern-Leistung, was ja unter bestimmten Gesichtspunkten hilfreich sein kann, sondern um die Setzung markanter Unterschiede, die man nicht an der Gesellschaft festzumachen sucht, sondern am Individuum. 

Das Scheitern an Zielvorgaben ist dann per definitionem dann eine persönliche Niederlage und kein Versagen des Arrangements. 

Alle Bezüge auf Intelligenz, Fleiß und Anstrengung sind nachgeordnete Interpretationsversuche, um den Aspekt gemessener Leistung zu individualisieren. 

Mit Wissen darüber, dass das Ergebnis gemessener Leistung ein individuelles Problem ist, erfolgt auch eine individuumsspezifische Zuschreibung von Erfolg oder Versagen.

Fremdbestimmte und weniger an Voraussetzungen des Individuums gebundene Standards zur Erreichung bestimmter Ziele dienen mehr einem Gruppenprotektionismus besonderer Art.  Es soll ein kulturelles Erbe bewahrt werden, dass immer verbunden war mit einem besonderen sozialen Erbe.  Es ist das Erbe eines schon immer bestandenen Gruppenfeudalismus,  legitimiert durch angeblich hervorragende Leistungen   der einzelnen Gruppenmitglieder.

Leistung soll sich wieder lohnen. Fragt sich nur, für wen.

 
www.maywald.net   Küsschen
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