Euromaidan
Der Euromaidan bezeichnet eine Protestbewegung in der Ukraine, die von November 2013 bis Februar 2014 andauerte. Auslöser war die Entscheidung der ukrainischen Regierung unter Präsident Wiktor Janukowytsch, ein bereits ausgehandeltes Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union nicht zu unterzeichnen. Die Proteste begannen auf dem Maidan Nesaleschnosti (Platz der Unabhängigkeit) in Kiew und entwickelten sich zu einer landesweiten Bewegung gegen Korruption, Machtmissbrauch und autoritäre Tendenzen.
Ausgangslage
Im Herbst 2013 stand die Ukraine vor der Wahl zwischen einer engeren Anbindung an die EU oder einer stärkeren Orientierung an Russland. Die Regierung setzte die EU-Annäherung kurzfristig aus und begründete dies mit wirtschaftlichem Druck aus Russland. Viele Ukrainer sahen darin eine Abkehr von europäischen Reformversprechen und einen Rückschritt in Richtung eines postsowjetischen Machtmodells. Erste Demonstrationen wurden überwiegend von Studenten getragen und verliefen zunächst friedlich.
Verlauf der Proteste
Ab Ende November 2013 wuchsen die Proteste stark an, nachdem Sicherheitskräfte Demonstranten gewaltsam auflösten. Auf dem Maidan entstanden Barrikaden und ein dauerhaftes Protestcamp. In den folgenden Monaten kam es wiederholt zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei, besonders im Januar und Februar 2014. Scharfschützeneinsätze und Straßengewalt führten zu zahlreichen Toten. Die Proteste weiteten sich auch auf andere Städte aus und wurden zunehmend politisiert.
Politische Folgen
Am 21. Februar 2014 unterzeichnete Präsident Janukowytsch ein Abkommen mit der Opposition, verließ jedoch kurz darauf Kiew und floh später nach Russland. Das ukrainische Parlament erklärte ihn für abgesetzt. Eine Übergangsregierung übernahm die Amtsgeschäfte, Neuwahlen wurden angesetzt. Kurz darauf folgten die Annexion der Krim durch Russland und der Beginn des bewaffneten Konflikts im Osten der Ukraine.
Bedeutung
Der Euromaidan gilt als Wendepunkt der jüngeren ukrainischen Geschichte. Er steht für den Wunsch großer Teile der Bevölkerung nach politischer Mitbestimmung, Rechtsstaatlichkeit und europäischer Orientierung. Gleichzeitig verschärfte er die geopolitische Konfrontation zwischen Russland und dem Westen und prägt bis heute die innen- und außenpolitische Entwicklung der Ukraine.