Überwachen und Strafen (Michel Foucault)

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Überwachen und Strafen – Die Geburt des Gefängnisses (frz. Surveiller et punir) ist ein philosophisches Werk des französischen Denkers Michel Foucault, das 1975 erschien. Es gilt als ein Schlüsseltext der modernen Sozialphilosophie und analysiert den Wandel von Strafpraktiken und Machtstrukturen seit dem 18. Jahrhundert.

Ziel des Werks

Foucault untersucht, wie sich die Bestrafung von Körperstrafen (z. B. öffentliche Hinrichtungen) hin zu einer scheinbar „humaneren“ Bestrafung, nämlich dem Gefängnis, verlagert hat – und wie sich damit die Art der Machtausübung verändert hat. Zentral ist dabei nicht nur die Strafe selbst, sondern auch die Überwachung als neue, allgegenwärtige Machtform.

Das Panoptikum

Ein zentrales Bild in Foucaults Werk ist das sogenannte Panoptikum, ein Gefängnismodell, das der englische Philosoph Jeremy Bentham im 18. Jahrhundert entwarf. Dabei handelt es sich um einen kreisförmigen Bau, bei dem ein Wärter von einem zentralen Turm aus alle Gefangenen sehen kann – ohne selbst gesehen zu werden.

Merkmale des Panoptikums

  • Die Gefangenen können nie sicher sein, ob sie gerade überwacht werden.
  • Dadurch entsteht eine ständige Unsicherheit, die zur Selbstüberwachung führt.
  • Der Zwang zur Disziplin wird 'verinnerlicht – das Individuum reguliert sich selbst.

Foucault sieht im Panoptikum kein bloßes Gefängnismodell, sondern ein Symbol moderner Gesellschaften. Es veranschaulicht, wie Macht durch Überwachung funktioniert – subtil, unsichtbar und effektiv.

Die Disziplinargesellschaft

Foucault zeigt, dass sich die Prinzipien des Panoptikums weit über das Gefängnis hinaus verbreitet haben – etwa in Schulen, Kasernen, Fabriken und Krankenhäusern. Moderne Gesellschaften verwandeln sich so in Disziplinargesellschaften, in denen Menschen durch Regeln, Normen und ständige Beobachtung geformt und kontrolliert werden.

Kritik und Wirkung

„Überwachen und Strafen“ hatte großen Einfluss auf Soziologie, Pädagogik, Kriminologie und Politikwissenschaft. Foucault wurde dafür gelobt, Macht als etwas zu zeigen, das nicht nur von oben ausgeht, sondern in vielen kleinen Alltagspraktiken wirkt. Kritiker warfen ihm jedoch vor, zu pessimistisch zu sein und dem Individuum zu wenig Widerstandskraft zuzugestehen.

Literaturhinweis

  • Michel Foucault: Überwachen und Strafen – Die Geburt des Gefängnisses. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1976.

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