Albigenser
Albigenser
| Gegründet | 11. Jahrhundert |
| Ursprungsort | Südfrankreich (besonders Region um Albi) |
| Hauptsatz | Dualistische Weltauffassung und Ablehnung kirchlicher Autorität |
| Art | Häresie innerhalb des Mittelalters |
| Verhältnis zur Kirche | Von der katholischen Kirche als häretisch verurteilt |
| Bekannte Vertreter | Raimund VI. von Toulouse (Schutzherr), Katharische Lehrer |
Die Albigenser waren eine religiöse Bewegung des Hochmittelalters, die im 11. und 12. Jahrhundert vor allem in Südfrankreich, im Gebiet um die Stadt Albi, entstand. Der Name „Albigenser“ leitet sich von dieser Stadt ab, die als eines der Zentren der Bewegung galt. Inhaltlich standen die Albigenser in enger Verbindung zu den sogenannten Katharern, mit denen sie häufig gleichgesetzt oder zumindest eng verbunden wurden. Sie traten in einer Zeit auf, in der die katholische Kirche ihre Macht ausweitete und Reformbewegungen innerhalb der Christenheit aufkamen. Die Albigenser lehnten die Autorität der römischen Kirche ab und wandten sich gegen den als korrupt empfundenen Klerus. Ihr Einfluss verbreitete sich vor allem im südlichen Frankreich, wo sie auf breite Unterstützung in der Bevölkerung stießen, insbesondere unter Teilen des Adels, die sich von der Kirche distanzierten.
Die Lehre der Albigenser war stark dualistisch geprägt. Sie glaubten an zwei gegensätzliche Prinzipien: einen guten, geistigen Gott, der die unsichtbare Welt geschaffen habe, und einen bösen, materiellen Gott, der für die sichtbare Welt und das menschliche Leid verantwortlich sei. Materie galt daher als verderbt und sündig, während das Geistige als rein und göttlich betrachtet wurde. Diese Überzeugung führte zu einer asketischen Lebensweise, in der viele Albigenser auf Fleischkonsum, Reichtum und körperliche Genüsse verzichteten. Das Ideal des sogenannten "Perfectus" oder "Vollkommenen" stand im Zentrum ihrer Glaubenspraxis – einer Lebensweise, die völlige Abkehr von der materiellen Welt verlangte. Menschen, die dieses Ideal nicht erreichen konnten oder wollten, wurden als "Gläubige" bezeichnet und sollten die Vollkommenen unterstützen.
Die katholische Kirche reagierte mit zunehmender Härte auf die Ausbreitung der Bewegung. Papst Innozenz III. rief 1209 zum Albigenserkreuzzug auf, einem militärischen Feldzug gegen die als Ketzer betrachteten Gläubigen im Süden Frankreichs. Der Krieg dauerte fast zwanzig Jahre und endete mit der weitgehenden Vernichtung der Bewegung. Der spätere Einsatz der Inquisition in der Region diente ebenfalls der vollständigen Unterdrückung der albigenserischen Lehre. Zeitgenössische Berichte schildern grausame Massaker, darunter die Zerstörung von Béziers 1209, bei der auch viele Unbeteiligte getötet wurden. Der Albigenserkrieg gilt als eines der düstersten Kapitel kirchlicher Gewaltgeschichte und markierte zugleich den Beginn einer systematischen Bekämpfung abweichender Glaubensrichtungen durch die Kirche.
Die Überlieferung der Albigenser ist überwiegend aus kirchlichen Quellen bekannt, da ihre eigenen Schriften weitgehend vernichtet wurden. Über ihr Glaubenssystem lässt sich heute vor allem aus den Protokollen der Inquisition und aus den Schriften ihrer Gegner, etwa Dominikanern und Zisterziensern, schließen. Dennoch geben einige überlieferte Texte, die den Katharern zugeschrieben werden, Einblick in die religiösen Vorstellungen der Bewegung. Die historische Forschung betrachtet die Albigenser heute als Ausdruck tiefgreifender religiöser Spannungen im Mittelalter – zwischen geistlicher Erneuerung, sozialem Protest und kirchlicher Kontrolle. Sie zeigen, wie vielfältig und lebendig die religiöse Landschaft des Mittelalters war, bevor sie durch den Druck der Institution Kirche vereinheitlicht wurde.