Diogenes von Sinope
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| Alternativnamen | Diogenes der Kyniker |
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| Kurzbeschreibung | Griechischer Philosoph, Hauptvertreter des Kynismus |
| Geburtsdatum | ca. 399 v. Chr. |
| Alter |
~ 70 Jahre |
| Geburtsort | Sinope (heute Sinop, Türkei) |
| Sterbedatum | zw. 328 v. Chr. und 323 v. Chr. |
| Sterbeort | Korinth |
| Staatsangehörigkeit | Griechisch |
| Tätigkeitsfeld | Philosophie, Kynismus |
| Bekannt für | Bedürfnislosigkeit, Kritik an gesellschaftlichen Konventionen |
| Aktiv seit | 4. Jahrhundert v. Chr. |
| Werke (Auswahl) | Keine erhalten |
(* ca. 399 – † zw. 328 u. 323)
Griechischer Philosoph (Kyniker). Diogenes von Sinope gilt als einer der bekanntesten Vertreter des Kynismus, einer Schule, die Einfachheit, Bedürfnislosigkeit und Selbstgenügsamkeit als Grundlage des tugendhaften Lebens lehrte. Er wurde in Sinope am Schwarzen Meer geboren und verbrachte den größten Teil seines Lebens in Athen und Korinth. Sein Denken und Auftreten waren geprägt von radikaler Gesellschaftskritik: Er verwarf Reichtum, Macht und gesellschaftliche Normen und forderte ein Leben gemäß der Natur.
Diogenes lebte bewusst in äußerster Armut und soll in einem großen Tonfass (oft "Tonne" genannt) gewohnt haben. Er ernährte sich von einfachen Lebensmitteln und galt als Symbol für Unabhängigkeit von materiellen Gütern. Berühmt wurde er durch zahlreiche Anekdoten: Auf die Frage Alexanders des Großen, ob er ihm einen Wunsch erfüllen könne, soll Diogenes geantwortet haben: "Geh mir aus der Sonne." Ebenso bekannt ist seine Suche nach einem "Menschen" – mit einer Laterne in der Hand soll er am helllichten Tag durch die Straßen Athens gegangen sein und ausgerufen haben: "Ich suche Menschen!", womit er die moralische Heuchelei seiner Mitbürger anprangerte.
Seine Philosophie forderte, sich von künstlichen Bedürfnissen zu befreien und sich auf das Wesentliche zu beschränken. Diogenes lehnte gesellschaftliche Konventionen ab, verspottete die Eitelkeit der Mächtigen und betonte die Selbstgenügsamkeit (autarkeia) als Kern der Freiheit. Er verstand sich als Weltbürger und gilt als einer der ersten, die diesen Begriff für sich verwendeten. Trotz seines provozierenden Verhaltens beeinflusste er die spätere Stoa entscheidend, insbesondere durch seine Betonung von Tugend, Freiheit und Unabhängigkeit vom äußeren Besitz.