Die Schwerkraft scheint sich im All anders zu verhalten als es
die Theorie vorschreibt. Grundlage dieser Annahme ist ein
unerklärliches
Bremsverhalten verschiedener Raumsonden. "Wir arbeiten an diesem
Problem schon seit Jahren und haben alle Fehlerquellen beachtet, die
uns eingefallen sind.", meint Astronom John Anderson vom NASA
Jet Propulsion
Laboratory.
Pioneer 10, eine Raumsonde, die 1972 gestartet wurde,
verlangsamt sich schneller als es nach allen Berechnungen der Fall
sein dürfte. Diese Abbremsung ist zwar minimal, denn mit ihr würde
es 650 Jahre dauern bis ein Auto mit 60 Stundenkilometern zum Stehen
kommt, für die Astronomen speilen aber auch kleinste Abweichungen
eine wichtige Rolle. Als mögliche Ursachen des Bremseffektes prüften
die Forscher die Sonde auf ein Treibstoffleck und auf eine höhere
Reibung. Doch diese Ursachen konnten sie ausschließen. Zudem
beobachteten sie eine ähnliche mysteriöse Abbremsung bei den
Raumsonde Pioneer 11,
Ulysses
und sogar bei
Galileo.
Inzwischen glauben die Wissenschaftler an einen systematischen
Fehler, da es zu unwahrscheinlich ist, daß die Schwerkraft auf
Raumsonden anders wirkt als auf Planeten. Um weitere Ideen für nicht
beachtete Fehlerquellen zu bekommen, veröffentlichen sie ihre
Ergebnisse in der Fachzeitschrift Physical Review Letters. Doch
weiterhin existiert eine geringe Chance, daß dieser Effekt eine
wichtige Änderungen der Schwerkraft-Theorien nach sich ziehen
könnte.
15.09.1998
Quelle:
Bild
der Wissenschaft