Textspiel

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Als Textspiel wird ein Computerspiel bezeichnet, das ausschließlich über Texteingaben und Textausgaben funktioniert und keine grafischen Elemente verwendet. Der Spieler interagiert dabei durch die Eingabe von Befehlen oder Antworten über die Tastatur, woraufhin das Programm mit einer entsprechenden Textausgabe reagiert. Textspiele entstanden in den frühen 1970er-Jahren, als Rechenleistung und Speicherplatz der Computer noch stark begrenzt waren. Zu den frühesten Beispielen zählt das 1971 erschienene Spiel Star Trek, in dem der Spieler aus einer textbasierten Übersicht heraus feindliche Raumschiffe aufspüren und bekämpfen musste. Diese frühen Programme legten den Grundstein für eine Vielzahl von textbasierten Spielkonzepten, die sich in den folgenden Jahren herausbildeten.

Merkmale

Textspiele verzichten vollständig auf grafische Darstellungen und nutzen Text sowohl zur Beschreibung des Spielgeschehens als auch zur Eingabe von Befehlen. Dadurch war es möglich, auch auf einfachen Terminals, Großrechnern oder Taschencomputern komplexe Spielmechaniken zu realisieren. Die Ausgaben bestanden meist aus schlichten Textzeilen, die den aktuellen Zustand des Spiels erklärten, während der Spieler über Kommandos wie "SCAN", "MOVE" oder "FIRE" die Aktionen steuerte. Manche Textspiele enthielten einfache ASCII-Grafiken oder Tabellen, die den Spielverlauf veranschaulichten.

Textspiele auf Taschen- und Taschenrechnern

In den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren wurden einfache Textspiele auch auf programmierbaren Taschenrechnern oder Taschencomputern umgesetzt. Geräte wie der HP-65, der TI-58 oder die Sharp-PC-Serie ermöglichten das Speichern kleiner Programme, die meist in BASIC oder mit numerischen Befehlscodes erstellt wurden. Zu den bekannten Beispielen zählen Lunar Lander (auch Mondlandung genannt), bei dem der Spieler den Schub einer Landefähre so regulieren musste, dass eine sanfte Landung gelang, sowie einfache Rechen- und Logikspiele wie Guess the Number oder Rocket. Auch Varianten von Star Trek oder kleine Handelssimulationen wurden in vereinfachter Form für diese Geräte geschrieben. Da diese Rechner über keine Bildschirmgrafik verfügten, beschränkten sich die Ausgaben auf Zahlen und kurze Textzeilen – etwa "ALT=120", "SPEED=30", "BURN?" –, was sie zu minimalistischen, aber spielbaren Simulationen machte.[1]

Abgrenzung zu Textadventures

Textspiel Star Trek von 1971

Während der Begriff Textspiel alle textbasierten Spiele umfasst, bezeichnet ein Textadventure speziell jene Variante, die auf eine erzählerische Struktur und eine simulierte Spielwelt setzt. In Textadventures bewegt sich der Spieler durch beschriebene Orte, sammelt Objekte und löst Rätsel, um eine Geschichte voranzutreiben. Der Parser interpretiert natürlichsprachliche Eingaben wie "nimm Schlüssel" oder "gehe nach Norden", was dem Spiel einen literarischen Charakter verleiht. Im Gegensatz dazu stehen viele frühe Textspiele wie Star Trek oder Hammurabi, die keinen narrativen Fokus hatten, sondern strategische, ökonomische oder mathematische Aufgaben boten. Diese gelten als textbasiert, aber nicht als Adventures im engeren Sinn.[2]

Historische Bedeutung

Textspiele spielten in den Anfangsjahren der Computerspielgeschichte eine zentrale Rolle, da sie auch auf einfachen Systemen wie dem PDP-10, dem Altair 8800 oder programmierbaren Taschencomputern lauffähig waren. Sie dienten häufig als Programmierübungen in Sprachen wie BASIC und beeinflussten das Design späterer Genres. Mit dem Aufkommen leistungsfähiger Heimcomputer und der Möglichkeit grafischer Darstellung wandelte sich das Interesse zunehmend hin zu visuellen Spielen. Dennoch bleiben Textspiele ein wichtiger Bestandteil der Computerspielgeschichte, da sie die Grundlagen interaktiver Logik, Parsertechnik und Spielstruktur legten.[3]

Nachwirkung

Auch im 21. Jahrhundert finden sich textbasierte Konzepte wieder, etwa in interaktiven Romanen, Konsolenterminal-Simulationen oder minimalistischen Indie-Spielen. Plattformen wie Twine oder Inform erlauben die Erstellung moderner textbasierter Erzählungen, die an die Tradition der frühen Textspiele anknüpfen. Dadurch bleibt die textuelle Form des Spiels ein lebendiger Ausdruck der Verschmelzung von Literatur und interaktiver Technik.

Quellennachweise