Sehne

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Eine Sehne ist ein zugfestes Bindegewebsgebilde, das einen Muskel mit einem Knochen verbindet. Sie besteht überwiegend aus parallel verlaufenden Kollagenfasern des Typs I. Diese sind in dichten Bündeln organisiert und von einer dünnen Bindegewebsschicht, dem sogenannten Endotendineum, umgeben. Mehrere dieser Faserbündel werden durch das Peritendineum zusammengefasst. Die gesamte Sehne ist schließlich von einer äußeren Hülle, dem Epitenon, umschlossen. In bestimmten anatomischen Regionen liegt zusätzlich eine Gleitstruktur, das Paratenon oder eine Sehnenscheide (Vagina tendinis), vor, welche die Reibung bei Bewegung minimiert.

Der Aufbau einer Sehne ist auf maximale Zugfestigkeit bei gleichzeitig möglichst geringem Eigengewicht ausgelegt. In ihrer Zusammensetzung überwiegen extrazelluläre Matrixbestandteile, insbesondere Kollagen und Proteoglykane, während Zellen – sogenannte Tenocyten – nur einen geringen Anteil ausmachen. Diese Zellen sind für die Synthese und Erhaltung der Matrix verantwortlich.

Sehnen sind in der Regel schlecht durchblutet, was ihre Regenerationsfähigkeit einschränkt. Der Stoffwechsel erfolgt überwiegend durch Diffusion. Aufgrund dieser eingeschränkten Versorgung reagieren Sehnen empfindlich auf Überlastung und neigen bei chronischer Belastung zu degenerativen Veränderungen (Tendinopathien).

Funktion und mechanische Eigenschaften

Die Hauptaufgabe einer Sehne besteht in der Übertragung der Muskelkraft auf das Skelettsystem. Bei einer Muskelkontraktion zieht die Sehne am Knochen und bewirkt so eine Bewegung eines Gelenks. Dabei fungiert die Sehne als mechanischer Überträger, der die durch den Muskel erzeugte Kraft in eine Zugbelastung umwandelt. Die parallele Anordnung der Kollagenfasern ermöglicht eine gezielte Kraftübertragung in Längsrichtung, wodurch die Sehne hohen Belastungen standhalten kann.

Sehnen weisen ein viskoelastisches Verhalten auf. Das bedeutet, dass sie sich bei Belastung nicht rein elastisch, sondern zeitabhängig verformen. Dieses Verhalten ermöglicht eine gewisse Energieaufnahme und -rückgabe während der Bewegung, was die Effizienz des muskulären Bewegungsapparats steigert. Eine zu starke oder wiederholte Belastung kann jedoch zu Mikrotraumen führen, insbesondere wenn keine ausreichenden Erholungsphasen eingehalten werden.

Je nach Funktion und Lage unterscheiden sich Sehnen in ihrer Form. Es gibt kurze, breite Sehnen wie die der Gesäßmuskulatur sowie lange, schlanke Sehnen wie die der Fingerbeuger. In Bereichen mit starker mechanischer Beanspruchung sind Sehnen häufig durch Sehnenplatten (Aponeurosen) verstärkt oder durch Schleimbeutel (Bursae) gepolstert. Diese Anpassungen dienen dem Schutz vor Druck und Reibung.

Klinisch bedeutsam sind Verletzungen wie Sehnenrisse (Rupturen) oder Reizzustände (Tendinitis). Sie erfordern je nach Ausmaß konservative oder operative Maßnahmen und eine gezielte Rehabilitation. Die Diagnostik erfolgt in der Regel bildgebend mittels Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT).