Fitness (Biologie)
(aus dem engl. fit – "angepasst")
Die biologische Fitness (auch Evolutionäre Fitness oder einfach Fitness) bezeichnet in der Evolutionsbiologie die Fähigkeit eines Individuums, seine Gene erfolgreich an die nächste Generation weiterzugeben. Sie beschreibt somit die Anpassungsfähigkeit eines Organismuses oder einer Spezies an ihre Umweltbedingungen und wird im Wesentlichen durch den Fortpflanzungserfolg bestimmt.
Im engeren Sinne ist Fitness ein Maß für die relative Häufigkeit bestimmter Genotypen in nachfolgenden Generationen. Individuen mit einer höheren Fitness hinterlassen – direkt oder indirekt – mehr Nachkommen, die ihr Erbgut tragen. Die biologische Fitness hängt dabei nicht nur von physischen Merkmalen ab, sondern auch von Verhalten, Paarungsstrategien, sozialer Stellung und ökologischen Faktoren wie Nahrungsverfügbarkeit oder Klimaeinflüssen.
In der Evolutionstheorie nach Charles Darwin spielt Fitness eine zentrale Rolle im Mechanismus der natürlichen Selektion. Organismen, deren Eigenschaften besser an die Umwelt angepasst sind, haben höhere Überlebens- und Fortpflanzungschancen. Mit der Zeit setzen sich diese Merkmale in der Population durch.
Formen der Fitness
- Individuelle Fitness: Maß für den Fortpflanzungserfolg eines einzelnen Individuums im Vergleich zu anderen derselben Population.
- Inklusive Fitness: Umfasst neben den eigenen Nachkommen auch den Beitrag zur Vermehrung von Verwandten, die gemeinsame Gene tragen (z. B. durch altruistisches Verhalten).
- Relative Fitness: Vergleichswert, der angibt, wie erfolgreich ein bestimmter Genotyp im Verhältnis zu anderen Genotypen einer Population ist.
Missverständnisse
Die biologische Fitness darf nicht mit dem umgangssprachlichen Begriff der körperlichen Fitness gleichgesetzt werden. Ein Individuum kann in der biologischen Bedeutung "fit" sein, ohne körperlich stark oder gesund zu wirken, sofern es erfolgreich Nachkommen hinterlässt. Ebenso können Umweltbedingungen bewirken, dass bestimmte Merkmale – etwa Tarnung, Sozialverhalten oder Anpassung an Nahrung – wichtiger für die Fitness sind als physische Stärke.
Bedeutung in der modernen Forschung
In der modernen Populationsgenetik und Evolutionsökologie wird Fitness häufig mathematisch modelliert, um Veränderungen in der Häufigkeit von Genen innerhalb einer Population zu beschreiben. Auch in der Verhaltensbiologie und Soziobiologie spielt der Fitnessbegriff eine zentrale Rolle, etwa bei der Erklärung von Kooperation, Partnerwahl und altruistischem Verhalten.