Deutsche Militärdelegation auf der Maiparade in Moskau 1941
Die Maiparade am 1. Mai 1941 auf dem Roten Platz in Moskau war die letzte sowjetische Parade vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion. Sie fand nur sieben Wochen vor Beginn der Operation "Barbarossa" statt und gilt als symbolischer Höhepunkt der brüchigen deutsch-sowjetischen Beziehungen nach dem Molotow–Ribbentrop-Pakt von 1939.
Anwesenheit deutscher Offiziere
Sowjetische Wochenschauen belegen die Anwesenheit einer kleinen deutschen Militärdelegation auf dem Roten Platz. Zu den erkennbaren Teilnehmern gehörten der deutsche Militärattaché in Moskau, General Ernst Köstring, sowie Oberst Hans Krebs, beide Mitglieder der deutschen Botschaft. Die Delegation befand sich nicht auf der Ehrentribüne des Lenin-Mausoleums, sondern auf dem Platz, wo die ausländischen Militärattachés traditionell postiert wurden.[1][2]
Der Handschlag Timoschenkos
Das offizielle Filmmaterial zeigt, wie Marschall Semyon Timoschenko, Volkskommissar für Verteidigung, vor Beginn der Parade mehrere ausländische Militärattachés begrüßt und ihnen die Hand reicht – darunter auch den beiden deutschen Offizieren. Die Szene spielt sich auf der Fläche des Roten Platzes ab, nicht auf der Tribüne. Einige der Gäste neigen leicht den Kopf, was als Zeichen militärischer Höflichkeit zu deuten ist. Unmittelbar darauf blickt die Gruppe nach oben, als eine Formation sowjetischer Flugzeuge über den Kreml zieht. Die Sequenz stammt aus dem sowjetischen Wochenschaufilm "Союзкиножурнал" (Nr. 36/1941) und ist im russischen Staatsfilmarchiv erhalten.[3][4]
Diplomatischer Kontext
Der Händedruck erfolgte in einer Phase zunehmender Spannungen. Trotz des fortbestehenden Nichtangriffspakts zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion verschlechterten sich die bilateralen Beziehungen seit Jahresbeginn 1941 rapide. Die sowjetische Führung registrierte bereits massive deutsche Truppenbewegungen entlang der Westgrenze, hielt aber an einem demonstrativen Auftreten diplomatischer Normalität fest. Die Einladung der deutschen Militärattachés zur Parade diente als politisches Signal äußerlicher Freundschaft und zugleich als Ausdruck sowjetischer Selbstsicherheit.[5][6]
Nachwirkung
Nur sieben Wochen nach der Parade, am 22. Juni 1941, begann der deutsche Angriff auf die Sowjetunion. Marschall Timoschenko übernahm das Oberkommando der Roten Armee in den ersten Kriegsmonaten. Die filmisch überlieferte Szene seines Handschlags mit deutschen Offizieren gilt heute als symbolischer Endpunkt der kurzen Phase diplomatischer Kooperation zwischen beiden Staaten. Sie dokumentiert die fragile Fassade gegenseitiger Höflichkeit unmittelbar vor dem Kriegsausbruch.
Siehe auch
Literatur
- Andreas Hillgruber: Hitlers Strategie. Politik und Kriegführung 1940–1941. Frankfurt am Main 1965.
- Gabriel Gorodetsky: Grand Delusion. Stalin and the German Invasion of Russia. Yale University Press 1999.
- Bernd Bonwetsch, Alexander Chubarian (Hrsg.): Sowjetunion und Deutschland 1939–1941. München 1991.